Russians Go Home - Maybe

2. August 2000

"Russians Go Home" lautete der Titel der englischsprachigen Georgian Times über der Meldung, dass sich Georgien und Russland auf die Einzelheiten eines Abzuges der russischen Truppen geeinigt haben.

Vereinbarungen dieser Art sind zwischen Tbilisi und Moskau in der Vergangenheit schon öfter geschlossen worden, aber die russische Seite hat immer wieder Gründe gefunden, dennoch weiter zu blieben. Diesmal sieht es aber danach aus, als ob der Abzug tatsächlich stattfinden wird. Grund hierfür ist aber nicht eine Verbesserung in den georgisch-russischen Beziehungen, sondern auf westlichen Druck hin sieht Moskau sich veranlasst, seine konventionelle Truppenstärke im Kaukasus auf die in Wien im Rahmen der OSZE mit den NATO Staaten festgelegten Obergrenze zu reduzieren.

Der militär-strategische Verlust dürfte sich dabei für die Planer im Kreml in Grenzen halten. Entscheidener ist, dass Russland damit einen Hebel verliert, auf die Entwicklung in Georgien Einfluss auszuüben.

In Tbilisi bescheinigt man der Gegenseite derzeit zwar einen sachlichen Verhandlungsstil, aber niemand hat Zweifel daran, dass Moskau auch weiterhin versuchen wird, alle Hebel zu nutzen, um ein Abdriften Georgiens Richtung Westen zu verhindern. So spricht Präsident Schewardnadze offen davon, Moskau mische sich auch weiterhin in die Angelegenheiten seines Landes.

 

© Martin Ebbing