Iran: Gespräche mit dem Großen Satan / 3

31. März 2006


bringen.

Dennoch nahm man das Gesprächsangebot an, um ein wenig dem wachsenden Druck entgegen zu wirken. Miteinander zu reden eröffnet zumindest die Chance, die Spannungen ein wenig zu reduzieren.

Der Iran ist auch bereit, sich dem amerikanischen Diktat zu beugen, über nichts anderes als den Irak zu reden. Der Atomstreit soll ausgeklammert werden, weil die Amerikaner glauben, Teheran werde eine solche Gelegenheit nur nutzen, um auf Zeit zu spielen, während gleichzeitig weiter an einer Bombe gearbeitet wird.

Der Iran will erst einmal abtasten, wie sich die Gegenseite verhält und wie konfrontativ oder kooperativ die Stimmung sein wird. Läuft das Treffen gut, dann kann man über das nächste Mal reden. Wenn nicht, hat man sich nicht blamiert.

Dabei steht außer Frage, dass der Schlüssel zu einer Beilegung des Atomkonfliktes in direkten Verhandlungen zwischen den beiden Hauptkontrahenten liegt. Wenn die Annahme zutrifft (die bislang nicht beweisen ist), dass der Iran den Bau einer Atombombe betreibt, dann ist das entscheidende Motiv darin, wie der Iran seine eigene Sicherheitslage einschätzt. Seit der Revolution ist man in Teheran davon überzeugt, dass Washington den Sturz des Regimes plane. Die jüngsten Äußerungen aus Washington können dieses Gefühl nur noch weiter bestärken. Seit dem Krieg in Afghanistan und im Irak sieht man sich von amerikanischen Truppen umstellt. Als die USA im März 2003 im Irak einmarschierten, waren viele in Teheran fest davon überzeugt, dass sie die Nächsten sein würden.

Eine Atombombe wäre eine Rückversicherung gegen derartige amerikanische Pläne. Um dieses Pfand aufzugeben, müsste Washington bereit sein, seine aggressiven Töne einzustellen und dem Regime in Teheran Sicherheitsgarantien geben. Diese werden sich nur zwischen beiden direkt vereinbaren lassen.

Auch wenn die Annahme einer Bombe nicht zutrifft, sind direkte Gespräche dringend nötig. Während der Iran sich bockig stellt, eskalieren die USA die Situation immer weiter. Es ist absehbar, dass Teheran auch unter Druck des Sicherheitsrates seine Anreicherungsarbeiten nicht aufgeben wird. Der nächste Schritt wären Sanktionen, die aber nach allen historischen Erfahrungen ebenfalls ihr Ziel nicht erreichen werden. So steuert man, bewusst oder unbewusst, auf eine militärische Konfrontation zu, die für die allemal labile Region eine Katastrophe wäre.

Direkte Gespräche wären ein Ausweg aus diesem Automatismus. Die Gespräche über den Irak wären die Chance auf einen Anfang.

 

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HINWEIS: Zur aktuellen Entwicklung des Konfliktes um den Iran schreibe ich ein Weblog

 

© Martin Ebbing 2006