Georgien: USA bereiten militärisches Engagement vor

27. Februar 2002


Sprecher des Pentagons bestätigten am Dienstag Pläne, im Rahmen des Kampfes gegen den Terrorismus bis zu 200 Spezialkräfte in die Kaukasusrepublik Georgien zu entsenden. Nach Angaben des Sprecher des europäischen Hauptquartier der US Streitkräfte, Lt. Col. Ed Loomis, hat bereits eine Gruppe von 40 Militärexperten in diesem Monat vor Ort eine Bestandsaufnahme georgischer Sicherheitsbedürfnisse vorgenommen. Weitere Gespräche mit dem georgischen Verteidigungsministerium finden in diesen Tagen in Tbilisi statt.

Bei seinem Besuch in Washington im Oktober vergangenen Jahres hatte die US Regierung Präsident Edward Schewardnadse bereits militärische Unterstützung zugesagt. Zehn UH-1H Huey Hubschrauber wurden im November nach Georgien geliefert. Ein US Ausbilder bildet georgische Militärpiloten an diesen Fluggeräten aus. Dieses Programm soll nun ausgeweitet werden.

Zeitlich vorerst unbegrenzt sollen 100 bis 200 Spezialisten den Aufbau einer 600 Mann starken georgischen Antiterrorismuseinheit unterstützen. Die US Soldaten sollen selbst nicht an Kampfhandlungen teilnehmen, besitzen aber das Recht, sich notfalls selbst zu verteidigen. Über die Lieferung von Waffen und Ausrüstung liegen keine Angaben vor.

Begründet wird vom Pentagon dieses Engagement im Kaukasus mit zunehmenden Erkenntnissen, dass Georgien zum Auffangbecken für Al-Qaida Mitglieder geworden sei, die aus Afghanistan fliehen mussten. Im Pankisi Tal im Nordosten des Landes entlang der Grenze zu Russland schlössen sie sich tschetschenischen Rebellen an, die dort unter den 7.000 Flüchtlingen schon länger Unterschlupf gefunden haben. "Es existiert eine klare Verbindung zwischen den Tschetschenen und Al-Qaida. Sie fallen eindeutig unter die Ziele des weltweiten Kampfes gegen den Terrorismus", zitiert die Washington Post einen Pentagon Mitarbeiter.

Die russische Regierung hatte schon lange gegenüber Tbilisi den Vorwurf erhoben, Georgien biete tschetschenischen "Terroristen" Zuflucht. Moskau wurde nicht müde, auf Beziehungen zwischen den Rebellen und Osama bin Laden hinzuweisen, um seinen eigenen Krieg in Tschetschenien zu rechtfertigen.

Die US Regierung hatte solche Aussagen bislang ignoriert. Am Montag wies der Sprecher des State Departments, Richard Boucher, aber darauf hin, dass in einem hauseigenen Bericht über den weltweiten Terrorismus Georgien als Drehscheibe für das Eindringen von Mujahedin nach Tschetschenien genannt wird.

In Moskau werden die neuen amerikanischen Pläne mit gemischten Gefühle betrachtet. Auf der einen Seite sieht man sich mit der Behauptung bestätigt, der Krieg in Tschetschenien sei nichts anderes als ein Kampf gegen den Terrorismus. Auf der anderen Seite beobachtet man im Kreml mit Sorge, wie die USA ihren Einfluss nun auch im südlichen Kaukasus ausdehnen.

Georgien ist ein wichtiger Transitpunkt für den Transport von kaspischem Öl und Gas auf die Weltmärkte. Noch in diesem Jahr soll offiziell mit dem Bau einer Öl-Pipeline vom aserbaidschanischen Baku zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan begonnen werden, die auch durch Georgien verlaufen wird. Die US Regierung unterstützt massiv dieses Projekt, um einen Transportweg zu schaffen, der sowohl am Iran wie an Russland vorbeiführt.

Die Entsendung von US Militärs nach Georgien wird auch zur Stabilisierung der Regierung in Tbilisi beitragen. Präsident Schewardnadse konnte im vergangenen Jahr nur durch geschicktes Manövrieren sein politisches Überleben sichern, als die wachsende Unzufriedenheit mit Korruption und Ineffizienz zum Rücktritt von führenden Regierungsmitgliedern und Parlamentsmitgliedern seiner eigenen Partei sowie zu Straßenprotesten führte.

Am Montag wurde einer der engsten Weggefährten Schewardnadses tot in seinem Büro aufgefunden. Nach bisherigen Kenntnissen hatte der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, Nugzar Sadtschaja, Selbstmord begangen. Seinem Tod waren öffentliche Anschuldigungen vorausgegangen, Sadtschaja sei der Drahtzieher von Attentaten gegen politische Gegner Schewardnadses.

 

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© Martin Ebbing 2002