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Diese Frage kann einen Nichtbehinderten in Verlegenheit bringen.
Für Irritation sorgt nicht allein die Unkenntnis über die Lebensbedingungen
von Behinderten, sondern die Vorstellung von Körpern, die nach
den gängigen Schönheitsidealen alles andere als erotisch gelten.
Sex findet zwischen Menschen mit strammen Brüsten, knackigem Po,
breiten, muskulösen Schultern und Waschbrettbauch statt. Kleinere
Unvollkommenheiten versucht man zu überdecken und werden mit einem
beschädigten Selbstbewusstsein bestraft. Ein Buckel, unkoordinierte
Motorik, deformierte Gliedmassen oder gar ein künstlicher Darmausgang
liegen soweit ausserhalb der ästhetischen Normen, dass sich jede
Assoziation mit Erotik verbietet. Natürlichen haben Behinderte Sex. Warum auch nicht, denn eine
körperliche oder geistige Abweichung vom Nichtbehinderten bedeutet
schliesslich nicht, dass generelle menschliche Bedürfnisse nicht
mehr vorhanden sind. Allerdings haben Behinderte es nicht immer
einfach, Sex zu haben. Mit einem Rollstuhl kann man nicht so einfach
in die Büsche oder auf den Rücksitz eines Autos verschwinden.
Es fehlen oft die eigenen, sturmfreien Wohnungen und in Pflegeheimen
wurden sexuelle Wünsche bis in die jüngste Zeit als Tabu angesehen.
In den letzten Jahren ist zwar die Akzeptanz gewachsen, aber die
praktischen Barrieren sind damit noch längst nicht beseitigt. Für eine Reportage zum Thema Behinderte und Sexualität suche ich
derzeit zwei oder drei körperlich behinderte Personen, die bereit
sind, selbstbewusst und offen über ihre Sexualität Auskunft zu
geben. Mich interessieren dabei u.a. folgende Fragen: auf welche Hürden
stösst man, wenn man sich zu seinen sexuellen Wünschen bekennt?
Gelingt es, diese Hürden zu überwinden / zu umgehen? Wenn ja,
wie? Bestehen diese Schwierigkeiten vor allem in der allgemeinen
gesellschaftlichen Isolation oder mehr in der Ablehnung eines
"nicht intakten" Körpers? Welche Enttäuschungen muss man in Kauf
nehmen? Da Körper und Sexualität eng miteinander korrespondieren
- wie erlebt man als Behinderter seine eigene Körperlichkeit?
Gibt es eine eigene "Behinderten-Sexualität"? Welchen Blick haben
Behinderte auf die "normale" Sexualität? Mir liegt dabei sehr daran, das Thema nicht als Randgruppenproblematik
darzustellen, sondern ich denke, "behinderte" Sexualität ist nichts
anderes als eine der vielfältigen Formen von Sexualität. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt.

Haben Behinderte Sex?
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© Martin Ebbing