Iran vergibt erste Aufträge für sechs neue Atomkraftwerke

20. August 2008 - 06:11

Der Iran hat gestern die ersten Schritte unternommen, den lang geplanten Bau von sechs weiteren Atomkraftwerken in die Praxis umzusetzen.

Head of nuclear energy producing company, Ahmad Fayyazbakhsh said on Tuesday that agreements have been signed with executives in the field of nuclear energy generation.

He said that the state company signed agreements with other domestic firms to find locations to build new nuclear power plants. He said the process could take about 13 months. (IRNA)

Noch zu Zeiten des Schahs hatte der Iran den Plan, sechs Atomkraftwerke mit einer Gesamtleitung von rund 20 MW zu bauen. Mit der Revolution und dem Krieg gegen den Irak wurde dieses Vorhaben anfangs wieder zurück gestellt. 2005 fasst das iranische Parlament aber offiziell einen Beschluss, sechs Atomkraftwerke zur Energieversorgung zu bauen.

Im April letzten Jahres kündigte Teheran eine internationale Ausschreibung für den Bau der Anlagen an.

Von Kritikern wird der Umstand, dass der Iran zwar mit Nachdruck am Bau seiner Urananreicherung arbeitet, aber keine Nuklearreaktoren auf lange Zeit existieren werden, die mit dem in Natanz produzierten angereichertem Uran betrieben werden sollen, als Beleg dafür, dass es Teheran eher daran gelegen ist, über den Rohstoff für den Bau einer Atombombe zu verfügen.

Der von einer russischen Firma gebaute Reaktor in Bushehr wird mit Brennstäben betrieben, die ebenfalls aus Russland geliefert werden und nach dort wieder zurück geführt werden müssen.

Among the six chosen to look for nuclear sites is Khatam-ol-Anbia, the vast business arm of Iran’s ideological Islamic Revolutionary Guards Corps, which is under US and EU sanctions for links with nuclear proliferation activities. …

Khatam-ol-Anbia is involved in major projects in Iran, including oil and gas developments, infrastructure such as ports, bridges and the Tehran metro, telecommunications and agricultural projects. (AFP)

Es zählt zu den Eigenarten Irans, dass staatliche Organisationen gehalten sind, sich durch kommerzielle Tätigkeiten so weit wie möglich selbst zu finanzieren. Die Revolutionären Garden haben dabei den größten Eifer entwickelt.

Die Revolutionären Garden sind allerdings im Oktober letzten Jahres von den USA mit Sanktionen belegt worden, was es unmöglich machen wird, dass sich auch amerikanische Firmen am Bau der sechs neuen Reaktoren beteiligen werden. Aber das ist allemal wohl eher eine theoretische Möglichkeit. Washington dürfte allerdings einiges daran setzen, auch Unternehmen aus anderen Staaten daran zu hindern, sich in diesem bereich zu engagieren.

Was eigentlich aus der internationalen Ausschreibung aus dem letzten Jahr geworden ist, ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Der Leiter der Abteilung für Energieproduktion bei der iranischen Atomenergiebehörde, Ahmad Fayaz Bakhsh, gab nun gestern bekannt, dass sich vier ausländische Firmen an der Ausschreibung beteiligt hätten.

Fayaz Bakhsh said that four foreign companies — two Russian, one from Canada and a Swiss firm — had joined 58 domestic bidders for the contract.

Namen nannte er nicht.

Es gibt im übrigen schon einen Atomreaktor neben Bushehr, an dem angeblich schon gebaut werden soll. Im Mai 2007 gab Teheran bekannt, man habe mit dem Bau eines Reaktors in Darkhoin, unweit zur Grenze mit dem Irak begonnen. Zu sehen ist freilich noch nichts.

“Darkhoin is under basic design and there has been a nine-year scheme drafted for its construction,” Fayaz Bakhsh was quoted as saying by state television on Tuesday.

Heinonen erneut in Teheran

18. August 2008 - 17:03

Wenn Bewegung das Gegenteil von Stillstand ist, dann scheint es Bewegung in den Gesprächen zwischen der IAEA und dem Iran in der Frage der noch ungeklärten Punkte in der Vergangenheit des iranischen Nuklearprogramms zu geben.

Der stellvertretende Generaldirektor der IAEA, Olli Heinonen, traf heute erneut zu Gesprächen in Teheran ein.

The United Nations nuclear watchdog’s deputy director general, Olli Heinonen, held talks with senior Iranian nuclear officials on Monday.

Deputy Head of Iran’s Atomic Energy Organization (IAEO) Mohammad Saeedi and Iran’s Permanent Ambassador to IAEA Ali Asghar Soltaniyeh were also present in the meeting.

Heinonen, arrived in Tehran early Monday upon an invitation of the IAEO. (IRNA)

Das letzte Treffen der beiden Seiten fand erst vor weniger als zwei Wochen in Teheran statt.

Nichts zum Inhalt der Gespräche.

Abwarten. Anfang des kommenden Monats wird es den nächsten Bericht der IAEA geben.

Wie üblich “konstruktiv”

8. August 2008 - 20:36

Olli Heinonen, stellvertretender Direktor der IAEA, ist seit Mittwoch im Iran und hat sich in den vergangenen zwei Tagen mit Vertretern der iranischen Atomenergiebehörde getroffen.

Es geht wieder einmal um die letzten noch offen stehenden Fragen, die die IAEA gern von Teheran beantwortet hätte, nachdem die überwiegende Mehrheit der anderen offenen Punkte Anfang des Jahres abgeschlossen wurden.

Die Geschichte ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Im Mittelpunkt stehen Dokumente, die zum überwiegenden Teil auf einem obskuren Laptop gefunden wurden. Es handelt sich um Zeichnungen für den Bau eines Raketensprengkopfes, die Umformung von waffenfähigem Uran in Halbkugeln, Testanlagen, u.a.

Der Iran hatte in einem (nach iranischen Angaben) 200seitigen Schreiben dazu Stellung bezogen, das bislang aber nicht bekannt wurde. Offiziell hat Teheran an die Vorwürfe zurückgewiesen und von „Fälschungen“ gesprochen.

Dann gab es ein Hin und Her darüber, dass viele der Dokumente zwar von den USA stammten, Washington der IAEA aber nicht erlauben wollte, wie üblich dem Iran die Gelegenheit zu geben, die Originale anzuschauen.

Und dann war die öffentliche Diskussion zumindest zu Ende. Wieder auftauchen wird das Thema aber in den kommenden Bericht der IAEA zum Iran, in dem protokolliert werden wird, welche Fortschritte in dieser Frage gemacht wurden.

Wie üblich sagte Heinonen, der für seine aggressive Haltung bei der Aufklärung dieser Dinge bekannt ist, nichts über den Verlauf der Gespräche.

Der Iran, der darum bemüht ist, sich als vorbildliches Mitglied des Atomwaffensperrvertrages darzustellen, nannte die Gespräche „konstruktiv“.

“Talks with IAEA in the past two days were constructive and the two sides have reached some agreements,” Mohammad Saeedi, deputy head of Iran’s Atomic Energy Organization, told Iran’s ISNA news agency without elaborating.

“Such talks (on Iran’s cooperation with IAEA) will continue in the future,” Saeedi told ISNA. (Reuters)

Immer gesprächsbereit, aber leider keine konkreten Ergebnisse. Wie üblich.

Oder doch keine 6.000?

29. July 2008 - 11:38

Offensichtlich war beim iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad doch wieder einmal der Wunsch der Vater des Gedankens als er am Samstag verkündete, sein Land verfüge über 6.000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Iran appears to have overstated the expansion of its uranium enrichment programme at a sensitive juncture in talks with world powers, a diplomat close to the U.N. nuclear watchdog agency said on Monday.

He said the International Atomic Energy Agency checked President Mahmoud Ahmadinejad’s announcement on Saturday that Iran had more than 5,000 centrifuges running and could verify just 4,000 were installed, 3,500 of which were regularly enriching uranium.

“This is the latest, verified information the agency has, as of today,” said the Vienna-based diplomat, who is familiar with the U.N. watchdog’s inspections in Iran. (Reuters)

Ein zweiter von Reuters zitierter Diplomat hat ebenfalls so seine Zweifel.

“It’s hard to verify what Ahmadinejad actually said, let alone the (true number of centrifuges). The figure of 4,000 is more plausible compared to where they were (two months ago),” a European Union diplomat accredited to the IAEA told Reuters.

6000 Zentrifugen

26. July 2008 - 13:55

Glaubt man Präsident Mahmoud Ahmadinejad, dann verfügt der Iran inzwischen über 6.000 Zentrifugen in seiner Urananreicherungsanlage in Natanz.

President Mahmoud Ahmadinejad said Saturday that Iran now possesses 6,000 centrifuges, a significant increase in the number of uranium-enriching machines in its nuclear program, the semi-official Fars news agency reported. …

“Islamic Iran today possesses 6,000 centrifuges,” Ahmadinejad told university professors in the northeastern city of Mashhad. (AP)

Nicht gesagt hat Ahmadinejad, ob diese neuen Zentrifugen auch im Einsatz sind und ob sie störungsfrei laufen.

Kann man ihm glauben?

Im letzten Bericht der IAEA vom Ende Mai wurde bereits notiert, dass der Iran im Begriff sei, neben den existierenden 3.000 weitere Einheiten gleicher Größe zu installieren. Wenn man erst einmal den Trick heraus hat, ist es für Fachleute nicht sonderlich schwierig, weitere Einheiten aufzubauen.

Schwieriger wird es allerdings mit dem Betrieb, da die einzelne Kaskaden untereinander in einem sehr sensiblen Prozess aufeinander abgestimmt werden müssen.

Kein Zweifel besteht aber daran, dass Teheran trotz UN Sanktionen sein Atomprogramm weiter ausbaut.

Allerdings hat sich Ahmadinejad auch in der Atomfrage schon in der Vergangenheit als ein Mann erwiesen, bei dem die Wünsche der Wahrheit ein wenig vorauseilen.

Den nächsten IAEA Bericht mit Einzelheiten zum technischen Stand der Dinge wird es Ende August geben.