Iran – US Treffen erneut verschoben

15. February 2008 - 07:19

Teheran hat das für heute geplante Treffen mit Vertretern der USA in Bagdad über die Sicherheitslage im Irak in letzter Minute erneut abgesagt.

Iraqi Foreign Minister Hoshiyar Zebari called the Iranian postponement “unfortunate.”

“Yesterday we were informed that the Iranians want to postpone this for some time. This is the fourth time that we agreed on a date and they don’t show up,” Zebari told Reuters. (Reuters)

Um dieses Treffen, das eigentlich im Dezember letzten Jahres stattfinden sollte, hat sich ein On und Off entwickelt. Die amerikanische Seite sagt von sich, sie sei jederzeit zu einem solchen Gespräch bereit, aber sie habe den Eindruck, der Iran habe das Interesse verloren.

Der Iran wiederum betont, ein solches Treffen werde stattfinden, verschiebt den Termin aber immer wieder.

Hassan Kazemi-Qomi, Iran’s ambassador to Iraq, said Tehran still wanted to hold the talks.

“This was supposed to take place on this week’s Friday, but based on latest evaluation and because of technical issues, these negotiations have been postponed,” he told the official Iranian news agency IRNA.

Auch Außenminister Manouchehr Mottaki hatte noch am Mittwoch gesagt, ein solches Treffen werde stattfinden.

The fourth round of Iran-US talks on Iraq would be held at expert level, Foreign Minister Manouchehr Mottaki said on Wednesday. (IRNA)

Woran es den immer wieder scheitert, ist schwer auszumachen.

Soweit öffentlich bekannt geworden, haben diese Gespräche bis dato auch zu keinerlei handfesten Vereinbarungen geführt. Beschlossen wurde in der Vergangenheit eine Expertenrunde, die verschiedene Fragen klären sollte, und die sich ein einziges Mal getroffen hat.

Dieses Format der Gespräche ist eher ein Forum für offizielle Kontakte zwischen dem Iran und den USA auf niedrigstem diplomatischen Niveau, das ein Thema „gemeinsamen Interesses“ nicht aber direkt die Beziehungen zwischen beiden Staaten berührt.

Teheran, dass sehr deutliche Interesse an einem Dialog mit den USA besitzt,  hat immer wieder darauf gedrängt, den Status dieser Runde zu erhöhen, stieß aber damit auf wenig Resonanz bei der Gegenseite.

Ständiger Konfliktpunkt ist zudem der Vorwurf der USA, der Iran würde Aufständische im Irak mit Waffen, Geld und Training unterstützen, was Teheran zurückweist. Im Mittelpunkt steht dabei das Verhältnis des Irans zu Moqtada al-Sadr und seinen Mahdi Milizen. Diese Vorwürfe sind in den letzten Monaten zwar ein wenig abgemildert worden, tauchen aber immer wieder auf.

Lt. Gen. Raymond T. Odierno, on his last day as the U.S. commander of day-to-day operations in Iraq, accused Iran of stirring violence to keep Iraq weak. …

Odierno alleged Thursday that Shiite fighters backed by Iran were trying to reinsert themselves into Baghdad and “create some chaos.”

“I think they are still funded by Iran. I think there is still training that goes on with these groups. They might have slowed the flow of weapons, but there are still weapons” coming in, Odierno told reporters after handing command to Lt. Gen. Lloyd J. Austin III of the 18th Airborne Corps at a ceremony in one of Saddam Hussein’s former palaces in Baghdad.

“I think Iran wants a weak Iraq,” he said. “We’ve got to realize that and the Iraqi government has got to realize that.” (LAT)

Die irakische Regierung, deren Mitglieder zum Teil während der Saddam Ära im Iran Zuflucht fanden, und die auf ein gutes Verhältnis zum Nachbarn Iran angewiesen ist, wertet die Situation allerdings ein wenig anders.

[Außenminister Hoshiyar; ME] Zebari said all sides saw value in the dialogue, adding Iran had been helping stem violence in Iraq, partly by stopping some weapons coming across the border.

He also said Iran had been influential in reining in the activities of the Mehdi Army militia of Shi’ite cleric Moqtada al-Sadr. The anti-American cleric declared a ceasefire last August that has been credited with helping cut violence.

“The number and amount of weapons and EFP technology, less is coming across the border, according to the Americans and to our intelligence. So on these two accounts they have been helpful,” Zebari said.

“It doesn’t mean they are not interfering and not intervening. This is a friendly government to Iran and it would be contradictory for them on the one hand to support the government and on the other hand to support the militias.” (Reuters)

Präsident Ahmadinejad wird im übrigen am 2. März persönlich nach Bagdad reisen. Ein Treffen mit dem dortigen US Botschafter oder einem anderen amerikanischen Offiziellen ist bei diesem Besuch aber nicht vorgesehen.

ISNA: Bagdad Gespräche Ende kommender Woche

9. February 2008 - 20:24

Es scheint nun doch wieder ein wenig Bewegung in die seit langem ausgesetzten Gespräche zwischen dem Iran und den USA über die Situation im Irak zu kommen.

Tehran and Washington will meet in Baghdad to discuss Iraq by the end of the next week, said an Iranian official who asked to remain unnamed.

… meldet ISNA heute.

Es wäre freilich nicht das erste Mal, dass solche Angaben von namentlich nicht genannten “iranischen Offiziellen” sich dann doch als falsch herausstellen.

Hakeln soll es wieder an der Frage, wer da in Bagdad miteinander reden soll.

Officials comprising the negotiator delegation are not settled yet, the official said and added while Tehran’s opinion is holding talks between the ambassadors, Washington insists on expert level talks.

An diesem Punkt hat sich nicht viel geändert. Teheran möchte die Gespräche gern aufwerten, während die USA diesen Kommunikationsweg zwar gern aufrecht erhalten, aber den Kontakt mit dem Iran auch auf kleiner Flamme halten wollen.

Später

28. January 2008 - 20:52

Nachdem schon die Meldung die Runde machte, der Iran habe die Lust an der Fortsetzung der Gespräche mit den USA verloren, meldete sich heute der politische Berater des Sprechers des Nationalen Sicherheitsrates des Irans, Mohsen Hakim, zu Wort, um das Gegenteil zu beteuern.

Political Advisor to the Speaker of the Supreme Islamic Iraqi Council (SIIC) Mohsen Hakim said on Monday that there is no reason to delay the next round of talks between Iran and the US on Iraq’s security. …

He assessed the results of three rounds of discussions between Iran and the US on Iraq’s security as positive, expressing hope that the fourth round of talks will give momentum to this process. (IRNA 1)

Nun ist Herr Hakim nicht unbedingt eine bedeutende Figur im Machtapparat des Irans und man fragt sich ein wenig, wer ihn wohl vorgeschickt haben mag, um die Erwartung einer neuen Runde von Gesprächen in Bagdad wach zu halten.

Außenminister Manouchehr Mottaki, ein paar Ränge höher als Hakim, klang da am Vormittag noch ganz anders.

Foreign Minister Manouchehr Mottaki said on Monday that Iran is studying the time of holding the fourth round of talks with US on Iraq and would announce it later. (IRNA 2)

Warum erst später?

Iranian officials have complained that the US made unfounded allegations over supporting Iraqi insurgents and that they got to believe that the former talks with US officials in Baghdad have been ineffective to give up their accusations.

Die USA haben in den letzten Wochen verschiedentliche anklingen lassen, der Rückgang der Gewalt im Irak sei u.a. auch auf die konstruktive Rolle Teherans zurückzuführen, aber das ist offensichtlich wohl nicht genug.

Der jüngste Zwischenfall im Persischen Golf wird zusätzlich die Stimmung in Teheran nicht gerade verbessert haben.

Lust verloren?

25. January 2008 - 08:42

Kann es sein, dass der Iran die Lust daran verloren hat, wenigstens den einen Kanal an offizieler direkter Kommunikation mit den USA offen zu lassen?

Leila Fadel / McClatchy schreibt:

Despite repeated offers from the United States , Iran has refused to set a new date for further talks between the two countries in Baghdad , U.S. and Iraqi officials said Thursday. …

“We’re set to go,” U.S. Ambassador Ryan Crocker told the Reuters news agency Thursday. “We have communicated that to the Iraqis, and the Iranians, for whatever reason, are holding back. We want to have these discussions— they have just suddenly gone quiet.”

Im letzten Jahr traf Crocker sich dreimal mit dem iranischen Botschafter in Bagdad, Hassan Kazemi-Qomi. Die nächste Runde sollte eigentlich im November stattfinden.

Mein Eindruck ist und war, dass Teheran weit mehr an Kontakten zu Washington interessiert ist, als man das erkennen lässt. Von daher waren diese Gespräche über die Verbesserung der Sicherheit im Irak ein Anknüpfungspunkt.

Von amerikanischen Seite war zudem in den vergangenen Wochen immer mal wieder erklärt worden, dass der Iran seine (angebliche?) Unterstützung von Aufständischen reduziert, wenn nicht eingestellt habe. Wenn dies zutrifft, dann wäre es ein Hinweis darauf, dass Teheran Vorleistungen erbringt, mit denen diese Gespräche auch eine Relevanz bekommen.

Fadel zitiert namentlich nicht genannte amerikanische und einen irakischen „Offiziellen“ , die sich an einer Erkärung des iranischen Verhaltens versuchen.

These officials think the reason is a U.S. National Intelligence Estimate in November that reversed an earlier assessment and concluded that Iran had suspended its nuclear weapons program in 2003.

“The timing of the NIE report was a disaster,” said an Iraqi official with knowledge of the meetings. “The message vindicated Iran’s position . . . . The pressure and the threat of force were keeping them in check. Now that’s gone.” The official refused to be identified because of the sensitivity of the issue.

Hmmmmmmmmmmmmmm.

Kommandant der RG von USA mit Sanktionen belegt

10. January 2008 - 08:49

Kurz nachdem US Präsident George W. Bush auf einer Pressekonferenz in Jerusalem den Iran wieder einmal eine „Bedrohung des Weltfriedens“ genannt hatte, gab das US Finanzministerium bekannt, es habe vier Personen und einen TV Sender in Syrien mit Sanktionen belegt.

“Iran and Syria are fueling violence and destruction in Iraq,” said a statement by Stuart A. Levey, undersecretary for terrorism and financial intelligence. “Today’s action brings to light the lethal action of these individuals and we call on the international community to stand with us in isolating them from the global economy.” (WP)

Diese Sanktionen, die der Präsident zur Bekämpfung von Aufständischen im Irak angeordnet hat, haben zur Konsenz, dass all ihr in den USA vorhandendes Vermögen eingefroren und US Bürgern, Unternehmen sowie offiziellen Institutionen verboten wird, mit ihnen Geschäfte zu betreiben. Sehr umfangreich dürften diese Geschäfte bislang nicht gewesen sein. Die Massnahmen sind daher mehr symbolisch.

Zu den vier Einzelpersonen gehört Brigadegeneral Ahmed Foruzandeh, der Kommandant der Qods Brigaden, der Eliteeinheit der Revolutionären Garden.

The administration named Brig. Gen. Ahmed Foruzandeh, leader of Iran’s Quds Force operations in Iraq, for allegedly directing the assassinations of Iraqis and ordering Iranian intelligence to provoke deeper sectarian violence in Iraq by targeting Shiites and Sunnis. …

Foruzandeh also financed operations by both Shiite and Sunni extremist groups against U.S. forces in Iraq, the Treasury said. He drove explosives and other war materiel into Iraq for use in suicide bombings, and organized training courses for Iraqi militants in Iranian camps, it added.

Foruzandeh, who operates out of the Revolutionary Guard Headquarters in the old U.S. Embassy compound in Tehran, allegedly met with Shiite militias in July, calling on them to “continue liquidating all enemies of the Islamic revolution, including security and intelligence personnel, tribal chiefs, and religious clerics,” Treasury said.

(Ich wusste gar nicht, dass die Revolutionären Garden ihr Hauptquartier auf dem Gelände der alten US Botschaft haben sollen. Jedenfalls war es noch nicht da, als ich das Gelände vor einem guten Jahr besucht habe.)

Weiter mit Sanktionen belegt sind zwei Iraker, die im Iran Unterschlupf gefunden haben oder zumindest von Teheran unterstützt worden sein sollen.

It also named Abu Mustafa al-Sheibani and Ismail Hafez al-Lami, both alleged to be leaders of Shiite extremist groups based in Iran. Sheibani’s network includes hundreds of members in several pro-Iranian insurgent groups in southern Iraq that have conducted roadside bomb attacks against Americans and sabotaged British forces operating in the south, Treasury said.

Lami, known as Abu Dura, leads another pro-Iranian group that has targeted Iraqi officials, Sunni leaders and others, Treasury said. His group kidnapped, tortured and killed Sunnis in Iraq’s Ministry of Higher Education in 2006.

Der vierte ist Mish’an al-Jaburi, der von Syrien aus den Fernsehsender al-Zawra betreibt, der Propaganda für die Aufständischen wie für AlQaida im Irak betreibt.

Die Behauptung, der Iran unterstütze die Aufständischen im Irak mit Waffen, Geld und Ausbildung, sind seit knapp zwei Jahren eine Konstante in den Vorwürfen Washingtons gegenüber Teheran. Stichhaltige Beweise gab es dafür nicht und die Anschuldigungen sind auch schwer zu überprüfen.

Interessant ist bei den neuen Sanktionen nicht nur der zeitliche Zusammenhang mit den Bush Äußerungen in Israel, sondern auch mit den Entwicklungen im Irak selbst.

Administration officials say some of the attacks on American troops in Iraq that had previously been attributed to Iran — like the roadside bombs that have become a major cause of American casualties — have declined recently.

But the administration has stopped short of concluding that Iran is trying to reduce anti-American attacks, and American officials say the decline may be attributable to better cooperation by Iraqi citizens and better intelligence in stopping the proliferation of roadside bombs.

“Has Iran made a conscious decision to scale down support of these attacks?” an administration official said Wednesday, speaking on the condition of anonymity because he was discussing intelligence. “Nobody is really sure. It’s possible they really have, and it’s possible they haven’t. We are still capturing people in Iraq who have had training as recently as a month or two ago in Iran. The jury is still out.” (NYT)

Eigenartig, dass die US Militärs zwar wissen, dass die Anschläge zurück gegangen sind, aber nichts davon wissen wollen, ob es mehr Tipps (und damit wohl Verhaftungen) aus der Bevölkerung gab.

Wie auch immer. Sollte aber der Iran seine Unterstützung zurückgefahren habe, welche Botschaft senden dann die nun verhängten Sanktionen gegen Foruzandeh nach Teheran?