Wo sind die iranischen Waffen?

23. January 2007 - 07:00

Alexandra Zavis hat sich für die LAT in der irakischen Provinz Diyala auf die Suche nach den Waffen gemacht, mit denen der Iran Aufständische unterstützen soll. Sie hat wenig gefunden.

U.S. troops have found mortars and antitank mines with Iranian markings dated 2006, said U.S. Army Col. David W. Sutherland, who oversees the province. But there has been little sign of more advanced weaponry crossing the border, and no Iranian agents have been found.

Diyala ist eine Provinz, durch die eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen vom Iran nach Bagdad führt. Sowohl schiitische Milizen wie auch sunnitische Gruppen sind hier aktiv.

Aber auch anderswo waren wenig Beweise für iranische Waffenlieferungen zu finden. So wird von amerikanische Seite gern behauptet, Teheran habe spezielle Sprengkörper geliefert, die so geformt sind, dass die Kraft der Explosion auch die Panzerung von US Fahrzeugen durchdringen kann. Nur:

U.S. officials have declined to provide documentation of seized Iranian ordnance despite repeated requests. The U.S. military often releases photographs of other weapons finds.

Und obwohl Premierminister Tony Blair öffentlich erklärte, er habe die Beweise für solche Lieferungen, haben die britischen Truppen bislang nichts dergleichen gesehen.

Blair said a year ago that the weapons bore the hallmarks of Iran or Hezbollah, the Iranian-backed militia in Lebanon. But British officers stationed in Iraq at the time said they had seized no such weapons in the districts for which they had responsibility.

“We do have intelligence which suggests that weapons and ammunition are being smuggled in from Iran,” Maj. David Gell, a spokesman for British forces in Basra, said last week. “We don’t always manage to find any.”

Zudem haben Experten einige Zweifel , dass diese Sprengkörper tatsächlich aus dem Iran stammen müssen.

Outside military analysts have questioned how many of these sorts of weapons actually come from Iran. The technology used to make them is simple and widely known in the Middle East, they note. Iran is a likely source for some of the more sophisticated devices, but other countries could also be pitching in.

Der US Geheimdienst bleibt aber hartnäckig und behauptet, es gebe durchaus, was sonst niemand zu finden scheint.

A senior U.S. military intelligence official said coalition forces in Iraq had also found shaped charges “in the presence of Iranians captured in the country.” He declined to elaborate but noted that U.S. operatives who raided an Iranian office in the Iraqi city of Irbil this month captured documents and computer drives he called a “treasure trove” on Iran’s “networks, supply lines, sourcing and funding.”

Auch er hält die Beweise für sich und wenn ich mich recht erinnere, fand die Aktion in Arbil statt nachdem Präsident Bush behauptet hat, es existierten iranische Netzwerke, die die Aufständischen mit Waffen und Ausrüstung unterstützten, und die nun „aufgespürt und zerstört” werden sollen.

Kaum jemand bezweifelt, so schreibt Zavis, dass der Iran versucht, Einfluss in seinem Nachbarland zu gewinnen, aber Teheran unterstützt in erster Linie zwei Gruppen, die eng mit den Amerikanern zusammenarbeiten. Zum einen den Supreme Council for a Islamic Revolution in Iraq (SCIRI), dessen Führer Abdelaziz Hakim erst im Dezember im Weißen Haus zu Gast war. Zum anderen die Da’wa Partei, deren Mitglied Iraks Präsident Nouri Maliki ist.

Blair: Iran eine “strategische Herausforderung”

20. December 2006 - 23:26

Der britische Premierminister Tony Blair krönte heute seine Nahostreise mit eine Rede, in der er den Iran als „strategische Herausforderung” bezeichnete.

Blair called on moderate leaders across the Middle East to join a “monumental struggle” between democracy and extremism.

“We must recognize the strategic challenge the government of Iran poses; not its people, possibly not all of its ruling elements, but those presently in charge of its policy,” he said.

Iran wants “to pin us back in Lebanon, in Iraq and in Palestine,” he added.

“Our response should be to expose what they are doing, build the alliances to prevent it and pin them back across the whole of the region,” Blair said. (Reuters)

In einem Text, der am Tag vor seiner rede von Blairs Pressestab verteilt wurde, war noch von einer „strategischen Bedrohung” die Rede, aber ganz so weit wollte der britische Premier dann wohl doch nicht gehen.

Die Botschaft war auch sonst klar zu verstehen: im Konzert mit den USA bemüht sich Blair, ein Bündnis „moderater Kräfte” zu schmieden, um den Iran noch weiter zu isolieren.

Die Rhetorik, der er sich dabei bedient, ist ebenso pompös wie unglaubwürdig.

“There is a monumental struggle going on worldwide between those who believe in democracy and modernisation and the forces of reaction and extremism.

“It is the challenge of the early 21st century,” he said. (AFP)

Es fällt etwas schwer, sich Ägypten oder Saudi Arabien als Regime vorzustellen, die “an Demokratie und Modernisierung glauben”.

Spätestens seit Blairs Besuch in Washington scheint die Entscheidung gefallen zu sein, nicht den Iran in eine Politik zur Stabilisierung Iraks wie des Mittleren Osten einzubinden, sondern zu versuchen, ihn noch stärker zu isolieren.

Die Idee, Gespräche mit Teheran aufzunehmen, hat schnell einer Politik neuer Konfrontationen Platz machen müssen.

Blair und die neue alte Iranpolitik

14. November 2006 - 07:45

Der britische Premierminister Tony Blair hielt gestern nicht ganz das, was vorab angekündigt wurde. Erwartet wurde eine Rede, in der er ein neues Konzept präsentieren würde, wie Syrien und der Iran in eine Stabilisierung der Lage im Irak eingebunden werden könnten.

Aber in seiner Rede in London erwähnte er Syrien nur am Rande und zum Thema Iran wiederholte er im wesentlichen, was er auch schon gesagt hatte, als Großbritannien gemeinsam mit Frankreich und Deutschland Teheran einen Verhandlungsvorschlag präsentierte.

[T]he West should “offer Iran a clear strategic choice: they help the Middle East peace process not hinder it; they stop supporting terrorism in Lebanon or Iraq; they abide by, not flout, their international obligations.

“In that case, a new partnership is possible. Or alternatively they face the consequences of not doing so: isolation,” he said. (AFP)

In anderen Worten: unterstützt Teheran die westliche Politik, dann ist eine „neue Partnerschaft” möglich. Tut der Iran dies nicht, dann wird er isoliert.

Neu ist allenfalls, dieses Ultimatum in eine „Strategie des gesamten Mittleren Osten” einbettete.

[A] whole-region policy should start with Israel/Palestine. That is the core. We should then make progress on Lebanon. We should unite all moderate Arab and Muslim voices behind a push for peace in those countries but also in Iraq,” he said.

Implizit ließ Blair damit erkennen, dass der Konflikt mit dem Iran nicht allein ein Konflikt um das Atomprogramm ist, sondern dass darüber hinaus greifende strategische Überlegungen eine wichtige Rolle spielen.

Neu ist auch, dass er den Akteuren der Region ein größeres Gewicht bei der Stabilisierung des Iraks einräumte. Aber ein „Einbeziehen” des Irans in eine abgestimmte Irakpolitik und ein ganz neuer Ansatz ist dies nicht.

“There is a fundamental misunderstanding that this (strategy in the Middle East) is about changing policy on Syria and Iran … in any event that is not where we start.”

Nun, wenn alles so bleibt, wie es ist, warum soll die alte/neue Politik dann erfolgreicher sein als bisher?

Die Drohung mit der Isolierung des Irans klingt bereits jetzt nicht besonders glaubwürdig angesichts der Schwierigkeiten, sich im Weltsicherheitsrat auf eine Resolution mit verhältnismäßig milden Sanktionen zu einigen. Zudem benötigt der Westen ebenso dringend iranisches Öl wie der Iran Technologie und Investitionen aus dem Westen.

Im besten Fall wird die Blair Rede einen Prozess am Leben halten, der mit der Niederlage der Republikaner bei den Wahlen in den USA begonnen hat. Es wird laut und öffentlich über Alternativen zu der gescheiterten Nahost-Politik der Bush Regierung diskutiert. Das lässt die Möglichkeit eines neuen Kurses immer noch offen.

No, no and no! – Vorerst zumindest

13. November 2006 - 15:21

Die US Regierung bleibt bei ihrem Nein zu direkten Gesprächen mit dem Iran.

The White House on Monday rebuffed mounting calls to hold direct talks with Iran, standing by its view that Tehran must first suspend sensitive nuclear activities.

“At this point, our position in terms of direct talks with the Iranians is clear,” spokesman Tony Snow said after a report that British Prime Minister Tony Blair had pushed US President George W. Bush to engage Iran and Syria.

Aus dem Text lässt sich nicht herauslesen, ob Snow auf “zu diesem Zeitpunkt” eine besondere Betonung gelegt hat.

Ein klein wenig milderte er aber diese Aussage ab.

Washington and Tehran have contacts through “multilateral forums” and “other parties,” Snow told reporters…

“It is not as if there is no communication,” said Snow, who reaffirmed Washington’s position that “it would really work to the Iranians’s advantage to renounce nuclear development — in other words to cease nuclear reprocessing and development.”

Es wird geredet, aber nur durch “multilaterale Foren” sowie “andere Parteien”.

Das ist aber dem britischen Premierminister Tony Blair nicht mehr genug. Es war gestern schon in verschiedenen Agenturen zu lesen, heute wurde es offiziell angekündigt:

British Prime Minister Tony Blair will call on Monday for Syria and Iran to be engaged in efforts to stem violence in Iraq and to secure a broader Middle East peace settlement.

Blair will argue the need for a Middle East strategy that includes making clear to Damascus and Tehran how they can help in the region while warning them of the consequences of hindering peace, a spokeswoman said. (Reuters)

Nicht nur Blair, sondern auch der australische Premierminister John Howard hält es für richtig, mit dem Iran zu reden.

Prime Minister John Howard of Australia, another of Bush’s loyal backers in Iraq, also said on Monday talks should be held with Syria and Iran on ending the violence in Iraq.

Damit gibt es eigentlich niemanden mehr, der nicht dafür wäre, zumindest zum Thema Irak mit dem Iran den direkten Kontakt zu suchen. Die einzigen Ausnahmen sind die israelische Regierung und das Weiße Haus.

Aber auch hier dürfte sich die Haltung bald ändern. Bis zum Ende dieses Jahres wird der Bericht der Iraqi Study Group erwartet. Diese unabhängige Kommission, die sich aus amerikanischen Politveteranen zusammensetzt, soll Empfehlungen zum zukünftigen US Kurs im Irak abgeben. Ihr Vorsitzender, der ehemalige US Außenminister James Baker III. hat bereits durchblicken lassen, dass eine der favorisierten Optionen Gespräche mit dem Iran (und Syrien) zur Stabilisierung des Nachbarlandes sei.

Für die Bush Regierung wird es immer schwieriger, ihre ablehnende Haltung zu verteidigen.

Iran das eigentliche Ziel

30. July 2006 - 12:35

In einem längeren Text heute in der LAT fast Doyle McManus einen Eindruck zusammen, der in den letzten Wochen schwer zu ignorieren war.

To President Bush, the conflict in Lebanon is more than a campaign by Israel to protect its citizens from Hezbollah missiles. Instead, it is “a moment of opportunity” for the United States — with the most important target not Hezbollah or even neighboring Syria, but distant Iran.

Die passenden Zitate zu dieser These sind nicht schwer zu finden:

“The stakes are larger than just Lebanon,” the president told reporters Friday after meeting with British Prime Minister Tony Blair. “The root cause of the problem is you’ve got Hezbollah that is armed and willing to fire rockets into Israel; a Hezbollah … that I firmly believe is backed by Iran and encouraged by Iran.

He added: “I also believe that Iran would like to exert additional influence in the region. A theocracy would like to spread its influence, using surrogates…. And so, for the sake of long-term stability, we’ve got to deal with this issue now.”

Oder:

“This is a moment of intense conflict … yet our aim is to turn it into a moment of opportunity and a chance for broader change in the region,” Bush said Friday.

“Instead of having foreign policies based upon trying to create a sense of stability, we have a foreign policy that addresses the root causes of violence and instability,” he added.

Oder US Außenministerin Condoleezza Rice:

“What we’re seeing here, in a sense, is … the birth pangs of a new Middle East. And whatever we do, we have to be certain that we’re pushing forward to the new Middle East, not going back to the old one.”

Um diesen “neuen Mittleren Osten” zu schaffen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  1. militärische Sieg über die Hisbollah
  2. Aufbau einer us-freundlichen, gestärkten Regierung in Beirut
  3. Ausweitung des Models auf andere Staaten der Region.

Schon das Erreichen des ersten Punkts ist mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Bislang gelang es der israelischen Offensive nicht, die Hisbollah wirksam zu schwächen und im Mittleren Osten darf sich derjenige als Sieger bezeichnen, der den Angriff einer weit überlegenden Macht überlebt hat.

Die Hisbollah hat nicht nur alle Chancen, in diesem Sinne als Sieger hervorzugehen, sondern hat mit den steigenden Verlusten in der libanesischen Bevölkerung auch dort als „einziger Verteidiger gegen Israel” an Reputation gewonnen. Eine Entwaffnung der Hisbollah erscheint nicht realistisch und ein neues politisches System ohne Hisbollah ebenso wenig.

Aber wie schon zuvor (Irak) lässt man sich von solchen praktischen Widerborstigkeiten in Washington nicht stören, sondern richtet den Blick auf den Horizont.

Wieder die LAT:

But behind the diplomatic detail, in the minds of Bush and his closest aides, will be a larger issue: making sure Hezbollah and its sponsors, Syria and Iran, come out of the crisis with their power diminished, not enhanced.

“Clearly, Iran has a goal of strengthening Hezbollah and gaining further influence” in the Middle East, [State Department’s counter-terrorism chief, Henry A.] Crumpton said. “And I think they see this [conflict] as a means of doing so.”

He added, “We have got to take this on either now or later — and I think we’ve got to take this on now.”

So weit sieht es nicht danach aus, als ob der Versuch gelungen sei.