Verbale Kriegsführung

12. November 2006 - 14:39

Es ist keine Neuigkeit, dass dem iranischen Regime das Feindbild “Israel” als Instrument dient, um sowohl den eigenen Zusammenhalt zu festigen wie von eigenen Verfehlungen abzulenken. Mehr und mehr habe ich den Eindruck, dass auch für die Regierung Olmert das Feindbild „Iran” einem ähnlichen Zweck dient.

In einem Gespräch, das heute in der WP veröffentlicht wurde, wurde ihm natürlich wieder einmal die Frage gestellt, wie er die Bedrohung durch den Iran einschätzt. Olmerts Antwort.

This is the first time in many years that the official leader of a major nation with more than 70 million citizens has talked publicly and officially of the liquidation of another nation that is a member of the United Nations. [Iranian President Mahmoud] Ahmadinejad is a man who is ready to commit crimes against humanity, and he has to be stopped.

When Hitler began to talk about the liquidation of the Jewish race, people heard it. But they hardly did anything to stop it. And then for generations, nations and leaders had to explain why they didn’t speak up. So we have to have a world campaign to emphasize the moral commitment that no one will be able to ignore what he says and what the possible ramifications may be.

Da kommt wieder alles auf einmal: Ahmadinejad ist bereit, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen und er ist der neue Hitler.

Schwer zu glauben, dass Olmert nicht weiß, dass Reden über die „Auslöschung des zionistischen Regimes” im Iran seit Khomeini geführt werden. Das macht sie nicht akzeptabler, aber es ist – um es milde zu formulieren – intellektuell unlauter, aus Ahmadinejads Rhetorik eine neue akute Bedrohung zu konstruieren. Sicher weiß auch Olmert, dass im Iran Revolutionsführer Ali Khamene-i, der im übrigen ebenfalls seit Jahren von der „Beseitigung des zionistischen Regimes” spricht, Armee wie Revolutionäre Garden unterstehen. Selbst wenn Ahmadinejad es wollte, er könnte nicht eine einzige Rakete Richtung Israel abfeuern lassen.

Zudem ist Ahmadinejad auch im schlimmsten Fall kein Hitler. Er will nicht „die Liquidierung der jüdischen Rasse”. Er will die Beseitigung des israelischen Staates, den er als Vorposten westlichen Imperialismus begreift. Anti-Semitismus und Anti-Zionismus besitzen im Iran zwar sehr durchlässige Grenzen, aber immerhin werden die iranischen Juden als eine schützenswerte Minderheit betrachtet.

All dies sollte dem Premierminister eines Landes, das seine eigene Identität zu einem nicht geringen Teil auf den Holocaust zurückführt, nicht unbekannt sein.

Olmert gibt sich zwar verhandlungsbereit, aber in Wirklichkeit will er nicht wirklich einen Kompromiss.

There is also the process of negotiations. My position is clear: If there can be a compromise that will stop Iran short of crossing the technological threshold that will lead them into nuclear capabilities, we will be for such a compromise. But I don’t believe that Iran will accept such compromise unless they have a very good reason to fear the consequences of not reaching it. In other words: Iran must start to fear.

Natürlich kann und wird es keinen tragfähigen Kompromiss geben, wenn der einen Seite die Bedingungen diktiert werden. Diese „Politik der Angst” führt nicht zur Entspannung, sondern nur zu weiterer Eskalation. Die eine Seite spielt jeweils der anderen den Ball zu. Auch das dürfte Olmert wissen.

Wie Pawlowsche Hunde hat der Iran auch prompt reagiert:

Iran’s military will retaliate swiftly and strongly if Israel attacks any Iranian nuclear sites, the Foreign Ministry said Sunday.

“If the Zionist regime commits such stupidity, the response by the Iranian military will be swift, strong and crushing,” Foreign Ministry spokesman Mohammed Ali Hosseini said. “Iran will take no longer than a second to respond.” (AP).

Noch eine Kleinigkeit aus dem Gespräch mit Olmert:

The guideline has to be that this government and the people of Iran must understand that if they do not accept the request of the international community, they’re going to pay dearly.

Ich nehme mal an, dass es kein Lapsus war, wenn Olmert davon sprach, dass auch das iranische Volk einen hohen Preis zu zahlen habe.

Israels “letzte Möglichkeit”

10. November 2006 - 08:23

Vor wenigen Tagen hatte ein “senior official” der Bush Regierung noch gesagt, Israel werde keine militärische Operation unternehmen, um das iranische Atomprogramm zu stoppen. Aus Israel selbst klag es heute aber wieder ganz anders.

Deputy Defense Minister Ephraim Sneh suggested in comments published Friday that Israel might be forced to launch a military strike against Iran’s nuclear program - the clearest statement yet of this possibility from a high-ranking Israeli official.

“I am not advocating an Israeli pre-emptive military action against Iran and I am aware of its possible repercussions,” Sneh told The Jerusalem Post daily. “I consider it a last resort. But even the last resort is sometimes the only resort,” he said. (Haaretz)

Laut Sneh ist es für Israel nicht akzeptabel, dass der Iran über Nuklearwaffen verfügen könnte.

The former Israel Defense Forces brigadier general said that Israel cannot afford “living under a dark cloud of fear from a leader committed to its destruction.” Under such a threat, he said, “most Israelis would prefer not to live here; most Jews would prefer not to come here with their families; and Israelis who can live abroad will.”

Sneh said Israel’s greatest possible danger could be Iran’s President Mahmoud Ahmadinejad’s ability “to kill the Zionist dream without pushing a button. That’s why we must prevent this regime from obtaining nuclear capability at all costs.”

Der israelische Regierungssprecher Miri Eisin erklärte, Snehs Äußerungen würden nicht unbedingt die Meinung von Premierminister Olmert wiedergeben.

Nachtrag: Sneh gab das Interview, auf das sich Haaretz stützt, der Jerusalem Post. Das Orginal ist hier zu finden.

US: Israel wird iranische Atomanlagen nicht attackieren

7. November 2006 - 21:06

AFP war es heute eine Meldung wert:

“Israel will not target Iran’s nuclear facilities because it has said this is a problem of the entire world,” the official told AFP. “Israel understands that the only way to defuse the nuclear crisis is through diplomatic channels.”

“The official” ist dabei ein “senior US official” = ein Mitglied der US Regierung.

Woraus sich schließen lässt: wenn Israel verstanden hat, dass der einzige Weg aus der gegenwärtigen Krise die Diplomatie ist, dann dürfte sich diese Erkenntnis wohl auch in Washington herumgesprochen haben.

Warum droht Israel dann immer noch mit der „militärischen Option”? Weil man dem Iran Angst einjagen will.

Mein Nazi, dein Nazi

27. October 2006 - 22:59

Premierminister Ehud Olmert verglich heute in einer Rede an der israelischen Holocaust Gedenkstätte Mahmoud Ahmadinejad mit den Führern des deutschen Nationalsozialismus

“We hear echoes of those very voices that started to spread across the world in the 1930s,” Olmert said in his speech at the Yad Vashem memorial. (AP)

Ahmadinejad hat seinerseits die israelische Politik gegenüber den Palästinensern des öfteren mit den Methoden der Nationalsozialisten verglichen.

Nicht unbedingt das, was man sich unter Beiträgen zu einer friedlichen Lösung vorstellt.

Olmert: Iran Angst einjagen

18. October 2006 - 23:24

Der israelische Premierminister Ehud Olmert meint, man müsse dem Iran ordentlich Angst einjagen.

“The Iranians should be afraid that something they don’t want to happen will occur,” he said. (AFP)

Olmert ist zu Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. Ganz oben auf der Tagesordnung soll dabei laut Pressemeldungen der Iran und seine Atompolitik stehen.

Wie Teheran in Angst und Schrecken zu versetzen ist, verriet der israelische Premier auf der Pressekonferenz nach der Begegnung nicht.

Olmert versucht die russische Führung dazu zu bewegen, eine härte Gangart gegenüber dem Iran einzuschlagen. Bislang sträubt sich Moskau gegen Sanktionen, obwohl man verdeckt die Bereitschaft hat erkennen lassen, „milde” Sanktionen eventuell mitzutragen.

Die israelische Seite lässt ihrerseits immer wieder durchblicken, dass sie sich selbst zum einseitigen Handeln genötigt sehen könnte, wenn die „internationale Gemeinschaft” den Iran davon nicht abhalten kann, in den Besitz einer Atomwaffe zu kommen = Tel Aviv bringt eine militärische Operation immer wieder ins Gespräch. Israel selbst verfügt über geschätzte 200 Atomsprengkörper.

“We are at a critical juncture and the entire international community must join ranks to block Iran’s true intention of arming itself with nuclear weapons,” Olmert told journalists after talks with Putin in the Kremlin. …

Olmert went on to say that “I made it clear why in my opinion it is important that the Iranians are afraid,” but he fell short of mentioning what measures that be taken against the Islamic state.

Laut AFP ist Olmert davon überzeugt, dass seine Botschaft im Kreml angekommen ist.

“I leave this meeting with the sense that President Putin understands that danger.”

Allerdings war bei Putin, so AP, keinerlei Einsicht zu erkennen.

Putin remained stonily silent, appearing to brush off Olmert’s request by saying nothing about Iran at the news conference.