Eine Nachricht, die gestern ein wenig untergegangen ist:
Meanwhile, diplomats close to the International Atomic Energy Agency in Vienna confirmed that Iran had assembled 164 centrifuges — enough to combine into what engineers call a cascade, which can be used to spin uranium hexafluoride gas into enriched uranium. (LAT)
Eine Kaskade ist eine mechanische Einheit, mit der sich Uran anreichern lässt. Uranhexaflorid (UF6) wird unter Vakuumbedingungen in schnell rotierende Zentrifugen eingeführt. Das unterschiedliche Gewicht der Uran Isotopen wird in diesem Prozess dazu genutzt, das unerwünschte U-238 von dem gewünschten U-235 zu trennen.
Der Vorgang muss verschiedene Male wiederholt werden, um die angestrebte Konzentration an U-235 zu erreichen.
Der Trick besteht dabei darin, die Zentrifugen so aufeinander abzustimmen, dass das gewünschte Ergebnis erreicht wird. Da sich diese Zylinder mit großer Geschwindigkeit drehen, wirken große physikalische Kräfte auf das Material ein. Kleinste Ungenauigkeiten können dazu führen, dass die Zentrifugen beschädigt werden.
Der Iran führte die ersten Tests mit einer Kaskade mit 19 Zentrifugen, in die UF6 eingeführt wurde, im Juni 2003, einen zweiten im August 2003 durch. Im November 2003 wurde dieses Programm als „freiwillige vertrauensbildende Massnahme” gegenüber den E3 suspendiert. Die Suspendierung wurde von Tehran am 10. Januar dieses Jahres wieder aufgehoben.
Die Nachricht lässt offen, was “assembled” genau heißt. Es kann bedeuten, dass die Kaskade montiert wurde, es kann aber auch bedeuten, dass die ersten mechanischen Test bereits durchgeführt wurden.
Auf jeden Fall scheinen noch keine Experimente mit UF6 durchgeführt worden zu sein.
Iran has yet to complete the piping system needed to move uranium gas from one centrifuge to the next. Until the system is finished and sealed, enrichment cannot begin.
Bis zur aktuellen Anreicherung ist es allerdings noch ein Stück Weg.
Bei Versuchen mit der 19er-Kaskade vor der Suspendierung wurden nach IAEA Angaben rund ein Drittel der Zentrifugen beschädigt.
David Albright und Corey Hinderstein vom Institute for Science and International Security in Washington beschrieben in einem gemeinsamen Papier im Januar dieses Jahres, welche Schritte der Iran als nächste unternehmen muss, um tatsächlich mit der Anreicherung (im kleinen Rahmen) zu beginnen.
After making necessary repairs, Iran then has to finish connecting all the pipes, establish a vacuum inside the cascade, start the process of turning on the centrifuges and then running them under vacuum for several weeks, and prepare the cascade for operation with uranium hexafluoride. Iran may start enriching uranium in a subset of this cascade sooner, but it could take two or more months to ready the whole cascade for the use of uranium hexafluoride. If Iran does not encounter any significant problems, such as excessive vibration of the centrifuges or leakage of the vacuum, Iran could then introduce uranium hexafluoride into the entire cascade and start enriching uranium. Iran would want to operate the cascade for several more months to ensure that no significant problems develop and gain confidence that it can operate the cascade with uranium hexafluoride. Absent major problems, Iran will need roughly six months to one year to demonstrate successful operation of this cascade.
In einem Interview mit dem iranischen Fernsehen am 16. Februar dieses Jahres erklärte auch der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Gholamreza Aghazadeh, dass vom ersten Test bis zur vollen Funktionsweise einer Kaskade einige Monate vergehen.
“We are at the beginning of a research stage and it may take many months before we get the necessary 3.5 per cent.”
Mit den 3,5 Prozent ist der Anreicherungsgrad des Uran gemeint. 3,5 Prozent ist der Grad für eine zivile Nutzung in einem Nuklearreaktor. Für eine Atomwaffe wird ein Anreicherungsgrad von etwa 90 Prozent benötigt.
Theoretisch wäre es möglich, mit einer 164er-Kaskade waffenfähiges Uran herzustellen, aber dies würde – wenn keine Pannen auftreten – mindestens 10 Jahre dauern.
Albright/Hinderstein glauben nicht, dass der Iran in der Pilotanlage in Natanz eine ernsthafte Produktion von Uran plant.
The PFEP [Pilot Fuel Enrichment Facility; ME] can hold a total of six, 164-machine cascades for a total of about 1000 machines, although Iran may build fewer cascades or change the number of centrifuges per cascade. Without major modifications, this facility is unlikely to be used to make significant amounts of highly enriched uranium (HEU) for nuclear weapons.
Dies würde erst in der unterirdischen Anreicherungsanlage, die ebenfalls in Natanz gebaut wird. Hier sollen in der Zukunft mehr als 50.000 Zentrifugen betrieben werden. Bis zum Ende der Suspension aller Anreicherungsarbeiten war dort noch nicht eine einzige Zentrifuge installiert. Der Iran will aber am Ende dieses Jahres mit der Montage der ersten 3.000 Zentrifugen beginnen. Wie schnell sie dann wirklich angereichertes Uran produzieren können, wird u.a. von den Tests mit der jetzigen 164er-Kaskade abhängen.
Ab dann würde der Punkt, an dem der Iran über waffenfähiges Uran verfügen könnte, näher rücken. Albright/Hinderstein:
In a case where just 1,500 of these centrifuges were installed and optimized to produce HEU, these centrifuges could produce enough highly enriched uranium for about one nuclear weapon per year.
Albright/Hinderstein schätzen, dass unter für den Iran günstigsten Umständen Teheran im Jahr 2009 über eine Atomwaffe verfügen könnte.
Combining all these centrifuges into cascades, installing control equipment, building feed and withdrawal systems, and testing the plant would take at least another year. Given another year to make enough HEU for a nuclear weapon and a few more months to convert the uranium into weapon components, Iran could have its first nuclear weapon in 2009.
Voraussetzung wäre allerdings, dass nichts schief geht. Offen ist zudem, ob es dem Iran gelingen würde, all die anderen technischen Probleme, die mit dem Bau einer Atombombe verbunden sind, gelöst hat.
Schließlich wird es nicht allein ausreichen, über eine Nuklearwaffe zu verfügen. Teheran benötigt auch eine Rakete, die in der Lage ist, diesen Sprengkopf in sein Ziel zu transportieren.