Einigung über Bushehr

26. September 2006 - 19:26

Der Iran und Russland haben sich heute bei Gesprächen in Moskau doch über einen Fahrplan zur Fertigstellung des Zivilreaktors in Bushehr geeinigt.

Gestern noch hatte der Chef der iranischen Atomenergie Gholareza Aghazadeh wutschnaubend den russischen Partnern Inkompetenz und Verzögerung vorgeworfen und angedroht, notfalls werde der Iran den Reaktor innerhalb von sechs Monaten selber fertig stellen. Heute unterschrieb er den Vertrag, der die erste Elektrizitätserzeugung im November nächsten Jahres vorsieht.

“The document provides for supplying Russian fuel for the atomic energy plant in March, physical startup in September 2007 and electric generation by November 2007,” [Vize-Präsident der iranischen Atomenergiebehörde Mahmoud] Hanatian was quoted as saying by ITAR-Tass. (AP)

Insgesamt 80 Tonnen angereichertes Uran als Brennstoff für den Reaktor sollen geliefert werden. Das Uran ist nicht hoch genug angereichert, um für den Bau eines nuklearen Sprengstoffes benutzt zu werden. Die abgebrannten Brennstäbe müssen zur Wiederaufbereitung nach Russland zurückgeführt werden.

Aghazadeh schluckten seinen Ärger hinunter und machte gute Miene zum bösen Spiel.

“We achieved a good agreement … on completing construction of the atomic energy plant at Bushehr, including agreement on a concrete date for directing atomic fuel to Iran,” he said.

Es blieb ihm auch nicht viel anderes übrig. Zum einen dürfte der Iran trotz anderslautender Behauptungen derzeit kaum in der Lage sein, den Reaktor schneller fertig zu bauen als Russland. Zum zweiten ist Teheran auf die Lieferung der russischen Brennstäbe angewiesen, weil man bislang keine ausreichenden Mengen Uran selbst anreichern kann.

Und drittens hat sich Russland trotz der Kontroverse um das iranische Atomprogramm schriftlich zu der Fertigstellung verpflichtet. Solche Verträge lassen sich auch wieder brechen, vor allem wenn sich der Konflikt bis zum März entscheidend zuspitzen sollte, aber es wird in Teheran ein paar Nerven beruhigen, ein solches Stück Papier in der Hand zu halten.

Iran über Bushehr verärgert

25. September 2006 - 22:54

Der Iran ist alles andere als erfreut über das Tempo, mit dem die Fertigstellung des von Russland gebauten Nuklearreaktors in Bushehr voranschreitet.

In nicht sehr diplomatischen Worten kritisierte der Chef der iranischen Atomenergieorganisation, Gholamreza Aqazadeh, vor Gesprächen in Moskau den russischen Partner.

Aqazadeh said that the contractor of the project, the Russian Atom Stroi Export Company, was subject to repeated changes, which also accounted for delay in the project.

As a contractor, Atom Stroi Export Company has a poor performance and due to its bankruptcy, it is not even qualified to get loans from Russian banks.

“If we could find any better contractors, we would have assigned it with the rest of the project to ensure that the power plant will be implemented in six months. (IRNA)

Nach Aqazadehs Meinung könnte der Reaktor in sechs Monaten fertiggestellt werden.

[H]e said that only 7-8 percent of the operations is remaining, which should be completed within six months.

Der Chef der russischen Atomenergiebehörde, Sergej Kirijenko, hatte Anfang des Monats erklärt, nach dem derzeitigen Stand der Planung soll das iranische Atomkraftwerk Bushehr im November 2007 ans Netz gehen.

“A realistic deadline (for transmitting power to the grid) is November 2007. This means a physical start-up (of the reactor) in September and the dispatch of fuel … six months earlier. … That means March or April.” (Reuters)

Die erste Runde der zweitägigen Gespräche scheint nicht sonderlich gut für den Iran gelaufen zu sein.

“In the event that the Russian contractor proves incapable of completing the Bushehr project, Iran is ready to finish it itself,” the head of Iran’s nuclear energy organization Gholamreza Aghazadeh told Iranian journalists after Moscow talks.

“From our point of view, we can complete the power station within six months,” Aghazadeh told the semi-official Mehr news agency, denying reports of an agreement with Russia for a November 2007 completion date. (AFP)

Dass der Iran selbst in der Lage sein soll, Bushehr zu ende zu bauen, darf mit einigem Recht bezweifelt werden. Aber dies ist ohnehin keine realistische Option, denn Teheran ist auf die Lieferung der Brennstäbe aus Russland angewiesen, um Bushehr auch betreiben zu können.

Die Gespräche werden morgen fortgesetzt.

Geheimes Laserprogramm?

15. September 2006 - 01:47

Der National Council of Resistance of Iran (NCRI) glaubt über Beweise zu verfügen, dass der Iran ein geheimes Programm verfügt, mit Laser Uran anzureichern.

The laser enrichment is being conducted under the guise of a front company called Paya Partov whose board is chaired by Reza Aqazadeh, head of the Atomic Energy Organization of Iran, [NCRI-Sprecher Alireza] Jafarzadeh said. Its advisers include Iran’s leading experts on laser enrichment, he said.

“The information I’ve gotten from my sources today suggests that Iran is heavily involved in laser enrichment program, something Iran has told the IAEA that they have abandoned,” he told a news conference. (AP via WP)

Der NCRI ist der politische Arm der Muyahedeen Khalq, einer linksoppositionellen Gruppe, die in den ersten Jahren nach der Revolution im Iran blutig verfolgt wurde, dann vom Irak aus gegen den Iran operierte. In der EU und von den USA wird sie als eine „terroristische Organisation” geführt.

Der NCRI hatte 2002 wichtige Informationen geliefert, die zur Aufdeckung des geheimen Atomprogramms des Irans führten. Danach trat er immer wieder mit neuen Enthüllungen in Erscheinung, die aber von sehr unterschiedlichem Wert waren.

Der Iran hatte gegenüber der IAEA gemeldet, dass es in der Vergangenheit ein Programm zur Anreicherung mit Laser aus experimentellen Gründen betrieben, dieses Programm aber wieder eingestellt habe.

Von einer Wiederbelebung des Programms weiß die IAEA nichts.

“We’ve only now been sent a copy of this report,” said IAEA spokeswoman Melissa Fleming, “and like all information that we receive, we must take the time to check it against all our information in order to decide whether it is worth following up.”

Der Iran streitet die Behauptung ab:

Iran’s U.N. Mission called the allegation “baseless and unfounded.”

Iwanow in Tehran

28. May 2006 - 20:46

Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats ist seit gestern Nacht zu Gesprächen in Tehran. Die Informationen sind wie üblich recht spärlich. Russen geben nur selten Pressekonferenzen, wenn sie im Iran sind.

IRNA teilte nur mit, dass er sich mit seinem Gegenüber, dem Sekretär des iranischen Nationalen Sicherheitsrates (SNSC) und nuklearen Chefunterhändler Ali Larijani und mit Mitgliedern des iranischen Außenministeriums getroffen habe.

According to SNSC secretariat, during the two rounds of talks on Sunday morning and afternoon, both sides underlined the need to pursue a diplomatic and political solution to the issue.

Laut AFP sollen auch noch Gespräche mit Außenminister Manouchehr Mottaki sowie dem Chef der iranischen Atomenergiebehörde Gholamreza Aghazadeh auf dem Programm stehen.

Es fällt nicht schwer, sich den Inhalt der Gespräche vorzustellen. Vor dem Hintergrund der Beratungen um ein neues Verhandlungspaket, mit dem der Iran der Verzicht auf eine eigene Anreicherung schmackhaft gemacht werden soll, versucht Iwanow die iranische Reaktion auszutesten.

Parallel dürfte der Vorschlag einer gemeinsamen russisch-iranischen Anreicherungsanlage weiter diskutiert werden, der nach Angaben Moskaus weiter auf dem Tisch liegt.

Die ersten 164

23. March 2006 - 12:43

Eine Nachricht, die gestern ein wenig untergegangen ist:

Meanwhile, diplomats close to the International Atomic Energy Agency in Vienna confirmed that Iran had assembled 164 centrifuges — enough to combine into what engineers call a cascade, which can be used to spin uranium hexafluoride gas into enriched uranium. (LAT)

Eine Kaskade ist eine mechanische Einheit, mit der sich Uran anreichern lässt. Uranhexaflorid (UF6) wird unter Vakuumbedingungen in schnell rotierende Zentrifugen eingeführt. Das unterschiedliche Gewicht der Uran Isotopen wird in diesem Prozess dazu genutzt, das unerwünschte U-238 von dem gewünschten U-235 zu trennen.

Der Vorgang muss verschiedene Male wiederholt werden, um die angestrebte Konzentration an U-235 zu erreichen.

Der Trick besteht dabei darin, die Zentrifugen so aufeinander abzustimmen, dass das gewünschte Ergebnis erreicht wird. Da sich diese Zylinder mit großer Geschwindigkeit drehen, wirken große physikalische Kräfte auf das Material ein. Kleinste Ungenauigkeiten können dazu führen, dass die Zentrifugen beschädigt werden.

Der Iran führte die ersten Tests mit einer Kaskade mit 19 Zentrifugen, in die UF6 eingeführt wurde, im Juni 2003, einen zweiten im August 2003 durch. Im November 2003 wurde dieses Programm als „freiwillige vertrauensbildende Massnahme” gegenüber den E3 suspendiert. Die Suspendierung wurde von Tehran am 10. Januar dieses Jahres wieder aufgehoben.

Die Nachricht lässt offen, was “assembled” genau heißt. Es kann bedeuten, dass die Kaskade montiert wurde, es kann aber auch bedeuten, dass die ersten mechanischen Test bereits durchgeführt wurden.

Auf jeden Fall scheinen noch keine Experimente mit UF6 durchgeführt worden zu sein.

Iran has yet to complete the piping system needed to move uranium gas from one centrifuge to the next. Until the system is finished and sealed, enrichment cannot begin.

Bis zur aktuellen Anreicherung ist es allerdings noch ein Stück Weg.

Bei Versuchen mit der 19er-Kaskade vor der Suspendierung wurden nach IAEA Angaben rund ein Drittel der Zentrifugen beschädigt.

David Albright und Corey Hinderstein vom Institute for Science and International Security in Washington beschrieben in einem gemeinsamen Papier im Januar dieses Jahres, welche Schritte der Iran als nächste unternehmen muss, um tatsächlich mit der Anreicherung (im kleinen Rahmen) zu beginnen.

After making necessary repairs, Iran then has to finish connecting all the pipes, establish a vacuum inside the cascade, start the process of turning on the centrifuges and then running them under vacuum for several weeks, and prepare the cascade for operation with uranium hexafluoride. Iran may start enriching uranium in a subset of this cascade sooner, but it could take two or more months to ready the whole cascade for the use of uranium hexafluoride. If Iran does not encounter any significant problems, such as excessive vibration of the centrifuges or leakage of the vacuum, Iran could then introduce uranium hexafluoride into the entire cascade and start enriching uranium. Iran would want to operate the cascade for several more months to ensure that no significant problems develop and gain confidence that it can operate the cascade with uranium hexafluoride. Absent major problems, Iran will need roughly six months to one year to demonstrate successful operation of this cascade.

In einem Interview mit dem iranischen Fernsehen am 16. Februar dieses Jahres erklärte auch der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Gholamreza Aghazadeh, dass vom ersten Test bis zur vollen Funktionsweise einer Kaskade einige Monate vergehen.

“We are at the beginning of a research stage and it may take many months before we get the necessary 3.5 per cent.”

Mit den 3,5 Prozent ist der Anreicherungsgrad des Uran gemeint. 3,5 Prozent ist der Grad für eine zivile Nutzung in einem Nuklearreaktor. Für eine Atomwaffe wird ein Anreicherungsgrad von etwa 90 Prozent benötigt.

Theoretisch wäre es möglich, mit einer 164er-Kaskade waffenfähiges Uran herzustellen, aber dies würde – wenn keine Pannen auftreten – mindestens 10 Jahre dauern.

Albright/Hinderstein glauben nicht, dass der Iran in der Pilotanlage in Natanz eine ernsthafte Produktion von Uran plant.

The PFEP [Pilot Fuel Enrichment Facility; ME] can hold a total of six, 164-machine cascades for a total of about 1000 machines, although Iran may build fewer cascades or change the number of centrifuges per cascade. Without major modifications, this facility is unlikely to be used to make significant amounts of highly enriched uranium (HEU) for nuclear weapons.

Dies würde erst in der unterirdischen Anreicherungsanlage, die ebenfalls in Natanz gebaut wird. Hier sollen in der Zukunft mehr als 50.000 Zentrifugen betrieben werden. Bis zum Ende der Suspension aller Anreicherungsarbeiten war dort noch nicht eine einzige Zentrifuge installiert. Der Iran will aber am Ende dieses Jahres mit der Montage der ersten 3.000 Zentrifugen beginnen. Wie schnell sie dann wirklich angereichertes Uran produzieren können, wird u.a. von den Tests mit der jetzigen 164er-Kaskade abhängen.

Ab dann würde der Punkt, an dem der Iran über waffenfähiges Uran verfügen könnte, näher rücken. Albright/Hinderstein:

In a case where just 1,500 of these centrifuges were installed and optimized to produce HEU, these centrifuges could produce enough highly enriched uranium for about one nuclear weapon per year.

Albright/Hinderstein schätzen, dass unter für den Iran günstigsten Umständen Teheran im Jahr 2009 über eine Atomwaffe verfügen könnte.

Combining all these centrifuges into cascades, installing control equipment, building feed and withdrawal systems, and testing the plant would take at least another year. Given another year to make enough HEU for a nuclear weapon and a few more months to convert the uranium into weapon components, Iran could have its first nuclear weapon in 2009.

Voraussetzung wäre allerdings, dass nichts schief geht. Offen ist zudem, ob es dem Iran gelingen würde, all die anderen technischen Probleme, die mit dem Bau einer Atombombe verbunden sind, gelöst hat.

Schließlich wird es nicht allein ausreichen, über eine Nuklearwaffe zu verfügen. Teheran benötigt auch eine Rakete, die in der Lage ist, diesen Sprengkopf in sein Ziel zu transportieren.