Bauchlandung
15. June 2008 - 15:17
Es kam so, wie man es sich erwarten durfte.
Der EU Außenbeauftragte Javier Solana traf gestern gemeinsam mit den politischen Direktoren der Außenministerien Frankreichs, Großbritanniens, Chinas, Russlands und Deutschlands in Teheran ein, traf sich heute mit dem iranischen Außenminister Manouchehr Mottaki und übergab ihm den lang angekündigten „aufgebesserten“ Vorschlag der P5 + Deutschland.
Und während die Herren zum Ausgang strebten, erklärte der iranische Regierungssprecher Gholam Hossein Elham zum wiederholten Male, sollte das Vorschlagspaket als Voraussetzung für die Aufnahme von Gesprächen die Bedingung enthalten, der Iran müsse sein Atomprogramm aussetzen, dann sei es indiskutabel.
“If suspension is included in the package, it won’t be considered at all,” the official IRNA news agency quoted Elham as saying Saturday. “The position of the Islamic Republic of Iran is clear. Preconditions can’t be raised for any halt or suspension.” (AP)
Elham wird zu dem Zeitpunkt wohl schon gewusst haben, dass der erste Satz des Angebotes lautet:
In order to seek a comprehensive, long-term and proper solution of the Iranian nuclear issue consistent with the relevant UN Security Council resolutions and building further upon the proposal presented to Iran in June 2006, which remains on the table, the elements below are proposed as topics for negotiations between China, France, Germany, Iran, Russia, the United Kingdom, and the United States, joined by the High Representative of the European Union, as long as Iran verifiably suspends its enrichment-related and reprocessing activities, pursuant to OP [operative paragraph; ME] 15 and OP 19(a) of UNSCR [UN security council resolution; ME] 1803.
Auch US Präsident George W. Bush wusste wohl schon, wie die iranische Antwort ausfallen würde. Während Solana in Teheran noch für den neuen Vorschlag warb, erklärte er in Paris:
“I’m disappointed that the leaders rejected this generous offer out of hand,” Bush said. “It’s an indication to the Iranian people that their leadership is willing to isolate them further.”
Das klingt alles andere als danach, als sei die US Regierung ernsthaft daran interessiert, mit Teheran über das Paket ins Gespräch zu kommen. Als einziges Land unter den P5 + Deutschland hatte das Weiße Haus auch keinen eigenen diplomatischen Vertreter zu der Präsentation in den Iran geschickt. Begründung: es gebe keine diplomatischen Beziehungen.
Die mangelnde amerikanische Unterstützung dürfte denn wohl auch der Hauptgrund sein, warum der Iran am Ende des Tages der Initiative kein großes Gewicht beimessen wird. Teheran ist weniger an den angebotenen Leichtwasserreaktoren oder an der angebotenen Hilfe in der Landwirtschaft interessiert, sondern mehr an einer Normalisierung der Beziehungen zu den USA. Wenn es ein Motiv für den Bau einer Bombe gibt (sollte tatsächlich eine gebaut werden) dann das, von den USA auf Augenhöhe behandelt zu werden. Dieses Pfand würde man sich dann auch nicht mit Angeboten einer Energiepartnerschaft, wissenschaftlicher Zusammenarbeit und neuen Flugzeugen abhandeln lassen.
Der Iran will durchaus ins Gespräch kommen, aber auf einer anderen Grundlage als Atomverhandlungen, deren Vorbedingungen von der Gegenseite diktiert werden. Nach dem Zusammentreffen mit der Solana erklärte Mottaki:
“We are waiting to receive the precise points of view of the 5+1 world powers about our package,” Foreign Minister Manouchehr Mottaki said after talks with EU foreign policy chief Javier Solana.
“The response of Iran to the package of the 5+1 world powers will be given taking into account a constructive and logical response of the world powers to Iran’s own package,” he said in a statement. (AFP)
Das kann man als plumpen Versuch werten, von der P5 + D –Initiative abzulenken, aber ein Satz lässt in der Meldung aufhorchen:
He highlighted its insistence on “the creation of uranium enrichment consortiums in various countries, including Iran.”
Diese Idee, die Urananreicherung in Natanz als internationals Konsortium zu betreiben, ist in dem Vorschlag, den Solana mitgebracht hat, nicht enthalten.
Auf der Pressekonferenz heute in Teheran blieb Solana auch die Antwort auf die Frage schuldig, warum solche iranischen Vorschläge als Basis für „vertrauensbildende Maßnahmen“, wie sie von Teheran verlangt werden, nicht akzeptabel seien.
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