Die Standardfrage: und was nun?

Zwei der großen amerikanischen Tageszeitungen, die NYT und die WP, haben heute ein Editorial zum Iran. Beide haben den Eindruck, dass angesichts der Krise an den Finanzmärkten und der zunehmenden Gewalt in Afghanistan und Pakistan das iranische Atomprogramm gefährlich in den Hintergrund gerät. Beide sind der Ansicht, dass wertvolle Zeit verloren geht, weil die Installation neuer Zentrifugen voranschreitet, und deshalb der Iran immer mehr in die Nähe einer möglichen Bombe rücke. Beide mögen nicht so recht daran glauben, dass der Weltsicherheitsrat dabei derzeit eine relevante Rolle spielen könnte. Beide Zeitungen sind gegen militärische Lösungen.

Beide haben aber recht unterschiedliche Vorschläge, was zu tun wäre.

Die WP plädiert für „strenge Maßnahmen, die vielleicht Teherans Aufmerksamkeit wecken“.

What might those measures be? The two most important would be an arms embargo — which would prevent Russia from supplying Iran with the advanced air defense systems it has reportedly promised — and a ban on the export to Iran of gasoline and other refined products, which could cripple Iranian transport. (WP)

Allerdings ist die WP selbst nicht davon so recht überzeugt, dass solche Maßnahmen den Iran kurzfristig zum Einlenken bewegen könnten und ist selbst ein wenig ratlos, was getan werden könne.

[T]he next major initiative to stop an Iranian bomb will probably be a new effort by the next U.S. president to launch negotiations; Barack Obama has made it a centerpiece of his policy, and John McCain has said he’s willing to support talks as well. Both also say they will work to stiffen sanctions. That, of course, is the strategy the United States and European governments have already been pursuing for several years — without success. Why do the candidates believe they will succeed where the Bush administration has failed?

Die NYT glaubt, noch die jetzige Bush Regierung hätte eine Chance, das Blatt zu wenden – und sei es nur, um das eigene Vermächtnis noch ein wenig aufzubügeln.

Secretary of State Condoleezza Rice had hoped to salvage at least part of President Bush’s legacy, and her own, by brokering an Israeli-Palestinian peace deal before Mr. Bush leaves office. That’s looking ever less likely. Ms. Rice could still make history if she got on a plane to Tehran to deliver an offer of a grand bargain.

She could prove that she was serious by proposing to immediately open an American interests section in Tehran — an idea her aides floated a few months ago that seems to have disappeared. (NYT)

Mit einem grand bargain ist ein Vorschlag gemeint, der nicht nur die Atomkontroverse sondern andere Fragen wie Irans Sicherheit, der Palästina-Konflikt und einiges mehr abdeckt.

Gefordert wird ein solcher Schritt von einer großen Zahl von außenpolitischen Experten schon seit langem. Es fällt schwer zu glauben, dass die Bush Regierung in ihren letzten Tagen doch noch zur Vernunft kommen würde, aber man kann die NYT schwer dafür kritisieren, dass sie die Hoffnung auf das Unwahrscheinliche noch nicht aufgegeben hat.

Zudem ist das, was für die Bush Regierung ein vernünftiger Schritt wäre, vielleicht auch für die nächste Regierung die naheliegende Lösung.

Niemand kann garantieren, dass direkte, umfassende Verhandlungen zwischen dem Iran und der USA tatsächlich zu einer Lösung führen werden.

We don’t know if any mix of sanctions and rewards can persuade Iran’s leaders to abandon their nuclear program. But without such an effort, we are certain that Tehran will keep pressing ahead, while the voices in the United States and Israel arguing for military action will only get louder.

Schon allein deshalb wäre es einen Versuch wert.

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