Abgekartetes Spiel?

In einem Kommentar für den heutigen Boston Globe äußern Ray Takeyh und Nikolas Gvosdev Zweifel daran, dass Russland in Folge der Konfrontation mit der NATO in Georgien seine Politik in der Iranfrage ändern wird. Nicht notwendig, so die beiden Autoren, denn Russlands Verhalten beruhte in der Vergangenheit allein auf schnödem Eigeninteresse und zielte nicht darauf, den Bau einer iranischen Atombombe zu verhindern.

Nicht nur Moskau sondern (Überraschung!) auch Teheran käme der gegenwärtige Gang der Dinge mit milden Sanktionen durchaus gelegen.

The primary reason for the continuity is that both Iran and Russia are essentially satisfied with existing US-European policy of applying incremental and largely symbolic UN sanctions on Tehran. Moscow feels that as long as the diplomatic process remains in play, America is in no position to launch a military strike that could destabilize the Middle East. At the same time, the theocratic regime has increasingly adjusted to a sanctions policy whose impact is negated by increasing oil prices. (Boston Globe)

Zwischen “anpassen” und “zufrieden sein” besteht doch ein kleiner und entscheidener Unterschied. Selbst wenn es Teheran gelingen würde, die Auswirkungen dieser Sanktionen zu unterlaufen, bleibt doch der symbolischer Wert solcher Sanktionen. Iran ist als Außenseiter gebrandmarkt, der sich nicht dem Willen der UN beugt.

Anders sicher das russische Interesse. Für Moskau besitzt es erste Priorität einen weiteren US Krieg im Mittleren Osten zu verhindern. Strategisch will sich Russland nicht von den USA umzingeln lassen, Moskau würde sich aber auch – anders als Washington – mit den Konsequenzen einer solchen Aktionen (Radikalisierung in der islamischen Welt) direkt  auseinander zu setzen haben.

For its part, Russia is happy with the standoff between Iran and the United States. Not only does it destabilize international oil markets - keeping prices higher than they ought to be - but Iran’s large natural gas reserves are effectively off-limits for European use, reinforcing the continent’s dependency on Moscow. At the same time, as Iran strengthens its economic links with key Asian powers, it makes it more dependent on Russia and China for its critical trade and investments. Russia can only benefit from Iran’s gradual reorientation toward the East.

Sicher ein Extra-Plus, aber mit einer roten Linie: auch Russland hat kein Interesse an einer iranischen Bombe.

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