Iran vergibt erste Aufträge für sechs neue Atomkraftwerke
Der Iran hat gestern die ersten Schritte unternommen, den lang geplanten Bau von sechs weiteren Atomkraftwerken in die Praxis umzusetzen.
Head of nuclear energy producing company, Ahmad Fayyazbakhsh said on Tuesday that agreements have been signed with executives in the field of nuclear energy generation.
He said that the state company signed agreements with other domestic firms to find locations to build new nuclear power plants. He said the process could take about 13 months. (IRNA)
Noch zu Zeiten des Schahs hatte der Iran den Plan, sechs Atomkraftwerke mit einer Gesamtleitung von rund 20 MW zu bauen. Mit der Revolution und dem Krieg gegen den Irak wurde dieses Vorhaben anfangs wieder zurück gestellt. 2005 fasst das iranische Parlament aber offiziell einen Beschluss, sechs Atomkraftwerke zur Energieversorgung zu bauen.
Im April letzten Jahres kündigte Teheran eine internationale Ausschreibung für den Bau der Anlagen an.
Von Kritikern wird der Umstand, dass der Iran zwar mit Nachdruck am Bau seiner Urananreicherung arbeitet, aber keine Nuklearreaktoren auf lange Zeit existieren werden, die mit dem in Natanz produzierten angereichertem Uran betrieben werden sollen, als Beleg dafür, dass es Teheran eher daran gelegen ist, über den Rohstoff für den Bau einer Atombombe zu verfügen.
Der von einer russischen Firma gebaute Reaktor in Bushehr wird mit Brennstäben betrieben, die ebenfalls aus Russland geliefert werden und nach dort wieder zurück geführt werden müssen.
Among the six chosen to look for nuclear sites is Khatam-ol-Anbia, the vast business arm of Iran’s ideological Islamic Revolutionary Guards Corps, which is under US and EU sanctions for links with nuclear proliferation activities. …
Khatam-ol-Anbia is involved in major projects in Iran, including oil and gas developments, infrastructure such as ports, bridges and the Tehran metro, telecommunications and agricultural projects. (AFP)
Es zählt zu den Eigenarten Irans, dass staatliche Organisationen gehalten sind, sich durch kommerzielle Tätigkeiten so weit wie möglich selbst zu finanzieren. Die Revolutionären Garden haben dabei den größten Eifer entwickelt.
Die Revolutionären Garden sind allerdings im Oktober letzten Jahres von den USA mit Sanktionen belegt worden, was es unmöglich machen wird, dass sich auch amerikanische Firmen am Bau der sechs neuen Reaktoren beteiligen werden. Aber das ist allemal wohl eher eine theoretische Möglichkeit. Washington dürfte allerdings einiges daran setzen, auch Unternehmen aus anderen Staaten daran zu hindern, sich in diesem bereich zu engagieren.
Was eigentlich aus der internationalen Ausschreibung aus dem letzten Jahr geworden ist, ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Der Leiter der Abteilung für Energieproduktion bei der iranischen Atomenergiebehörde, Ahmad Fayaz Bakhsh, gab nun gestern bekannt, dass sich vier ausländische Firmen an der Ausschreibung beteiligt hätten.
Fayaz Bakhsh said that four foreign companies — two Russian, one from Canada and a Swiss firm — had joined 58 domestic bidders for the contract.
Namen nannte er nicht.
Es gibt im übrigen schon einen Atomreaktor neben Bushehr, an dem angeblich schon gebaut werden soll. Im Mai 2007 gab Teheran bekannt, man habe mit dem Bau eines Reaktors in Darkhoin, unweit zur Grenze mit dem Irak begonnen. Zu sehen ist freilich noch nichts.
“Darkhoin is under basic design and there has been a nine-year scheme drafted for its construction,” Fayaz Bakhsh was quoted as saying by state television on Tuesday.
gepostet am 20. August 2008 um 06:11 von unter Technologie. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
Kurz vorab die oben genannten 20 MW bei 6 AKW sind sicher falsch, viel zu niedrig (>6.000 MW).
Ansonsten gilt nicht nur für den Iran, daß die zivile Atomnutzung nicht von der militärischen zu unterscheiden ist. Dabei muß es gar nicht um den Bau von Atomwaffen gehen, sondern für die politische Machtkulisse reicht evtl. die Fähigkeit dazu.
Dazu: http://irrliche.org/politische_kritik/atomwaffen_proliferation.htm
@ jd: Stimmt. Da fehlen drei Nullen. Es muss 20.000 MW heißen.
Die zivile Atomnutzung ist mit Sicherheit von der militärischen zu unterscheiden. Im ersten Fall wird Energie in zivilen Reaktoren produziert, im zweiten Fall ein nuklearer Sprengkopf. Die Technologie unterscheidet sich bis zu einem gewissen Grad nicht, weil angereichertes Uran (in verschiedenen Anreicherungsgraden) die Voraussetzung für sowohl zivile wie militärische Nutzung ist.
Nur baut nicht jeder Staat, der über Anreicherungskapazitäten verfügt, eine Bombe - und da wird es spannend. Wie lässt sich garantieren, dass das Programm zivil bleibt und nicht militärisch genutzt wird?
Es gibt dazu weder eine Patentlösung noch eine Garantie. Im worst case scenario könnte der Iran die IAEA nach dem Vorbild Nord-Koreas rauswerfen, sein Uran auf 90 Prozent anreichern und mit dem Bau der Bombe beginnen. Deshalb muss die Lösung sowohl technisch wie politisch sein.
Technisch muss es dem Iran so schwer wie möglich gemacht werden, unbemerkt auf ein militärisches Programm umzuschalten.
Politisch muss der Preis in die Höhe getrieben werden, den Teheran für den Bau einer Bombe zu zahlen hätte. Der Iran müsste mit einem militärischem Programm viel zu verlieren, aber wenig zu gewinnen haben. Darum geht es bei all den Diskussionen um eine “diplomatische Lösung”, Verhandlungen mit den P5+Deutschland oder auch direkten Kontakten zwischen den USA und dem Iran.
Ein Land, das allemal international politisch isoliert ist, hat in der Regel wenig zu verlieren, und könnte eine Bombe als ein Pfand betrachten, mit dem es etwas gewinnen könnte. Nord-Korea hat es vorgemacht.