Josef Joffe II
Nachdem ihm der erste Versuch darzustellen, warum der Iran trotz anderslautender Aussagen der NIE weiter an einer Atombombe arbeitet, gründlich schief gegangen ist, versucht sich Josef Joffe heute noch einmal.
Zum Anlass nimmt er den jüngsten Bericht des Chefs der US Geheimdienste, Michael McConnell, als Aufhänger.
Der erste Satz, formuliert in dürrem Bürokraten-Englisch, lautet: „Das iranische und das nordkoreanische Regime setzen sich über die Begrenzung ihrer Atomprogramme hinweg, die ihnen der UN-Sicherheitsrat auferlegt hat.“ Woher dieses Urteil? Es beruhe auf „neuen Einsichten“, die im vergangenen Jahr gewonnen wurden.
Und deshalb: Die „Sorge über Irans Absichten bleibt“. Erstens, weil „iranische Dienststellen weiter an der Uran-Anreicherung“ (hochangereichertes Uran mit einem U-235-Gehalt von 90 Prozent ist ein Weg zur Bombe, d. Red.) arbeiten. Zweitens: Iran stelle weiter Raketen auf, die einen Atomsprengkopf tragen könnten. Drittens: Dass Teheran die Waffenarbeit 2003 eingestellt habe, beruhe auf „moderate confidence“ – begrenzter Zuversicht. McConnell fügte hinzu: Ob das Geheimprogramm wieder aufgenommen wurde, wisse er schlicht nicht.(ZEIT)
Nicht ganz einfach, in so wenig Sätzen so viel Falsches zu sagen.
Was McConnell genau gesagt hat, lässt sich hier nachlesen.
Ansonsten: ist gibt bislang keinen Hinweis, dass der Iran irgendwo und irgendwann Uran höher als bis zu einem Grad von weniger als 5 Prozent (wie man es in zivilen Reaktoren verwendet) angereichert hat / wenn man in Teheran tatsächlich eine Bombe bauen will, wäre man wahrscheinlich froh, wenn man „weiter Raketen aufstellen“ könnte, die „einen Atomsprengkörper tragen könnten.“ Alle Experten sagen: kann der Iran aber nicht. / „moderate“ heißt auf Deutsch „gemäßigt“ und bedeutet, „wir sind uns zwar nicht ganz aber halbwegs sicher“. Geheimdienste lassen sich nicht gern festlegen.
Noch einmal versucht sich Joffe auch an dem IAEA Bericht aus dem letzten Monat.
Interessant ist, was die IAEA in Wien, die Überwachungsbehörde der UN, zu sagen hat – in einem Bericht, der ebenfalls im Februar 2008 erschien. Ihr Urteil ist dezidiert schärfer als das des National Intelligence Council. Er enthält eine Fülle technischer Details, die reichlich „Hinweise“ (wie es im Geheimdienst-Jargon heißt) für die Fortführung des Bombenprogramms liefern.
Die Hinweise beziehen sich auf die Beschaffung (oder versuchte Beschaffung) von kritischen Komponenten für die Waffenherstellung sowie auf die Forschung zu diesem Zweck. Als da wären: Detonatoren (die eine nicht-kritische Masse zu einer kritischen zusammenstauchen), Testvorbereitungen und fortgeschrittene Zentrifugen, die die Anreicherung beschleunigen.
Joffe hat offensichtlich überlesen (was nicht ganz einfach ist), dass eben dieser Bericht feststellt, dass – bis auf die „angeblichen Studien“ – der Iran alle diese „Hinweise“ zur einstweiligen Zufriedenheit der Behörde entkräft hat.
Okayokay. Genug davon.
Kein Joffe mehr.
gepostet am 26. March 2008 um 22:41 von unter Krims & Krams. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
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