Josef Joffe

Lange nichts mehr von Josef Joffe gehört, Mitherausgeber der ZEIT und dort vor allem für internationale Politik zuständig: deutsch-amerikanische Beziehungen, die große (globale) Ordnung der Dinge.

Augefallen ist er mir gestern, als er als einer der prominenten Befürworter des Krieges gegen den Irak gefragte wurde, „How Did I Get Iraq Wrong?“.Ehrlich gesagt habe ich seine Antwort nicht ganz verstanden, und befürchte, dass dies nicht allein an meinen unzureichenden Englischkenntnissen liegt.

Heute nun überrascht uns Joffe mit dem Beweis, dass der Iran doch - anders als es noch im NIE zu lesen war - doch weiter an einer Atombombe arbeitet.

Am meisten hat das die IAEA (Internationale Atomenergieorganisation) in Wien, den anti-atomaren Wachhund der UN verblüfft. Die Behörde wehrte sich denn auch höflichen Wortes gegen das “Alles klar”-Signal. Am 4. März 2008 konnte die Behörde die UN überzeugen, eine dritte Runde von Sanktionen gegen Iran einzuleiten, weil das Land sich stur weigert, die Uran-Anreicherung und Schwerwasser-Produktion zu stoppen. Und zu Recht. (ZEIT)

Tatsächlich??

Wie konnte die IAEA verblüfft sein, wenn sie selbst bislang keinen Beweis für ein solches Programm hat?? Und die IAEA hat die UN (gemeint ist wohl der Sicherheitsrat) überzeugt, eine dritte Runde von Sanktionen einzuleiten? Wackelt da der Schwanz nicht mit dem Hund?

Dann kommt ein Absatz, den ich beim besten Willen nicht auf eine sinnvolle Aussage reduzieren kann.

Anreicherung über drei Prozent hat mit Energiegewinnung nichts mehr zu tun, und Schweres Wasser (Deuterium), eine Art Neutronenbremse, wird in größeren Mengen nur in Kernkraftwerken gebraucht, die auf dem kanadischen CANDU-Design basieren. Die gibt es in Buschir nicht. Aus der Kühlflüssigkeit von Schwerwasser-Reaktoren kann allerdings Tritium gewonnen werden: ein klassischer “Booster”, der die Sprengkraft von Atombomben hochjagt.

Wer spricht von Anreicherung über drei Prozent und was hat der Schwerwasserreaktor in Arak mit dem Reaktor in Bushehr zu tun??

Egal. Der eigentliche Knüller kommt noch:

Nun kommt ein Bericht von Jane’s Defense Weekly (19. März) hinzu, der einschlägigen Fachzeitschrift für Rüstungs- und Sicherheitspolitik. Der Schlüsselsatz lautet: “Jane’s hat Beweismaterial einsehen können, das zeigt: Trotz aller Dementis führt Iran sein Forschungsprogramm zur Entwicklung atomarer Waffentechnik weiter.” Das Material stammt von nicht genannten Geheimdiensten, aber auch von der Wiener Behörde.

Laut Jane’s soll an einer „Implosions-Bombe“ (Joffes Worte) mit einem Durchmesser von 60 cm forschen, der praktischerweise auf die iranische Mittelstrecken-Rakete Shahab-3 passen würde.

Jane’s’ Fazit: “Well-placed sources claim that Iran is continuing its nuclear weapons program” - zuverlässige Quellen behaupten, dass Iran sein Nuklearwaffenprogramm fortführt.

Aha, „wohlplatzierte Quellen“!!

Da fragt sich auch Joffe, wie gut und welcher Art diese Quellen wohl sein mögen, die ausgerechnet Jane’s aber beispielsweise nicht der IAEA ihre Kenntnisse anvertrauen (resp wenn sie der IAEA dies mitgeteilt haben, dann scheint man in Wien die Quellen nicht als „wohlplatziert“ genug einzuschätzen, um diese Vorgange im jüngsten Bericht zu erwähnen).

Aber logisch würde Joffe es schon finden.

Wie zuverlässig, enthüllt das Magazin nicht, obwohl es auch von “Quellen” spricht, die “AMAD nahestehen”. Zumindest die Logik spricht für Jane’s. Wenn Iran, wie der National Intelligence Council behauptet, tatsächlich den Waffenbau eingestellt hätte, warum nimmt es dann lieber weitere Sanktionen in Kauf, als die Hoch-Anreicherung und Schwerwasserproduktion einzustellen - oder zumindest die Anlagen zu öffnen. Dann könnte sich die Welt davon überzeugen, dass das Schwere Wasser nur zu Zwecken der (zivilen) nuklearen Magnetresonanz hergestellt wird. Oder um damit den Stoffwechsel lebender Systeme zu messen.

Ja, warum nimmt der Iran Sanktionen in Kauf, statt die „Hoch-Anreicherung“ (welche Hoch-Anreicherung??) und die Schwerwasserproduktion (die IAEA interessiert sich nur beschränkt für die Schwerwasserproduktion, interessanter ist der im Bau befindliche Schwerwasserreaktor) einzustellen? Vielleicht einfach weil Teheran glaubt, auf eine eigene, vom Willen ausländischer Lieferanten unabhängige Versorgung mit angereichertem Uran nicht verzichten zu können. Zumindest sagen das die iranischen Offiziellen seit mindestens fünf Jahren jede Woche einmal.

Und: die IAEA hat sich noch nicht darüber beschwert, dass man ihnen einen Blick auf die iranischen Vorräte an schwerem Wasser verwehrt hätte.

Vielleicht sollte Slate demnächst mal eine Reihe starten „How Did I Get Iran Wrong?“.

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