Der SPIEGEL und das JRC

21. February 2008 - 22:46

Der SPIEGEL berichtet heute über neue Simulationen in einem Forschungszentrum der EU im italienischen Ispra, die zu dem Ergebnis kommen, dass der Iran schneller über eine ausreichende Menge an hochangereichertem Uran für den Bau einer Atombombe haben könnte, als beispielsweise das US National Intelligence Estimate vorausgesagt hat. Laut NIE wäre der Iran dazu irgendwann in den Jahren zwischen 2010 und 2015 in den Jahren.

As part of a project to improve control of nuclear materials, the European Commission Joint Research Centre (JRC) in Ispra, Italy set up a detailed simulation of the centrifuges currently used by Iran in the Natanz nuclear facility to enrich uranium. … For one scenario, the JRC scientists assumed the centrifuges in Natanz were operating at 100 percent efficiency. Were that the case, Iran could already have the 25 kilograms of highly enriched uranium necessary for an atomic device by the end of this year. Another scenario assumed a much lower efficiency — just 25 percent. But even then, Iran would have produced enough uranium by the end of 2010.

Erstaunlich, womit sich die Wissenschaftler am JRC so die Zeit vertreiben. Wenn wir von P-1 Zentrifugen reden, dann sind die technischen Parameter hinreichend bekannt. Dass man mit 3.000 P-1 Zentrifugen innerhalb eines Jahres 25 kg hochangereichertes Uran produzieren kann, ist hinreichend bekannt. Dazu bedarf es keiner neuen Simulationen.

Viel entscheidender ist, dass die 3.000 in Natanz installierten P-1 eben nicht mit einer Kapazität von 100 Prozent laufen. Schlicht gesagt: die Dinger funktionieren nicht so, wie sie sollen.

Deshalb macht es sehr viel Sinn, dass der Iran nun mit der Installation von IR-2 Zentrifugen startet – ein iranische Variante der P-2 Zentrifugen, die wiederum ein verbessertes Modell der aus Pakistan stammenden P-1 sind.

Mit der Umstellung startet Teheran nicht unbedingt bei Null, weil man mittlerweile einige technische Erfahrungen gesammelt hat, aber die IR-2 müssen erst installiert, synchronisiert und aufeinander abgestimmt werden. Niemand weiß, ob nicht wieder neue Tücken und Probleme auftreten.

Just why the new simulations came to such a different result than the National Intelligence Estimate issued by Washington is “a good question,” a JRC expert told SPIEGEL ONLINE. The American government, he points out, wasn’t clear about the technical details upon which its report was based.

Wir haben zwar in den letzten Jahren einige eher negative Überraschungen mit den US Geheimdiensten erlebt, aber ganz so einfältig ist man in Washington auch nicht. Auch dort liest man die Berichte der IAEA – und wahrscheinlich nicht nur die, die veröffentlicht werden. Deshalb weiß man so in etwa, was da in Natanz, das immer wieder von den Inspekteuren besucht wird, so vorgeht.

Another possible reason for the differences could be the fact that the US intelligence report focused solely on uranium enrichment done in secret and on possible steps taken toward the production of a bomb — but not on Tehran’s claimed civilian nuclear power program.

Was soll das bedeuten? In geheimen Anreicherungsanlagen, für deren Existenz es keinen Hinweis gibt, gibt es weniger Zentrifugen (wie viele?) oder die Zentrifugen dort laufen langsamer?

Wenn man in Ispra oder auch in der SPIEGEL Redaktion den veröffentlichten Teil des NIE einschließlich der Fußnoten einmal genauer lesen würde, würde man feststellen können, dass die NIE Schätzung eben genau auf dem basieren, was in Natanz passiert.

Erstaunlich, was man da in Ispra so treibt – und was dann der SPIEGEL veröffentlicht.

Israel erwartet Enttäuschung

- 16:11

Die Stimmung im Lager derer, die auf mehr Druck auf den Iran und eine weitere Isolation Teherans drängen, ist im Vorfeld der Veröffentlichung des neue IAEA Berichts nicht besonders positive.

IAEA Generaldirektor Mohammed ElBaradei will in den kommenden Tagen berichten, welche Ergebnisse der Dialog mit Teheran über die noch offenen Fragen zur Vergangenheit des iranischen Nuklearprogramms erbracht haben. Die Erwartung ist, dass die Untersuchung keine Hinweise auf ein militärisches Atomprogramm gefunden hat – was es erheblich erschweren würde, Zustimmung für weitere Sanktionen zu finden.

Der Staat, der auf die härtesten Maßnahmen gegen den Iran dringt und sogar (neben den USA) eine „militärische Option“ nicht ausschließen will.

“Our expectations, and those of many of my colleagues at the United Nations, are not high,” [der israelische UN Botschafter Dan; ME] Gillerman was quoted on public radio as saying in New York late on Wednesday. “I fear that once again we will be disappointed by this report.” (AFP via Dow Jones)

Einer solchen Enttäuschung hätte Israel vielleicht vorbeugen können, in dem es die Beweise für den Bau von Nuklearwaffen im Iran, über die Tel Aviv verfügen will, einfach der IAEA vorgelegt hätte.

Israel hat den Atomwaffensperrvertrag nicht unterschrieben und gehört deshalb auch nicht zur IAEA. Israel ist der einzige Staat in der Region, der Nuklearwaffen besitzt.

Ganz gegen jedes diplomatische Protokoll griff Gillerman ElBaradei auch persönlich an.

“In recent years, Mohamed ElBaradei has demonstrated incomprehensible and exaggerated forbearance regarding Iran’s race toward arms,” Gillerman said.

“He systematically tries to sympathize with the Iranians and to minimize things. Our experiences with his previous reports have not been positive, and I do not expect any change.”

Die Frustration muss tief sitzen und man kann sich vorstellen, welche Kampagnen losgetreten werden, sollte der IAEA Bericht so ausfallen wie erwartet wird.

Ich übersehe dabei durchaus nicht, dass der iranische Präsident Ahmadinejad mit seinen Hetzreden gegen Israel jenseits all dessen liegt, was auch nur annähernd akzeptabel ist. Natürlich heizt das die Stimmung auf beiden Seiten an.

Nur: bislang ist es unter zivilisierten Staaten nicht üblich, den Direktor der IAEA als Sympathisant des Irans zu attackieren und die Aufklärung des „Falls Iran“ wird sicher nicht durch persönliche Beschimpfungen sondern eher durch sachliche Argumente vorangetrieben.

Iran hat IAEA Informationen zu IR-2 zur Verfügung gestellt

17. February 2008 - 17:37

Der Iran hat der IAEA auf deren Anfrage Informationen zu seinen neuen IR-2 Zentrifugen, die verbesserten Nachfolger der P-1, zur Verfügung gestellt.

Foreign Ministry spokesman Mohammad-Ali Hosseini said here on Sunday that Iran provided the IAEA with data about the new generation of centrifuges in Natanz.

He told reporters during his weekly press briefing that the International Atomic Energy Agency had demanded information about operation of the new generation of centrifuges in Natanz. (IRNA)

Welcher Art diese Informationen sind und ob sie allen Wünschen der IAEA genügten, verriet Hosseini nicht.

Teheran bleibt sich treu. Man ignoriert bockig alle UN Resolutionen, hält sich aber an das Kleingedruckte der Sicherheitsbestimmungen des Atomwaffensperrvertrages, um sich keiner Vertragsverletzung schuldig zu machen.

Ansonsten präsentierte sich Hosseini mit Blick auf die neuen Geheimdienstinformationen, die die USA der IAEA übergeben haben, gelassen.

“Whenever Iran-IAEA cooperation reaches a conclusion, the West makes new wave of anti-Iran allegations to exert political pressure on the agency,” he added.

“If they have any data, they can give them to the IAEA officials.

The IAEA would study the information and will reflect it in the report if it deems necessary.”

Iran testet P-2 / IR-2 Zentrifugen mit Gas

- 07:00

Die Entwicklung der neuen, technologisch verbesserten Zentrifugen scheint in Natanz ja zügig voran zu gehen.

Iran’s new generation of advanced centrifuges have begun processing small quantities of the gas that can be used to make the fissile core of nuclear warheads, diplomats told The Associated Press on Wednesday. (AP)

Erst vor einer Woche wurde bekannt, dass diese neuen Zentrifugen in einem Seitenflügel der Anreicherungsanlage in Natanz installiert wurden. Die Arbeiten – so will AP erfahren haben – sollen am 20. Januar begonnen haben.

One diplomat said Wednesday that the centrifuges were set up Jan. 20 and began processing minute amounts of the uranium gas soon afterward to test the machines.

Experimentiert wird allerdings erst mit einer geringen Zahl an Zentrifugen und einer kleinen Menge an Uranhexanfluorid (UF6).

The diplomats emphasized that the centrifuges were working with minute amounts of the uranium gas. One diplomat said Tehran has set up only 10 of the machines — far too few to make enriched uranium in the quantities needed for an industrial-scale energy or weapons program.

Von einer Anlage, die Uran in einem industriellen Maßstab anreichern kann ist dies noch ein gutes Stück weit entfernt.

Wie schon bei den P-1 Zentrifugen besteht der Trick darin, eine größere Zahl dieser sich enorm schnell drehenden Zylinder über einen längeren Zeitraum synchron laufen zu lassen.

Vieles deutet darauf hin, dass dies dem Iran mit seinen 3.000 P-1 Zentrifugen trotz aller Erfolgsmeldungen nie so recht gelungen ist. IAEA Experten haben angedeutet, dass diese Anlage nur mit 10 Prozent seiner Kapazität operiert.

Mehr dürfte wohl aus dem neuen Bericht von ElBaradei zum Iran zu erfahren sein.

Amerikanischer Druck

16. February 2008 - 07:18

Erst der französische Präsident Nicolas Sarkozy, nun der US Vertreter bei der IAEA in Wien.

The U.S. on Friday demanded that Iran confess to trying to make atomic weapons, suggesting that anything short of that would doom an International Atomic Energy Agency probe of Tehran’s nuclear past. …

Schulte said the “measure for progress is whether Iran fully discloses its past weapons work and allows IAEA inspectors to verify it’s halted.”

“This,” he told reporters, “includes explaining past work on weapons design and weaponization and the role of the Iranian military.” (AP)

Ein “komplettes Geständnis” also, das es natürlich geben wird. Sollte der Iran ein Waffenprogramm haben oder gehabt haben, wird er sich nicht die Mühe gemacht haben, es so lange zu verbergen, um jetzt ein kleinmütiges Geständnis abzulegen, weil man es in Washington so verlangt.

Und wenn kein Waffenprogramm existiert? Na, dann gibt es auch nichts zu gestehen.

Der Druck auf ElBaradei steigt ganz gewaltig, keinen Bericht abzuliefern, der den Iran von allen Bedenken freispricht.

Für den Fall eines Falles beginnen die USA, Frankreich und Großbritannien schon jetzt, Vorsorge zu treffen

Reflecting Western dissatisfaction — and the possibility that ElBaradei’s report would fall short of expectations — Britain, France and the United States have begun consulting on a resolution for the March meeting that would “draw a line in the sand” both for the IAEA chief and Iran, said a diplomat accredited to the agency. …

If ElBaradei’s probe is deemed unsatisfactory, the board, through a new resolution “has to report to the Security Council that the agency has done all that it can do, and that it cannot guarantee for the peaceful nature of Iran’s nuclear program,” the diplomat said.

Sehr optimistisch scheinen die drei Staaten nicht zu sein, dass der IAEA Bericht bestätigen wird, was sie seit langem behaupten.