Letzte Lieferung

28. January 2008 - 10:16

Die letzte von insgesamt acht Lieferungen mit russischen Brennstäben für den Atomreaktor in Bushehr ist heute im Iran eingetroffen – meldet IRNA

The eighth and last nuclear fuel shipment from Russia for Bushehr nuclear power plant arrived in Iran Monday morning. …

The company said that it received a total of 82 tons of fuel for primary stage of commissioning the Bushehr nuclear power plant, along with auxiliary equipment from Russia.

Nach iranischen Angaben soll der Reaktor bereits im Sommer zumindest mit 50 Prozent seiner Kapazität Elektrizität liefern. Die russische Firma, die die Anlage baut, hält einen Termin zum Ende des Jahres für wahrscheinlicher.

Baraks Beweise

26. January 2008 - 19:53

Am Rande des World Economic Forum in Davos gab der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak NEWSWEEK ein Interview, in dem selbstverständlich auch um das iranische Atomprogramm ging.

Barak erklärt darin

We think that they [die Iraner; ME] are quite advanced, much beyond the level of the Manhattan Project. We suspect they are probably already working on warheads for ground-to-ground missiles which are much more sophisticated than those carried by the Enola Gay [the airplane that dropped the atomic bomb on Hiroshima]. They are clearly developing missiles, and there is no reason to develop missiles that can fly 1,500 miles if you just want to … it’s usually for unconventional warheads.

Dazu würde mir dann die Jericho 3 einfallen, eine ballistische Rakete, die eine Reichweite zwischen 3.000 und 4.000 Meilen haben soll und Mitte Januar von Israel erfolgreich getestet wurde.

Der Interviewer stellt die andere naheliegende Frage.

Do you have intelligence to prove that?

We don’t know if they have enough enriched uranium. Probably they cannot build it, but they are working on the technology for warheads. The only challenge is to have enough weapons-grade enriched uranium or plutonium, which they probably don’t have, but they are working on this as well. We suspect that probably they have another clandestine enrichment operation beyond the one in Natanz.

Barak weiß nicht, ob der Iran eine ausreichende Menge hochangereichertes Uran, vermutet aber, dass der Iran noch irgendwo eine geheime Anreicherungsanlage betreibt. Beweise nennt er dafür ebenso wenig wie für die Behauptung, Teheran arbeite an der Entwicklung eines nuklearen Sprengkopfes.

Der Interviewer hakt noch einmal nach.

We don’t know enough, but there is no other way to interpret what we see. The dots that we see on the screen cannot be easily connected in a way that does not lead to a nuclear program. We think it is still a major challenge for the world.

Die Behauptungen reduzieren sich nur auf die “Interpretation von Punkten auf dem Bildschirm”, wobei Barak gleichzeitig eingesteht „Wir wissen nicht genug“.

Dann fügt er an:

The leading intelligence communities should concentrate on finding whether there is or is not a clandestine enrichment operation and a weapons group working on the weapons technology.

Ob oder ob nicht??

Politiker in der ganzen Welt haben die Eigenschaft, Behauptungen aufzustellen, die sie nicht beweisen können. Aber wenn man Verteidigungsminister eines Landes ist, das damit droht, auf keinen Fall zuzulassen, dass Teheran in den Besitz einer Atombombe gerät, und dabei auch eine militärische Operation nicht ausschließt, sollte man nur Aussagen treffen, die sich nicht bei der ersten Gegenfrage als heiße Luft herausstellen.

Freundschaft

- 06:36

Es wird weiter zwischen Vertretern der P5 + Deutschland über die Formulierungen der unter den sechs vereinbarten neuen Sanktionsresolution zum Iran diskutiert und hier und da gelangen vereinzelte Informationen über den Inhalt des Textes an die Öffentlichkeit.

Maggie Farley weiß heute in der LAT zu berichten:

The resolution’s tone is different from the previous two, emphasizing the ultimate goal of “all-round relations and wider cooperation with Iran based on mutual respect and confidence in the exclusively peaceful nature of Iran’s nuclear program” — if Tehran suspends uranium enrichment and reprocessing.

“Umfassende Beziehungen”, “ausgeweitete Zusammenarbeit”, “gegenseitiger Respekt”, “Vertrauen in die friedliche Natur des iranischen Nuklearprogramms.

Poesie.

Lust verloren?

25. January 2008 - 08:42

Kann es sein, dass der Iran die Lust daran verloren hat, wenigstens den einen Kanal an offizieler direkter Kommunikation mit den USA offen zu lassen?

Leila Fadel / McClatchy schreibt:

Despite repeated offers from the United States , Iran has refused to set a new date for further talks between the two countries in Baghdad , U.S. and Iraqi officials said Thursday. …

“We’re set to go,” U.S. Ambassador Ryan Crocker told the Reuters news agency Thursday. “We have communicated that to the Iraqis, and the Iranians, for whatever reason, are holding back. We want to have these discussions— they have just suddenly gone quiet.”

Im letzten Jahr traf Crocker sich dreimal mit dem iranischen Botschafter in Bagdad, Hassan Kazemi-Qomi. Die nächste Runde sollte eigentlich im November stattfinden.

Mein Eindruck ist und war, dass Teheran weit mehr an Kontakten zu Washington interessiert ist, als man das erkennen lässt. Von daher waren diese Gespräche über die Verbesserung der Sicherheit im Irak ein Anknüpfungspunkt.

Von amerikanischen Seite war zudem in den vergangenen Wochen immer mal wieder erklärt worden, dass der Iran seine (angebliche?) Unterstützung von Aufständischen reduziert, wenn nicht eingestellt habe. Wenn dies zutrifft, dann wäre es ein Hinweis darauf, dass Teheran Vorleistungen erbringt, mit denen diese Gespräche auch eine Relevanz bekommen.

Fadel zitiert namentlich nicht genannte amerikanische und einen irakischen „Offiziellen“ , die sich an einer Erkärung des iranischen Verhaltens versuchen.

These officials think the reason is a U.S. National Intelligence Estimate in November that reversed an earlier assessment and concluded that Iran had suspended its nuclear weapons program in 2003.

“The timing of the NIE report was a disaster,” said an Iraqi official with knowledge of the meetings. “The message vindicated Iran’s position . . . . The pressure and the threat of force were keeping them in check. Now that’s gone.” The official refused to be identified because of the sensitivity of the issue.

Hmmmmmmmmmmmmmm.

Die Sanktionen und die offenen Fragen

24. January 2008 - 07:11

Es ist keine große Überraschung, dass die USA und Russland das Ergebnis des Treffens der P5 + Deutschland in Berlin unterschiedlich interpretieren.

Die USA versuchen entgegen besseren Wissens, die vereinbarten Grundzüge einer neuen Sanktionsresolution als eine deutliche Zunahme des Drucks auf Teheran zu verkaufen.

U.S. State Department spokesman Tom Casey told reporters in Washington that the final text would be “a serious sanctions resolution,” not merely a symbolic exercise.

“It does increase the sanctions and the pressure on Iran,” Casey said. (Reuters).

Washington will zum einen eine psychologische Atmosphäre schaffen, in der es leichter fällt, über einen „notwendigen weiteren Schritt“ zu diskutieren und damit neuen Druck kreieren. Zum anderen gesteht niemand gern eine Niederlage ein.

Anders Moskau.

Russian Foreign Minister Sergey Lavrov said the draft encourages countries to be vigilant in their dealings with Iran to prevent the illegal transfer of nuclear material, but it “does not foresee any harsh sanctions.”

“It calls for countries to be vigilant while maintaining trade and economic and transport and other ties with Iran so that they are not used for the transfer of forbidden nuclear material,” he said at a news conference the day after the draft was approved by the five permanent Security Council members and Germany.

These terms “will be enforced until the International Atomic Energy Agency’s concerns are resolved,” Lavrov said, referring to the U.N.’s nuclear monitoring agency. (AP)

Das dürfte dem Inhalt der Resolution, deren Einzelheiten bislang noch nicht bekannt sind, wohl ein Stückchen näher kommen.

Interessant ist an Lawrows Aussage aber vor allem der Hinweis, dass die Sanktionen eingefroren oder gar aufgehoben werden könnten, wenn die IAEA einen zufriedenstellenden Bericht über die bislang noch offenen Fragen zum iranischen Nuklearprogramm abliefert.

Nicht erwähnt wurde von Lawrow die in den bisherigen Sanktionen erhobene Forderung nach Einfrierung der iranischen Anreicherungsarbeiten.

Angesichts der Konstellation im Sicherheitsrat erscheint es mehr als unwahrscheinlich, dass sich tatsächlich eine solche Formulierung in der neuen Resolution wiederfinden wird, aber es unterstreicht, welche Rolle Moskau (und wohl auch Peking) dem ausstehenden IAEA Bericht, der irgendwann im März veröffentlicht wird, zumisst.

Der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki gibt sich sogar zuversichtlich, dass mit Vorlage des Berichtes die neue Resolution gänzlich vom Tisch sein könnte.

Foreign Minister Manouchehr Mottaki said he saw no need for the text ever to be put before the Security Council as Iran expected to clear up all of the IAEA’s remaining questions by the beginning of March.

“This is not an agreement that is going to be implemented right away,” he said after talks in Lisbon with his Portuguese counterpart Luis Amado.

“We reckon that the development of the process is going to render this draft redundant,” he said referring to the progress of the talks with the UN watchdog.

Mottaki said Iran had “answered 70 percent of the IAEA’s questions” and added: “The process will be completed by March.” (AFP)

Gleichzeitig fällt auf, wie wenig Erwähnung der anstehende Bericht in den Erklärungen aus Washington, Paris, London und auch Berlin findet.