Sarkozy will mit Nukleartechnologie Terrorismus vorbeugen
Frankreich hat eine gewisse Tradition, Ländern im Mittleren Osten Nukleartechnologie zu verkaufen. Der irakische Reaktor in Osiraq, der 1981 von Israel bombardiert wurde und die Fundamente für ein geheimes irakisches Atomprogramm legte, war von Frankreich geliefert worden. Frankreich war mit dem Iran zu Schahs Zweiten im Gespräch, was aber letztlich am Sturz des Regenten scheiterte.
An diese Zeiten möchte Nicolas Sarkozy nun offensichtlich anknüpfen. In den letzten sechs Wochen hat er mit Marokko, Ägypten, Algerien, Libyen, Qatar, Saudi Arabien und den Emiraten Abkommen zur nuklearen technischen Zusammenarbeit vereinbart oder ihnen Atomkraftwerke verkauft.
Keine schlechte Leistung.
Erstaunlich ist, mit welchen Argumenten der französische Staatschef seinen Verkaufsjob für die (staatliche) französische Atomindustrie begründet.
“Why should Arab countries be deprived of the energy of the future?” Sarkozy asked in an interview with al-Jazeera TV during a Middle East tour this past week. “Terrorism flourishes in the embrace of despair and backwardness. We want to help Arab countries develop, and we want to upgrade the economies of the 21st century.” (WP)
Das WSJ zitierte ihn am letzten Donnerstag mit einer leichten Variation dieser verblüffenden Aussage.
Mr. Sarkozy is at pains to sell his nuclear agenda as more than just a money-making proposition. Rather than increasing the military risks in the region, the power of the atom will miraculously bring peace — or so the French president claims. Tell “a billion Muslims across the world that they don’t have the right to civilian nuclear energy when they have no more petrol or gas,” Mr. Sarkozy said last summer when he first developed this theory. Giving Muslim states nuclear power, he insists, is critical to prevent “a conflict between Islam and the West,” to help Muslim states fend off “underdevelopment,” and to prevent an “explosion of terrorism.” (WSJ)
Bei den “arabischen Staaten” wäre der Iran aus-, bei den “Milliarden Muslimen” dagegen vermutlich eingeschlossen.
Zu behaupten, Nuklearenergie könne den wirtschaftlichen Fortschritt garantieren und damit Terrorismus verhindern, erfordert schon einige kühne gedankliche Verknüpfungen. Die Gleichung Nuklearenergie = Fortschritt ähnelt (ohne den Schwenker zum Terrorismus) verblüffend den Argumenten aus Teheran, warum der Iran auf sein Atomprogramm weder verzichten kann noch will.
Die US geführten Manöver, dem Iran eine eigene Anreicherung zu ermöglichen = ein damit von den Launen der Großmächte unabhängigen Nuklearkreislauf zu besitzen, wird als Versuch der „arroganten Mächte“ dargestellt, die Islamische Republik rückständig zu halten.
Nun hat sich Sarkozy sehr lautstark dafür eingesetzt, den Iran in seinem Atomprogramm zu stoppen und sein Außenminister Kouchner hält dabei sogar einen Krieg nicht für ausgeschlossen. Begründung: der Iran nutze das Programm als Deckmantel für den Bau einer Atombombe.
Dies kann er zwar nicht beweisen, aber dafür scheint er felsenfest davon überzeugt zu sein, dass Algerien, Ägypten, Saudi Arabien oder Libyen solche Absichten nicht besitzen.
Vielleicht sollte der Iran in Frankreich sein nächstes Atomkraftwerk bestellen. Dann würde Sarkozy seine Haltung gegenüber Teheran vielleicht ändern.
gepostet am 20. January 2008 um 00:00 von unter Technologie, Frankreich, Nicolas Sarkozy. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
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