Cheney will iranische Atombombe nicht “erlauben”

22. October 2007 - 06:10

Washington trommelt weiter. Erst Bush, nun Cheney.

Gestern stimmte auch Vize Präsident Dick Cheney in den anschwellenden Chor ein, der vor einem nuklearen Iran zu warnen versucht.

“The Iranian regime needs to know that if it stays on its present course, the international community is prepared to impose serious consequences,” Mr. Cheney said, without specifying what those might be. “The United States joins other nations in sending a clear message: We will not allow Iran to have a nuclear weapon.” (NYT)

Früher hiess es, die US Regierung würde eine iranische Atomwaffe „nicht akzeptieren“. Nun will es dies „nicht erlauben“.

Ist dies ein bedeutender Unterschied?

Die berüchtigte „militärische Option“, die auf dem Tisch liegt, erwähnte Cheney nicht.

Larijani tritt zurück

20. October 2007 - 13:22

Der Sprecher der iranischen Regierung, Gholam-Hossein Elham, gab heute bekannt, dass Ali Larijani von seinem Posten als Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates zurückgetreten ist.

Das ist überraschend und auch wieder nicht.

Es ist und war kein Geheimnis, dass es starke Differenzen zwischen Larijani und dem Ahmadinejad-Lager über den Kurs der iranischen Diplomatie in der Atomfrage gibt. Auch wenn Larijani vor zwei Jahren mal mit der Parole angetreten ist, Irans „atomare Rechte“ kompromissloser verteidigen zu wollen als sein Vorgänger, hat er sich mit der Zeit doch als ein Akteur erwiesen, der die Notwendigkeit einer diplomatischen Lösung in der Kontroverse um das Atomprogramm erkannt hat – mit allen roten Linie wie das Beharren auf eine eigene Anreicherungskapazität.

Westliche Diplomaten, die mit den Gesprächen vertraut sind, haben immer wieder erzählt, dass Larijani zwar in einigen Kernpunkten sehr kompromisslos war, aber sich dennoch darum bemühte, einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Gleichzeitig sei es aber offenbar gewesen, dass Larijani sich selbst nicht immer ganz sicher war, mit welchem Mandat er eigentlich die Gespräche führte. Jede kleinste Vereinbarung musste er sich von Teheran rückversichern lassen und nicht selten fiel die Antwort negativ aus.

Das dürfte Larijani ausreichend frustriert haben, um jetzt das Handtuch zu werfen.

Interessant ist dabei, dass er als Vertreter von Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamene-i im Nationalen Sicherheitsrat sitzt. Entweder hat Khamene-i ihm nicht den notwendigen Rückhalt gegeben oder Khamene-i ist selbst nicht stark genug, um die Positionen von Larijani durchzudrücken.

Überraschend ist der Zeitpunkt, denn am Dienstag steht das Treffen mit dem EU Außenbeauftragten Javier Solana in Rom an, das Grundlage für einen Bericht Solanas an den Weltsicherheitsrat werden könnte. In diesem Bericht soll Solana die Fortschritte gegenüber dem Iran auf der diplomatischen Ebene bilanzieren. Danach will der Sicherheitsrat über mögliche weitere Sanktionen entscheiden.

Ob es zu weiteren Sanktionen kommen wird, wird nicht allein von dem Solana Bericht abhängen, aber er ist ein nicht unbedeutendes Element in der zukünftigen Debatte. Für den Iran kann es nicht von Vorteil sein, wenn ihr derzeit erfahrenster Diplomat nun an diesem Treffen nicht teilnimmt. Heißt: Larijani muss die Faxen ziemlich dicke habe, ohne dass bekannt wurde, was der Auslöser für seine Entscheidung war.

Elham, ein enger Vertrauter von Ahmadinejad, ließ es nicht unerwähnt, dass Larijani schon mehrfach seinen Rücktritt erklärt habe. Kein Wort dagegen des Dankes für „die verdienstvollen Leistungen“, die sonst bei solchen Gelegenheiten üblich sind.

Bush sieht Gefahr eines 3. Weltkrieges

17. October 2007 - 22:12

Die Argumente, die US Präsident George W. Bush für die Notwendigkeit vorträgt, den Iran mit seinem Nuklearprogramm zu stoppen, befinden sich im Sinkflug.

US President George W. Bush said Wednesday that he had warned world leaders they must prevent Iran from getting nuclear weapons “if you’re interested in avoiding World War III.”

“We’ve got a leader in Iran who has announced that he wants to destroy Israel,” Bush said at a White House press conference after Russia cautioned against military action against Tehran’s supect atomic program.

“So I’ve told people that, if you’re interested in avoiding World War III, it seems like you ought to be interested in preventing them from having the knowledge necessary to make a nuclear weapon,” said Bush. (AFP)

Natürlich ist dies ein harrsträubender Unfug. Besonders beunruhigend dabei ist, dass es sich hier um Bush pur handelt. Kein Redenschreiber hat ihm dies ins Manuskript geschrieben, keine vorgegebenen Talking Points, sondern ein Stück freie Rede während einer Diskussion.

Das legt nah, dass Bush tatsächlich denkt, was er da gesagt hat.

Solana trifft sich, China bleibt zu Hause

16. October 2007 - 19:02

Der EU Außenbeauftragte Javier Solana wird sich in der kommenden Woche zu neuen Gesprächen mit dem iranischen Chefunterhändler Ali Larijani treffen – meldet RIA Novosti.

The European Union’s foreign policy chief Javier Solana will meet Iran’s top nuclear negotiator next week, two months after Iran reached an agreement with the UN nuclear watchdog.

Solana did not give a date or place for his meeting with Ali Larijani.

Das Treffen wird dazu dienen, noch einmal abzuklopfen, ob es auf iranischer Seite Bewegung in der Frage der Aussetzung der Urananreicherung gibt. Die Erwartungen sind gering. Das Ergebnis wird Solana dann wiederum (sollte es nicht noch ein zweites Treffen geben) an den UN Sicherheitsrat melden, der dann wiederum entscheiden will, ob er nun doch noch weitere Sanktionen gegen den Iran in Angriff nehmen will.

China dagegen will nicht an dem Treffen der P5 + Deutschland teilnehmen, das für die kommenden Tage in Berlin geplant ist und wo die Strategie gegenüber Teheran diskutiert werden soll.

Peking ist beleidigt.

China is protesting U.S. honors for the Dalai Lama this week by pulling out of a planned international strategy session on Iran sought by the United States, a State Department official said Monday.

China objected to participating in the meeting on the same day that the exiled Tibetan Buddhist leader is to receive Congress’ civilian honor at a ceremony attended by President Bush, the official said. (AP)

Viel verpassen  wird die chinesische Delegation allemal nicht, denn bei diesem Treffen dürften kaum bedeutende Weichen gestellt werden.

Zitate, die mehr Beachtung verdienen XX

- 11:49

The American military is stretched to the limit. They are losing both wars in Iraq and Afghanistan. Everything is being sacrificed for these wars: money, equipment in Asia, American military power globally, etc. Where and how can they fight yet another? The Pentagon is short of money for procurement, and that is what so many people in the military bureaucracy live for. The situation will be far worse in the event of a war with Iran.

Many in the US military think Bush and Cheney are out of control. They are rebelling against Bush and Cheney. Washington Post reporter Dana Priest recently said in an interview that she believed the US military would revolt and refuse to fly missions against Iran if the White House issued such orders.

Der Militärhistoriker Gabriel Kolko im Interview mit Spon.