US, Afghanistan + Iran

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat es nicht einfach. Er ist mit der Hilfe der USA in sein Amt gekommen und ohne amerikanische Unterstützung hätte er dieses Amt wohl auch längst schon wieder verloren. Das verpflichtet, beispielsweise zu all den Artigkeiten, die er bei seinem Besuch in Washington am vergangenen Wochenende über die Bedeutung der amerikanischen Hilfe geäußert hat.

Auf der anderen Seite will sich Karzai aber auch nicht mehr Feinde machen, als er jetzt schon hat. Das Verhältnis zu Pakistan ist schwierig genug. Da ist es nicht klug, auch noch einen Konflikt mit einem weiteren Nachbarn, dem Iran, vom Zaun zu brechen, zumal sich Tehran in Afghanistan in der Tat als ein konstruktiver Partner erweist. Der Iran liefert Strom, baut Strassen, liefert Konsumgüter und gibt Kredite.

“We have had very, very good, very, very close relations,” Karzai told CNN’s “Late Edition” on Sunday when asked about U.S. reports of Iranian arms shipments to the Taliban. Asked if Iran has helped or hurt more, Karzai said, “Well, so far, Iran has been a helper and a solution.” (WP)

So ist es, aber wahr kann nur sein, was in das Weltbild des Weißen Hauses passt, und danach ist der Iran eine Gefahr für jedermann. So lässt sich Präsident George W. Bush auch nicht bremsen, Karzai in einem gemeinsamen Auftritt öffentlich abzukanzeln.

“They’re not a force for good, as far as we can see,” Bush said of Iran, with Karzai at his side.

“They’re a destabilizing influence wherever they are. Now, the president will have to talk to you about Afghanistan. But I would be very cautious about whether or not the Iranian influence there in Afghanistan is a positive force. And therefore, it’s going to be up to them to prove to us and prove to the government that they are.”

Auch wenn Bush vielleicht gelegentlich der Versuchung nicht wiederstehen kann, seinen Allmachtsphantasien zu erliegen, ist die Welt bislang noch nicht so gestrickt, dass Staaten ihr Wohlverhalten dem US Präsidenten beweisen müssen.

Diese Form der Selbsteingenommenheit könnten man in dem inzwischen auf beachtliche Größe angeschwollenen Ordner „Großmächte und ihre Arroganz“ abheften, aber die vernagelte Weltsicht des Präsidenten hat gravierende Konsequenzen.

Afghanistan ist noch mehr als der Irak der Ort auf der Welt, an dem sich iranische wie amerikanische überdecken. Weder Teheran noch Washington haben ein Interesse an der Wiederkehr der Taliban. Beide sind an einer Eindämmung der Drogenproduktion interessiert. Beide sind an wirtschaftlicher wie politischer Stabilität in Afghanistan interessiert.

Wenn man aber partout entgegen aller Beweise des Gegenteils darauf besteht, der Iran sei „not a force for good“, dann verbaut man jede Form der Kooperation – zum Schaden der USA, wie des Irans und vor allem zum Schaden Afghanistans.

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