Bushehr Fertigstellung nicht vor Herbst 2008

Ein Sprecher der russischen Firma, die den zivilen Nuklearreaktor im iranischen Bushehr baut, gab heute bekannt, dass die Anlage nicht vor Herbst nächsten Jahres betriebsbereit sein wird.

“Today we can say for sure that to launch the Bushehr nuclear plant this autumn is unrealistic,” said Ivan Istomin, the head of a subcontractor called Energoprogress that is working for Atomstroiexport, RIA reported.

“A realistic time frame for starting the reactor… is moving to autumn 2008,” he said. (Reuters)

Der offizielle Grund für die erneute Verschiebung sind Streitigkeiten zwischen dem Iran und der russischen Atomstroiexport, einer staatlichen Firma, die für den Bau des Reaktors verantwortlich ist.

Angeblich soll der Iran nicht alle monatlichen Raten in voller Höhe gezahlt haben.

Russia has said it will stick to the project, worth about $1 billion. But Atomstroiexport said Iran was still paying just a fraction of the $25 million a month needed to finish the plant.

“Confidence in the project has been undermined,” said Atomstroiexport spokeswoman Irina Yesipova. “It is an unstable situation where there are lots of announcements but no money.”

Der Streit darüber, warum der Reaktor nicht  vereinbarungsgemäß fertiggestellt wird, geht nun schon seit fast einem Jahr hin und her. An fehlenden Zahlungen dürfte es dabei wohl kaum liegen, denn Teheran wird dieses Prestigeobjekt nicht an einigen Millionen Dollar scheitern lassen.

Der eigentlich Grund dürfte wohl sein, dass Moskau den Reaktor als politisches Druckmittel nutzt.

Russland ist zwar prinzipiell aus strategischen Gründen an guten Beziehungen zum Iran interessiert, um den amerikanischen Einfluss in der Region einzudämmen. Andererseits sieht man einen atomar bewaffneten Iran aber auch als eine potentielle Bedrohung an.

So hat sich Russland in der Vergangenheit um einen Kurs der Verständigung bemüht. Auf der einen Seiten hat es drastische Strafmassnahmen gegen Teheran blockiert, auf der anderen Seite das iranische Regime aber zu Kompromissen gedrängt.

In den entscheidenden Punkten, Einstellung aller Arbeiten an der Urananreicherung) war und ist Teheran aber nicht zum Einlenken bereit. Zudem haben die scharfmacherischen Töne von Präsident Ahmadinejad u.a. zu Israel auch in Russland einige Irritation ausgelöst.

Ob Moskau bereit ist, auch deutlich schärfere Sanktionen gegen den Iran in Zukunft zu unterstützen, ist noch völlig offen. Dies wird zum einen davon abhängen, welche Gegenleistungen vor allem die USA dafür bieten. Zum zweiten wird man im Kreml sehr genau überlegen, ob härtere Sanktionen den Weg zu einer militärischen Intervention der USA eher verkürzen oder verlängern. Schliesslich wird Moskau seinen Einfluss in der Region nur dann aufs Spiel setzen, wenn es keine anderen Möglichkeiten mehr gibt, das Verhalten des iranischen Regimes zu beeinflussen.

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