Anreicherung macht bedeutende Fortschritte

David E. Sanger berichtet heute in der NYT, dass dem Iran bedeutende Fortschritt beim Bau seiner Urananreicherungsanlage in Natanz gelungen seien.

Inspectors for the International Atomic Energy Agency have concluded that Iran appears to have solved most of its technological problems and is now beginning to enrich uranium on a far larger scale than before, according to the agency’s top officials.

Die bereits vorher bekannten 1.300 Zentrifugen sollen nun tatsächlich auch funktionieren. Heisst: die Schwierigkeiten in der Präzision der Fertigung dieser Metallzylinder, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1000 Umdrehungen pro Sekunde rotieren, scheinen überwunden. In die installierten Zentrifugen wird nun gasförmiges Uranhexafluorid (UF6) eingeführt und Uran angereichert. Kurz: die Anlage läuft – wenn auch noch mit einer vergleichsweise geringen Zahl an Zentrifugen.

Produziert wird Uran zu einem Anreicherungsgrad, wie er als Brennstoff für zivile Reaktoren benötigt wird.

The inspectors have tested the output and concluded that Iran is producing reactor-grade uranium, enriched to a little less than 5 percent purity.

Die bislang produzierte Menge ist dem Artikel nicht zu entnehmen.

Die Installation weiterer Zentrifugen macht offensichtlich rapide Fortschritte.

According to diplomats familiar with the inspectors’ report, in addition to 1,300 working centrifuges, 300 more were being tested and appeared ready to be fed raw nuclear fuel as soon as late this week, the diplomats said. Another 300 were reported to be under construction. …

“They are at the stage where they are doing one cascade a week,” said one diplomat familiar with the analysis of Iran’s activities, who spoke on condition of anonymity because of the delicacy of the information. A cascade has 164 centrifuges, and experts say that at this pace, Iran could have 3,000 centrifuges operating by June — enough, if the uranium were enriched further, to make one bomb’s worth of nuclear material every year. Tehran may, the diplomat said, be able to build an additional 5,000 centrifuges by the end of the year, for a total of 8,000.

Der Iran rückt offensichtlich in größeren Schritten der technischen Möglichkeit näher, innerhalb eines überschaubaren Zeitraums die notwendige Menge an hochangereichertem Uran für militärische Zwecke zu produzieren. Es gilt die Faustregel: mit 3.000 Zentrifugen lässt sich innerhalb eines Jahres genug hochangereichertes Uran für einen Atomsprengstoff fertigen. Danach muss das Uran freilich noch in einem recht delikaten Verfahren so umgeformt werden, dass eine möglichst große Explosionswirkung erzielt wird. Bislang ist nicht bekannt geworden, dass der Iran über diese Expertise verfügt.

Der zügige Weiterbau in Natanz wirft einige grundsätzliche Fragen zur diplomatischen Strategie auf.

Bislang galt, es müsse verhindert werden, dass der Iran die Kenntnisse erwirbt, eine eigene Urananreicherungsanlage zu betreiben. Derartige Kenntnisse gelten als ein „point of no return”, denn selbst wenn die Anlage zerstört würde, könnten iranische Wissenschaftler mit den nun gesammelten Erfahrungen in relativ kurzer Zeit eine zweite wieder aufbauen. Die Kenntnisse sind dem Iran nun nicht mehr zu nehmen.

Mit der Forderung nach Aussetzung aller Anreicherungsarbeiten, wie sie in drei UN Resolutionen gestellt wird, sollte Teheran daran gehindert werden, diese Linie zu überschreiten. Das ist gescheitert.

Damit stellt sich die Frage, wie viel Sinn es noch macht, auf dieser Forderung beispielsweise als Voraussetzung für Verhandlungen noch zu bestehen. Wäre es nicht sehr viel sinnvoller, auf die Vorbedingung zu verzichten und sich an einen Tisch zu setzen, um mit Teheran über Garantien zu reden, die sicherstellen, dass das in Natanz produzierte Uran nur für friedliche Zwecke genutzt wird?

Einige europäische Staaten haben bereits begonnen, suchen nach einem Weg zu suchen, wie man möglichst elegant die alten Forderungen begraben kann, und eine Strategie zu formulieren, die von den existierenden Realitäten ausgeht.

Auch wenn Präsident Mahmoud Ahmadinejad bei seiner Rede in Natanz noch zu früh jubiliert hatte, als er verkündete, der Iran sei nun in der Lage, im industriellen Maßstab Uran anzureichern, hat Teheran nun eine sehr wichtige Hürde gemeistert. Entscheidende Fakten wurden geschaffen.

Kommentare

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  1. von
    Paul Nellen
    am
    15. May 2007 um 21:11 Uhr

    Der letzte Satz hat es wahrlich in sich: “Entscheidende Fakten wurden geschaffen”. Damit treten wir wörtlich nun in die “Krise” ein - in den Moment der Entscheidung. Und derartige Momente haben die Eigenschaft, daß sie uns nicht allzu lange auf ihr Eintreffen warten lassen.

    Die nächsten 4 Wochen dürften vermutlich ziemlich spannend werden.

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