“Frische Ideen”
25. April 2007 - 22:57
Der iranische Chefunterhändler in der Atomfrage, Ali Larijani deutete heute bei seiner Ankunft in Ankara an, dass neue Vorschläge existieren, die es ermöglichen sollen, zu Verhandlungen über das iranische Atomprogramm zurück zu kehren. Larijani wird sich morgen zu Gesprächen über die Vorbedingungen von Verhandlungen mit dem EU Außenbeauftragten Javier Solana, der für die P5+1 verhandelt, treffen.
Arriving for the talks in Turkey’s capital, Ankara, Larijani said “irrational” Western preconditions, a reference to calls for a halt to all Iranian uranium enrichment activity, had thwarted diplomacy in the quest for a peaceful solution.
“That’s why there are other new ideas. We are supposed to be introduced (to them). That’s why we are here,” he told reporters before his first face-to-face session with Solana in two months. (Reuters)
Natürlich ließ Larijani offen, um was für “neue Ideen” es sich handelt.
Beide Seiten suchen eine Formel, die es ermöglicht, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, ohne dass eine der beiden Seiten so dasteht, als habe es zu große Konzessionen gemacht.
Laut UN Resolution 1747 sind Vorbedingungen für die Wiederaufnahme von Verhandlungen die verifizierte Einstellung aller Arbeiten zur Urananreicherung in Natanz sowie ein Stop des Baus des Schwerwasserreaktors in Arak. Dies ist selbstredend auch die Position der P5+1.
Der Iran dagegen hat sich darauf festgelegt, dass er nicht zu einer Suspendierung der Anreicherungsarbeiten bereit ist und trotz UN Resolutionen die Anlage in Natanz weiter ausgebaut.
Dennoch sind beide Seiten an Verhandlungen interessiert.
Als ein Ausweg aus der Sackgasse wird eine Formel diskutiert, die als modifizierte Form des „Schweizer Vorschlages” gehandelt wird. Danach soll der Iran sich verpflichten, innerhalb der folgenden 30 Tage nach Einigung seine Urananreicherungsanlagen nicht weiter auszubauen. Im Gegenzug würden die P5+1 in der selben Frist keine neuen Sanktionen betreiben.
Dieses 30-Tage-Zeitfenster soll wiederum dazu genutzt werden, um über die Voraussetzungen von Verhandlungen in der Substanz zu reden, also: Vereinbarung zur Aufnahme von Gesprächen über die Voraussetzungen von Verhandlungen. Tja, keiner hat gesagt, Diplomatie sei einfach.
Im zweiten Schritt soll dann ein unbefristetes oder länger befristetes Moratorium in Kraft treten, während dessen der Iran nicht weiter Uran anreichert und die Gegenseite die Sanktionen aussetzt.
Dies wäre dann wiederum die Voraussetzung dafür, über eine endgültige Lösung zu reden. Sprich: Angebote an den Iran kämen wieder auf den Tisch, die Teheran einen völligen oder auch nur teilweisen Verzicht seiner Anreicherung und des Bau des Schwerwasserreaktors versüßen sollen.
Von den europäischen Staaten ist inzwischen signalisiert worden, dass sie s auch akzeptieren könnten, wenn der Iran unter strenger internationaler Aufsicht Anreicherung zu Forschungszwecken betreiben würde. Von den USA wird dies bislang aber abgelehnt – zumindest noch in den öffentlichen Erklärungen.
Der Iran wiederum möchte über eine ausgeweitete internationale Kontrolle der Anreicherung reden, die sicherstellen soll, dass kein Material für militärische Zwecke abgezweigt wird. Natanz soll aber im vollen Umfang weitergebaut werden. Das Problem mit solchen Kontrollen besteht darin, dass im Ernstfall niemand Teheran davon abhalten könnte, die Kontrolleure eines Tages wieder vor die Tür zu setzen.
Zweiter iranischer Vorschlag ist eine Internationalisierung der Anreicherung. Ausländische Firmen sollen an Natanz beteiligt werden, womit eine optimale Kontrolle dessen, was da geschieht eigentlich gewährleistet wäre. Aber auch hier gilt, dass es letztlich keine Garantien gibt, dass der Iran seine Partner nicht doch irgendwann wieder rausschmeißt.
Das sind im wesentlichen die bekannten Ideen. Die „neuen” Ideen sind noch zu „neu”, als dass sich darüber etwas in Erfahrung bringen liesse.
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