Es tut sich was in Natanz

In den letzten Tagen gab es immer wieder Meldungen, dass der Iran mit der Installation einer Anlage zur industriellen Anreicherung von Uran in Natanz begonnen habe.

Die Meldungen waren teils ein wenig vage, teils widersprachen sie sich auch, aber nun verdichten sich doch die Hinweise, dass sich etwas tut.

George Jahn, im allgemeinen gut informiert, meldete gestern für AP

Technical crews have hauled centrifuges into Iran’s vast underground Natanz complex and were on the threshold of launching a program that could be used to create nuclear arms, diplomats said Friday.

Hundreds of technicians have been “working feverishly” in recent weeks in the bunker-like hall beneath the desert near the central Iranian city of Natanz, said a diplomat accredited to the Vienna-based International Atomic Energy Agency, the U.N. nuclear monitor.

By Thursday, they had installed and tested the pipes, wiring, control panels and air conditioning, setting the stage for hooking up the centrifuges that spin uranium into enriched levels.

AFP dagegen meldet

“We have not begun installing new centrifuges,” said the official, who asked not to be named.

Gemeint ist ein “high-ranking Iranian official”.

A diplomat in Vienna said construction had started at Natanz, including laying down piping and bringing in centrifuge parts, “but the cascades have not yet been assembled.”

Ob die Rohre und Leitungen nun alle verlegt und miteinander verbunden sind und ob die erstenh der geplanten 3.000 Zentrifugen schon aufgestellt sind, werden wir wohl am späteren Nachmittag erfahren. Eine Gruppe von Journalisten ist für 15:00 Ortszeit zu einer Besichtigung der Anlage eingeladen worden [siehe Korrektur].

Der iranische Präsident Ahmadinejad hatte schon seit längerem angekündigt, dass in den Tagen der Feiern der Revolution ein Durchbruch im Nuklearprogramm seines Landes zu feiern wäre. Der 28. Jahrestag der Revolution ist am Sonntag in einer Woche.

Ob bislang erst Rohre und Leitungen verlegt werden oder ob schon die ersten Zentrifugen stehen ist sicher ein Unterschied, aber nicht unbedingt ein bedeutender Unterschied. Die Rohre und Leitungen sind bei diesem Vorhaben die leicht zu lösende Aufgabe. Die Herausforderung besteht darin, die 3.000 Zentrifugen so einzurichten, dass sie in einem technologisch sehr anspruchsvollen Prozess das gasförmige Uran anreichern können. Ungenauigkeiten von Bruchteilen von Millimetern spielen dabei eine wichtige Rolle.

Fachleute weisen darauf hin, dass die Installation und Synchronisation der Zentrifugen Monate bis Jahre dauern kann. Die Zeit hängt von der Erfahrung und vom Geschick der iranischen Techniker ab.

Sind damit die Skeptiker (zu denen auch ich mich zähle) wiederlegt worden, die behaupten, der Iran sei noch ein gutes Stück von einer industriellen Anreicherung entfernt? Nicht unbedingt. Rohre und Zentrifugen in eine Halle zu schleppen ist kein Beweis dafür, dass man auch weiß, wie man alles zusammenbaut. Auf irgendeinem Dachboden müssten noch eine Reihe von Kartons mit halbfertigen Flugzeugmodellen herumliegen, an denen ich gescheitert bin.

Es gibt nicht wenige, die glauben, dass der Iran bluffe und darüber hinwegzutäuschen versuche, dass er mit der Technologie immer noch große Schwierigkeiten besitzt.

Ist das, was jetzt in Natanz passiert, deshalb unbedeutend? Nein, denn es ist ein klares politisches Zeichen. Statt der Aufforderung des Sicherheitsrates Folge zu leisten und die Arbeiten an der Anreicherung auszusetzen, unternimmt der Iran den nächsten Schritt. Das ist eine offene Herausforderung des Sicherheitsrates.

Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass die US Regierung mit der Forderung nach verschärften Sanktionen gegen den Iran und mehr Druck reagieren wird. Der iranischen Eskalation dürfte also die Forderung nach einer weiteren Eskalation der Gegenseite folgen.

Es ist schon bemerkenswert, dass der Iran sein Programm auf diese Weise zu einem Zeitpunkt fortsetzt, an dem die USA eine Politik der offenen Konfrontation deklariert haben.

Ist dies das Ende einer diplomatischen Lösung? Nicht unbedingt. Es gibt immer die Möglichkeit, aus dieser Spirale auszusteigen und zu Verhandlungen zurück zu kehren, aber dies wird natürlich nicht einfacher, wenn die Stimmung sich weiter aufheizt.

Es gibt in Teheran eine Reihe von iranischen Beobachtern, die glauben, der Iran strebe immer noch eine Verhandlungslösung an, versuche sich aber für mögliche Gespräche zu positionieren. Je mehr man vorzuweisen habe, um so größer sei der Preis, den man dafür verlangen könne, all diese wunderbare Technologie erst einmal einzumotten.

Zudem verweisen sie darauf, dass Teheran kaum eine andere Wahl hat. Würde man nicht weiterbauen, dann würde dies praktisch eine Aussetzung bedeuten, ohne dass der Iran dafür eine diplomatische Gegenleistung erhalten hätte.

Trifft dies zu, dann gleicht die Geschichte mehr und mehr einem Pokerspiel, dessen Einsatz eine Höhe erreicht hat, bei dem einem nur noch der Atem stocken kann.

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