Kirijenko: Bushehr kein großes Geschäft
Der Chef der russischen Atomenergiebehörde, Sergej Kirijenko, trat gestern Spekulationen entgegen, der Auftrag für den Bau des zivilen Reaktors in Bushehr sei für Moskaus wirtschaftliche Interessen gegenüber dem Iran von großem Gewicht.
“As for protecting our interests in Iran, that’s not a priority task,” Federal Nuclear Agency director Sergei Kiriyenko said. “I can’t say that the Bushehr plant project is extremely lucrative for us. It’s an interesting project, we have put a lot of work in that, but I can’t say it’s super-profitable.” (AP)
Der Auftrag hat ein Volumen von geschätzten 1 Milliarden US Dollar. Teheran hat zudem Russland Aufträge für den Bau von fünf weiteren Reaktoren in Aussicht gestellt.
Wahrscheinlich hat Kirijenko mit seiner Äußerung gar nicht einmal so unrecht. Das Bushehr Geschäft ist sicher für Russland nicht unattraktiv, aber es ist nicht der entscheidende Grund, warum Moskau sich den amerikanischen versuchen widersetzt, größeren Druck auf den Iran auszuüben und Teheran zur Aufgabe seines Atomprogramms zu zwingen.
Russland ist in erster Linie daran interessiert, über eine eigene Einflusssphäre im Mittleren Osten zu verfügen und die amerikanische Expansion zu stoppen. Nachdem die USA die Kontrolle über Afghanistan und den Irak (na ja) gewonnen haben, „Pakistan zum engen Verbündeten im Kampf gegen den Terrorismus” geworden ist und die arabische Halbinsel schon seit langem von den USA dominiert wird, spielt der Iran in diesen geopolitischen Überlegungen eine wichtige Rolle. Wenn die Geschichte auch noch Geld abwirft – um so besser.
Apropos Geld. Kirijenko bekräftigte noch einmal, dass der Reaktor in Bushehr wie vereinbart im September nächsten Jahres gestartet werden soll.
“I don’t foresee any technical problems, provided the project receives stable financing,” he said.
Mit “stabiler Finanzierung” dürfte er wohl gemeint haben, dass Teheran auch pünktlich die Rechnung bezahlt. In der Vergangenheit gab es zwischen den beiden Partnern hierüber immer mal wieder Kontroversen.
gepostet am 29. November 2006 um 07:22 von unter Technologie, Russland, Sergej Kirijenko. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
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