Geheime Aussetzung?

Die Washington Times, nicht unbedingt eine Bastion des seriösen Journalismus, berichtet heute unter Berufung auf Quellen in der Bush Regierung, dass der iranische Chefunterhändler Ali Larijani und der EU Außenbeauftragter Javier Solana kurz vor einem erfolgreichen Abschluss ihrer Gespräche über neue Verhandlungen ständen. Der Iran sei zu einer Aussetzung seiner Arbeiten an der Urananreicherung für einen Zeitraum von 90 Tagen bereit, möchte aber, dass dieses Zugeständnis geheim gehalten wird.

Failing to publicly announce the suspension … would be a face-saving measure for the Iranian government.

Mit Verlaub, aber hier handelt es sich … nun sagen wir: eine wenig glaubhafte Meldung.

Wie sollen sich die europäischen Regierungen mit dem Iran an einen Tisch setzen, ohne öffentlich die Frage zu beantworten, was denn nun aus der Forderung nach einer (zumindest zeitweisen) Aussetzung der Arbeiten an der Urananreicherung geworden ist? Wie soll die US Regierung es einem skeptischen Kongress erklären, warum sie an möglichen Gesprächen teilnimmt / nicht teilnimmt? Eine solche Aussetzung ist Gegenstand der Überprüfung durch die IAEA. Sollen die Inspektoren in ihrem nächsten Bericht an dieser Stelle einen weissen Fleck lassen?

Dennoch wurde der WT Bericht heute landab, landauf zitiert und zum Teil als eigene Meldung verbreitet.

Ebenso wenig glaubwürdig ist die Aussage des stellvertretenden Chefs der iranischen Atomenergieorganisation, Mohammad Saeedi, über die Themen der neuen Gespräche zwischen Solana und Larijani.

[T]he deputy head of Iran’s atomic energy organisation ruled out discussing a suspension of uranium enrichment activities in the talks, a move European and US leaders have said is crucial for resolving the standoff.

“Such issues will not be addressed in the next negotiations,” Atomic Energy Organization deputy head Mohammad Saeedi told the Iranian student news agency ISNA in Moscow. (AFP)

Nun, worüber wollen die beiden denn dann reden? Die Modalitäten der Aussetzung der iranischen Arbeiten an der Urananreicherung waren und sind der Dreh- und Angelpunkt für jede weitere Verhandlungen.

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