Chirac kein Freund von Sanktionen

Der französische Präsident Jacques Chirac hat gestern in einem Interview erstmals öffentliche ausgesprochen, was sich in den letzten Wochen bereits als französische Haltung im Konflikt über das iranische Atomprogramm abgezeichnet hatte.

In a potential break with the Bush administration, French President Jacques Chirac said Monday that he is “never in favor of sanctions” and suggested that the United States and other nations could begin talks with Iran on its nuclear program before Iran formally suspends its nuclear activities. (WP)

Damit kann die Strategie, ein Ultimatum zu setzen, entweder die Arbeiten an der Urananreicherung freiwillig einzustellen oder mit Sanktionen belegt zu werden, wohl offiziell zu Grabe getragen werden.

Statt dessen präsentiert Chirac folgenden Vorschlag:

“Iran and the six countries together, we must first find an agenda for negotiations, then start a negotiation,” Mr. Chirac told Europe 1 radio. “During this negotiation I propose that on the one hand, the six refrain from referring the issue to the Security Council, and that Iran refrain from uranium enrichment during the duration of the negotiation.”

Also erst sich mit dem Iran an einen Tisch setzen, um über einen Fahrplan für mögliche Verhandlungen zu reden. Wenn die Verhandlungen dann tatsächlich beginnen sollten, sollen die P5+1 nicht mehr weiter einen Sanktionsbeschluss im Weltsicherheitsrat betreiben und zeitgleich soll der Iran für die Dauer der Verhandlungen seine Arbeiten an der Urananreicherung aussetzen.

Glenn Kessler und Michael Abramowitz deuten in der WP an, dass der iranische Sondergesandte Hashemi Samareh einen Beitrag zum französischen Gesinnungswandel geleistet haben könnte.

Chirac met last week with a senior Iranian envoy, Hashemi Samareh, who appealed to Chirac by saying Iran wanted to be partners with France and the rest of Europe in creating a stable Middle East, according to European diplomats briefed on the talks. Samareh also noted that Iran believed Lebanon’s government might soon fall, which some took as a not-so-subtle warning about Iran’s influence in a country with close ties to France.

Elaine Sciolino sieht das heute in der NYT dagegen etwas nüchterner.

As for Mr. Chirac’s remarks about stopping punitive action in the Security Council once negotiations are under way, that is generally understood by the six power group to be acceptable, as long as Iran has stopped enriching uranium.

Auch Verhandlungen über mögliche neue Verhandlungen sind keine neue französische Erfindung.

What is currently under discussion is a convoluted formula in which the six powers could meet with Iran to discuss the agenda, but not substance, until Iran froze its nuclear activities, the official added. That approach would allow Iran to claim that negotiations had started; the United States and others could say they had not.

Neu ist allenfalls, dass Chirac vorschlägt, dass alle sechs Staaten mit dem Iran über die Vorbedingungen von Verhandlungen reden sollen. Bislang der EU Außenbeauftragte Javier Solana mit dem iranischen Chefunterhändler Ali Larijani in Zweiergesprächen diskutiert, unter welchem Modus die die Verhandlungen beginnen können und wann und wie lange der Iran seine Urananreicherung aussetzt.

Die bisherige US Linie ist: erst dann mit dem Iran an einen Tisch, wenn die Urananreicherung gestoppt ist. Dass Chirac nun öffentliche einen anderen Weg vorschlägt, wird deshalb sicherlich in Washington nicht allzu große Freude auslösen.

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