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	<title>Hörfunk</title>
	<link>http://mebb.de/Hoerfunk</link>
	<description></description>
	<pubDate>Mon, 10 Nov 2008 06:24:14 +0000</pubDate>
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	<language>de</language>
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		<title>Studieren in Qom</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Nov 2008 06:24:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mebb</dc:creator>
		
	<category>Iran</category>
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		<description><![CDATA[Seit der Islam im Iran zur Staatsreligion geworden ist, beginnen sich mehr und mehr Iraner vom Islam abzuwenden. Parallel hat auch der Berufsstand der Mullahs (Kleriker) stark an Ansehen verloren. Dennoch bemühen sich weiterhin jedes Jahr Tausende um die Aufnahme in einer der Schulen im Qom, dem religiösen Zentrum des Irans. Sie suchen nach einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</p>
<p>Die Religionsschule ist von dem lärmenden Straßenverkehr der Großstadt Qom durch eine hohe Mauer abgetrennt. Dahinter bietet sich ein Bild aus längst vergangen geglaubten Zeiten.</p>
<p>In einem  kleinen Garten spazieren Männer unterschiedlichen Alters, schwatzen miteinander oder lesen im Schatten der Bäume. Fast alle tragen bodenlange Gewänder aus dichtem Tuch. Darüber den weit fallenden transparenten Umhang eines Geistlichen und einen Turban in Weiß oder Schwarz.</p>
<p>Vor den mit Mosaiken verzierten Gebäuden, die den Innenhof säumen, stehen neben den Türen ausgetretene Schuhe. Im Inneren sitzen die Studenten auf dem Boden, diskutieren miteinander und machen sich Notizen. In einer größeren Halle findet eine schriftliche Prüfung statt. Ein hagerer Aufseher geht von Student zu Student, die ihre Unterlagen auf dem Teppich ausgebreitet haben, und passt auf, das nicht gemogelt wird.</p>
<p>Amir, ein stämmiger Mann, dessen Bart für einen End-Dreissiger recht spärlich spriest, hat seine Arbeit schon abgegeben und wartet auf den Treppenstufen am Eingang auf seinen Freund, der noch mit den Prüfungsfragen kämpft.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 01</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Ich möchte ein Diener Gottes sein und die göttliche Offenbarung studieren. Nur wer sein Leben Gott weiht, führt auch ein Leben voller Sinn und Erfüllung.</em></p>
<p>Eine Karriere als Beamter oder in der freien Wirtschaft hat Amir nie interessiert.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 02</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Ich mache mir nicht viel aus materiellen Dingen. Gott hat die Welt nicht geschaffen, damit wir Reichtümer anhäufen. Wir sind hier, um seinen Willen zu erfüllen und das bedeutet vor allem, sich für eine friedvolle und gerechte Welt einzusetzen.</em></p>
<p>Amir, der eine Frau und drei Kinder hat, studiert schon seit 14 Jahren. Der Weg zu einem Geistlichen im Rang des Ayatollah, Amirs Ziel, ist lang. In der Regel benötigt man etwa 20 Jahre, bis man  sich ein „Zeichen Gottes“ (wie „Ayatollah“ wörtlich übersetzt heißt) nennen darf.  Damit gilt man dann als ein Experte des Islam, der an Religionsschulen unterrichten darf.</p>
<p>Andere Schüler haben nicht so große Ambitionen.  Abdulrashid stammt aus einem Dorf in Pakistan.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 03</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Ich habe schon zuvor in Pakistan studiert, aber ich bin hier nach Qom gekommen, weil es das bedeutenste religiöse Zentrum für uns Schiiten ist. Hier sind sehr angesehene Lehrer. In Pakistan werden wir Schiiten von der Mehrheit der Sunniten unter Druck gesetzt und haben deshalb nicht so viele Möglichkeiten. Wenn ich wieder in meine Heimat zurück gehe, will ich helfen, den rechten Glauben zu verbreiten.</em></p>
<p>Abdulrashid will vier Jahre bleiben. Sein Aufenthalt wird von einer religiösen Stiftung finanziert. Insgesamt 10.000 Ausländer studieren derzeit im Qom und die iranische Führung sieht das gern. Zum einen hilft man den Glaubensbrüdern, zum anderen glaubt man dadurch auch Freunde für die eigenen politischen Vorstellungen zu gewinnen.</p>
<p>In einem anderen Teil der heiligen Stadt Qom sitzt die 20jährige Afshan Hakim in einer Bibliothek vor ihren Büchern. Ihre Mutter ist Griechin, ihr Vater Iraner, aber die Familie hat in Frankfurt gelebt, wo sie auch ihr Abitur gemacht hat.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 04</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Ich habe mich entschieden, Islamwissenschaften im Iran zu studieren. In Frankfurt gab es eigentlich auch Möglichkeiten, aber ich wollte halt in einer islamischen Umgebung dieses Fach ausüben.</em></p>
<p>Afshan studiert an einem religiösen Seminar nur für Frauen und lebt in einem Wohnheim - ebenfalls nur für Frauen.</p>
<p>Sie macht nicht den Eindruck einer weltentrückten religiösen Fanatikerin. Ihre Mitschüler in Frankfurt hätten ganz schön gestaunt, als sie ihnen von ihrem Entschluss erzählte, in Qom studieren zu wollen. Sie ist Fan der deutschen Fußballnationalmannschaft und fragt man sie, ob sie in Deutschland einen Freund gehabt habe, weicht sie der Antwort aus..</p>
<p>In Qom trägt sie wie ihre Mitstudentinnen einen Tschador, den weit fallenden Umhang, und kein einziges Haar schaut unter ihrem Kopftuch hervor. Es sei schon eine Umstellung, gesteht sie ein, aber der Iran sei nicht so, wie man es in Deutschland glaubt.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 05</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>In Deutschland wird jetzt über das Atomproblem geredet wegen der Atombombe und so weiter und so fort. Aber das sind einfach Nachrichten aus Amerika. Aber wenn man selber im Iran lebt, merkt man, dass das ganz anders ist. Man soll nicht vor Iran Angst haben. Iran will nur Frieden – auf der ganzen Welt.</em></p>
<p>Drängt man Afshan mit weiteren Fragen nach der Meinungsfreiheit im Iran, der Rolle der Frauen, den Menschenrechten, dann räumt sie ein.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 06</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Ich liebe dieses Land einfach, und wenn man etwas liebt,  dann sieht man das alles einfach in einer rosaroten Brille.</em></p>
<p>Amir, der gern Ayatollah werden möchte, hat sein ganzes Leben im Iran verbracht und sieht die Dinge etwas nüchterner. Fragt man ihn nach dem Ansehen der Geistlichen im Iran, dann bittet er darum, das Mikrophon auszuschalten und gesteht dann unverblühmt, dass es sowohl dem Ansehen der Religion wie der Mullahs schade, dass Kleriker die politischen Geschäfte übernommen haben.</p>
<p>Und seine Meinung zu Präsident Ahmadinedschad? Erneut muss das Mikrophon ausgeschaltet bleiben, aber dann: „Ich akzeptiere natürlich Gottes Wille, aber nicht immer ist sein Wille einfach zu verstehen.“</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Iran: Jugend in der Provinz</title>
		<link>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/11/03/iran-jugend-in-der-provinz/</link>
		<comments>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/11/03/iran-jugend-in-der-provinz/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 03 Nov 2008 06:16:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mebb</dc:creator>
		
	<category>Iran</category>
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		<description><![CDATA[Was soll man nur tun? Das ist eine Frage, die junge Menschen auf dem Lande imIran ständig begleitet. Zeit genug darüber nachzudenken, haben sie mehr als ihnen lieb ist. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Zuverlässige Zahlen gibt es nicht, aber es wird geschätzt, dass fast jeder zweite Jugendliche ohne Arbeit ist. Die Freizeitmöglichkeiten sind dagegen gering. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>ATMO 01</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>[Audio Zahedan]</em></p>
<p>Von Teheran aus gesehen ist Zahedan so ziemlich das Ende der Welt. Das rund 100.000 Einwohner zählende Städt liegt nahe an den Grenzen zu Afghanistan und Pakistan im Südosten des Irans. Es ist bekannt als Durchgangsstation für afghanisches Heroin und Opium auf dem Weg nach Europa. Ansonsten ähnelt es vielen anderen Orten in der Provinz: ein kleiner Basar, eine Handvoll Moscheen, Teestuben und kleine Restaurants, die unter Neonlampen Kebab servieren. Ansonsten viel Staub, die überwiegende Mehrheit der Frauen trägt den traditionellen schwarzen Tschador, arbeitslose Männer mit Dreitagebärten hocken im Schatten am Straßenrand und stieren ins Nichts.</p>
<p>Außer der Wüste, die die Stadt umgibt, hat der Ort nicht viel zu bieten. Vor allem für junge Leute  wie Mahnaz, die von einer Karriere als Schauspielerin träumt, ist hier der Hund begraben.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 01</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Wenn ich mal ein, zwei Tage frei habe, versuche ich etwas zu unternehmen, aber es gibt hier keine Unterhaltung. Es gibt nicht einmal ein Kino. Wenn jemand hier auch nur einen Tag verbringen will, wird er sich zu Tode langweilen, weil er den ganzen Tag zu Hause verbringen muss.</em></p>
<p>Die strengen Sittenvorstellungen dieser sehr traditionellen Gesellschaft machen vor allem den jungen Frauen das Leben noch zusätzlich schwer. Sie dürfen ohne Begleitung eines männlichen Familienmitgliedes das Haus selten verlassen. Jeder unbeaufsichtigte Kontakt zum anderen Geschlecht ist streng verpönt.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 02</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Die Möglichkeiten für Frauen sind sehr, sehr begrenzt.</em></p>
<p>Die Arbeitslosigkeit in Zahedan ist schon seit Menschengedenken sehr hoch. Die alten Erwerbszweige wie Schafzucht sind unrentabel geworden, neue Arbeitsplätze gibt es nicht. Die Regierung im fernen Teheran unternimmt wenig, um die Situation zu ändern. Zur Langeweile gesellt sich so Hoffnungslosigkeit.</p>
<p>Viele, so weiß Shahnaz, greifen deshalb zu Drogen, um die Trübsal zu vergessen.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 03</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Jeder junge Mensch hat Bedürfnisse, aber wenn er diese Bedürfnisse in der Enge seiner Familie nicht ausleben kann und wenn es soziale Probleme gibt, dann ist der Weg zu den Drogen nicht mehr weit.</em></p>
<p>Shahnaz zählt zu den wenigen Frauen in der Region, die sich auch ausserhalb von Küche und Moschee behaupten konnte. Sie arbeitet in einer Beratungsstelle für Drogenabhängige in Zahedan. Das Büro liegt in einer Gegend der Stadt, wohin kein Taxifahrer bereit ist zu fahren. Die kleinen Lehmhäuser sind nicht in der besten Verfassung. Bis auf kleine Gruppen von männlichen Jugendlichen ist niemand an diesem Nachmittag auf der Strasse zu sehen.</p>
<p>Einer von ihnen ist Mohammed, ein magerer Bursche mit einem gelben T-Shirt, ausgetretenen Turnschuhen und einer billigen Kette mit einem Playboy-Bunny um den Hals.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong><span /></strong><strong><span lang="EN-US">O-TON 04</span></strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em><span lang="EN-US">Ich lebe in dieser Gegend. </span>Ich sehe, wie meine Freunde und auch andere, die keine Arbeit haben, Drogen verkaufen. Einige von ihnen werden auch selbst abhängig. Es gibt halt nichts, was man hier sonst machen kann und Arbeit gibt es auch keine.</em></p>
<p>Die Drogen kommen über die Grenze aus Afghanistan und sind in Zahedan noch billiger als in Teheran, wo eine Tüte Heroin kaum mehr als ein Glass Cola kostet. Shahnaz erzählt später von Mohammed, er selbst sei bei ihr zur Beratung gewesen. Als er einen Job als Aushilfsfahrer bekam, hat er die Drogen eine Zeitlang an den Nagel gehängt, aber nachdem er als Fahrer nicht mehr gebraucht wurde, ist er wieder zurück auf der Strasse.</p>
<p>Gäbe es mehr Arbeitsplätze, liesse sich auch das Drogenproblem leichter lösen, meint Shahnaz.</p>
<p><span /><strong>O-TON 05</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Wenn man mit diesen drogenabhängigen jungen Leuten redet, sagt eigentlich jeder, ich würde sofort aufhören, wenn es eine Arbeit geben würde, die ich tun kann.</em></p>
<p>Die Regierung in Teheran unternimmt wenig, um die Situation zu ändern. Es gibt keine Programme, um diese strukturschwache Region zu entwickeln, und das wenige Geld, das aus der Hauptstadt kommt, versickert meist irgendwo auf dem Wege.</p>
<p>Maryam, die gerne Schauspielerin wäre, erinnert sich, dass das einmal anders war.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 06</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Nach dem Wahlsieg der Reformer gab es plötzlich mehr Freiheiten. Damals gab es ein Kino und Zeitungen und eine viel offenere Atmosphäre. Es gab auch eine Menge kulturelle Aktivitäten und wir alle waren eigentlich voller Hoffnungen, dass die Dinge besser werden. Aber der Wahlsieg von Ahmadinejad war wie ein Herzanfall. Alles brach zusammen und unsere Träume wurden vom Wind verweht. Ich habe alle Hoffnung verloren, dass es noch einmal besser wird.</em></p>
<p>Sie würde gern den Iran verlassen, aber sie hat keine qualifizierte Ausbildung, um ein Visum für die USA oder ein europäisches Land zu bekommen. So hat sie sich für die zweitbeste Lösung entschieden. In gut zwei Monaten zieht sie nach Teheran, dem Zentrum der iranischen Filmindustrie. Sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie in der großen Stadt vielleicht doch noch ihren Traum erfüllen kann.</p>
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Iran: Trotzdem - die unbekannten Helden</title>
		<link>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/10/27/iran-trotzdem-die-unbekannten-helden/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Oct 2008 06:12:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mebb</dc:creator>
		
	<category>Iran</category>
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		<description><![CDATA[Aufgrund des Friedensnobelpreises ist die Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi auch in Europa bekannt. Sie ist aber nicht die einzige,die sich trotz Schikanen und staatlicher Verfolgung für die Rechte von Frauen oder freie Meinungsäusserung eintreten. Um die Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden nicht auf sich zu ziehen, arbeiten Rechtsanwältinnen, Journalisten oder Studenten oft im Stillen daran, einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong><span lang="EN-US">ATMO 01</span></strong></p>
<p class="MsoNoSpacing">(klingelndes Mobile)</p>
<p >Wenn man mit Asieh Amini zusammen sitzt, kann es passieren, dass ganz unvermittelt das Handy aufleuchtet und es einmal klingelt. Beantwortet sie den Anruf, dann ist nur ein Rufzeichen zu hören.</p>
<p >Asieh zuckt mit den Schultern. Sie weiß, dass sich die Sicherheitsdienste des Irans für sie interessieren und die Herren dort können ein Telefon aus ihrer Abhörzentrale so aktivieren, dass es als Mikrophon funktioniert, mit dem man Gespräche in einem Raum abhören kann.</p>
<p >Es gehört zum Alltag einer Menschenrechtsaktivistin im Iran, überwacht und abgehört zu werden, und es macht der 35jährigen Angst.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 01</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing">(Original Farsi)</p>
<p >“Auch jetzt, wenn ich mit Ihnen rede, habe ich Angst“, gesteht Asieh ein. Es ist im Iran nicht ohne Risiko, mit einem ausländischen Journalisten über Menschenrechte zu reden.</p>
<p >Sie selbst hat ebenfalls früher als Journalistin gearbeitet und ist so in die Menschenrechtsarbeit hinein gerutscht.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 2</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Es war im Jahr 2003 als ich von einem 16jährigen Mädchen hörte, das erhängt werden sollte. Ich schlug in meiner Zeitung vor, etwas über dieses Mädchen zu veröffentlichen, aber meine Kollegen fanden das Thema zu riskant. Ich bin aber dann dennoch nach Neka, dem Dorf, in dem sie lebte, gefahren. Ich hatte nicht mehr als ihren Namen und habe überall herumgefragt, bis ich schließlich ihre Familie gefunden habe. Sie kam aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Ihr Vater war drogenabhängig. Ihr wurde vorgeworfen, eine Prostituierte zu sein und der Richter behauptete, sie sei 22 Jahre alt sein. Ich hatte aber ihren Personalausweis gefunden und sie war nur 16 Jahre alt.</em></p>
<p >Asieh schrieb über den Fall einen Artikel, aber ihre Zeitung und auch keine andere wollte ihn veröffentlichen. Sie gab aber dennoch nicht auf, sondern suchte für das Mädchen einen Anwalt und versuchte sich, um die Familie zu kümmern. <span lang="EN-US">Die Hinrichtung konnte sie nicht verhindern.</span></p>
<p >Asieh bekam Schwierigkeiten in ihrer Zeitung, wo man Angst hatte, ihre Artikel seien zu kritisch und würden alle in Schwierigkeiten bringen. Da die praktische Menschenrechtsarbeit zudem mehr und mehr ihrer Zeit in Anspruch nahm, kündigte sie schließlich, um sich voll und ganz ihren Fällen widmen zu können.</p>
<p >Eine ihrer wichtigsten Arbeiten war die Aufdeckung einer Steinigung in Mashad, Irans zweitgrößter stadt an der Grenze. Die Regierung hatte offiziell erklärt, Steinigungen würden nicht mehr vollstreckt – heimlich fanden sie aber dennoch statt.</p>
<p ><br clear="all"  /> <strong>O-TON 3</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Als ich nach Mashad fuhr, hatte ich richtig Angst. Ich dachte, ich stecke meine Hand in einen Bienenstock, denn die iranische Regierung hatte international das Versprechen abgegeben, nicht mehr steinigen zu lassen. Ich ging direkt zu dem Richter, der das Urteil gegen ein junges Paar verhängt hatte. Er erklärte mir, dass das Recht in einem solchen Fall, in dem ein unverheiratetes Paar sexuellen Kontakt hat, die Steinigung vorschreibt. Auch das Justizministerium, dass die Aufhebung der Steinigung angekündigt hatte, könne daran nichts ändern, denn es sei nun mal das Gesetz.</em></p>
<p >Asieh erkannte, dass es nicht ausreichte, sich nur in Einzelfällen zu engagieren, sondern dass die Gesetze geändert werden müssen. So wurde sie mehr und mehr zu einer Spezialistin in islamischem Recht, veranstaltete Seminare und Workshops und gründete mit anderen die „Kampagne gegen Steinigung“, die diese barbarische Strafe zu stoppen versucht.</p>
<p >Dieses Engagement blieb für Asieh nicht ohne persönliche Konsequenzen. Das Regime vermutet in jedem, der sich für Menschenrechte einsetzt, einen Agenten des Westens, der den islamischen Staat zu unterwandern versucht, und reagiert mit aller Härte.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 4</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Ich war im Gefängnis, weil man mir die Gefährdung der nationalen Sicherheit vorwarf. Ich bin auf der Strasse mehrfach geschlagen worden. Wenn ich mit meiner neunjährigen Tochter zu Hause sitze, habe ich ständig Angst, verhaftet zu werden. Ich habe Angst, dass ich nicht zurück kommen werde, wenn ich das Haus verlasse. Vor drei Wochen ging ich zu einer Freundin, die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. An der Tür wurde meine Tochter von einem Polizisten in Zivil ergriffen und mir gedroht, sie würde ins Gefängnis gebracht. Meine Wohnung wird ständig überwacht und wir können nicht einmal eine Familienfeier veranstalten.</em></p>
<p >Trotz all der Angst und all der Schikanen – aufhören will Asieh nicht.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 5</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Vielleicht liegt es daran, dass ich eine Arbeit, die ich anfange, auch immer zu Ende führe. Wir Frauen im Iran befinden uns in einem Strudel, der uns immer weiter nach unten zieht. Ich kenne nun die Justiz. Ich weiß, was mir blühen kann. Wenn man mich einsperrt, dann werde ich eben gemeinsam mit den anderen untergehen.</em></p>
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Leyla kehrt zurück</title>
		<link>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/10/25/leyla-kehrt-zuruck/</link>
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		<pubDate>Sat, 25 Oct 2008 08:32:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mebb</dc:creator>
		
	<category>Iran</category>
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		<description><![CDATA[Viele junge Iraner träumen davon, das Land verlassen zu können. Sie suchen nach einer besseren wirtschaftlichen Perspektive und nach einem Leben jenseits von Druck und Vorschriften.
Es gibt aber auch junge Iraner, die im Ausland leben und sich entscheiden, in ihre Heimat zurück zu kehren. Leyla ist eine von ihnen.

ATMO 01
[Teheran Strasse]
Die Bekleidungsvorschriften lassen in Teheran [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>ATMO 01</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing">[Teheran Strasse]</p>
<p>Die Bekleidungsvorschriften lassen in Teheran alle Frauen ähnlich aussehen. Leyla Mostafavis Mantel ist ein wenig kürzer als vorgeschrieben und der Schal bedeckt nicht alle Haare so wie es eigentlich sein müsste, aber sollte sie auf der Strasse von einem Sittenwächter kontrolliert werden, wird sie mit dieser Bekleidung wohl davon kommen.</p>
<p>Bis zum 12. Lebensjahr ist Leyla in Teheran aufgewachsen. Danach ist sie mit ihren Eltern nach Kanada gezogen, hat in London studiert und  ist nun mit 24 nach Teheran zurück gekommen. - Nach Teheran??</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 01</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Obwohl ich mich in Toronto und London wohl gefühlt habe, hatte ich nie das Gefühl, dass ich dort wirklich zu Hause war. Sobald ich angekommen war, wusste ich, hier gehöre ich her, dies ist meine Heimat. Hier bin ich geboren und hier ist meine Familie. </em></p>
<p  class="MsoNoSpacing">Leyla ist nicht zurück gekommen, um Karriere zu machen, das elterliche Erbe zu übernehmen oder Ahmadinejad zu stürzen. Sie will einfach nur ausprobieren, ob sie in ihrer &#8220;Heimat&#8221; Iran leben kann. Das machen viele Exil-Iraner. In jedem Flugzeug nach Teheran Ärzte, Geschäftsleute und Ingenieure, die mal schauen wollen, ob es nicht doch einen Weg zurück gibt. Sie alle kennen den Iran gut genug um zu wissen, dass sie Abstriche und Einschränkungen hinnehmen müssen. Aber sie sind – in Grenzen – dazu bereit. Heimat kann man sich halt nicht aussuchen.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>ATMO 02</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing">[Auto]</p>
<p>Es gibt Städte, in denen es sich einfacher leben lässt als ausgerechnet in der Hauptstadt des Iran. Städte mit Geschichte, Städte mit Charakter oder auch Städte mit weniger Verkehr.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 02</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Ich bin mit dem Auto unterwegs und ich bin wirklich schockiert, denn die Strasse ist heute nicht so verstopft wie sonst. Das ist absolut ungewöhnlich. Normalerweise benötigt man 2 Stunden, um eine Strecke von 10 Kilometern zurück zu legen. Das war nicht der Fall, als ich aus dem Iran fortging. Der Verkehr hier macht einen völlig wahnsinnig.</em></p>
<p>Der erstickende Verkehr ist das Ergebnis eines explosionsartigen Wachstums. Im Jahr 1960 hatte Teheran 1 Millionen Einwohner. Heute sind es irgendwo um 12 Millionen oder auch mehr.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>ATMO 03</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing">[Baustelle]</p>
<p>Und die Stadt wächst und wächst. Überall wird gebaut. In der kleinen Strasse, in der sich Leylas Elternhaus befindet, in dem sie jetzt wieder wohnt, sind die Bäume abgeholzt worden und drei neue Wohnblocks wachsen Stein um Stein empor.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 03</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Das ist nicht die einzige Strasse. Fast auf jeder Strasse in Teheran gibt es drei Baustellen. Vor 12 Jahren, als ich hier lebte, war es noch ganz anders. Normalerweise hatten die Leute Häuser mit großen Gärten – zumindest im Norden der Stadt. Allenfalls im Süden gab es ein paar Hochhäuser. Aber das ändert sich nun rasch. Teheraner haben angefangen, ihre Stadt „New York“ zu nennen. Baustellen gibt es inzwischen überall.</em></p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>ATMO 04</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing">[Park]</p>
<p>Selbst die kleinen Parks, die es über das Stadtgebiet verstreut immer noch gibt, bieten keine Zuflucht mehr. Leyla hat früher gern auf dem kleinen Flecken Grün zwei Blocks von der elterlichen Wohnung entfernt gespielt, dort ihre erste Zigarette geraucht. Leyla sitzt auf einer neu gestrichenen Parkbank, amüsiert sich über das Treiben um sie herum und fühlt sich gleichzeitig erschöpft.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 04</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Die Moral-Polizei kontrolliert fast überall - besonders wo sich junge Leute gern aufhalten. Sie ermahnen einen ständig, Haare gucken hervor und man solle das Kopftuch zurechtrücken. Sie schaffen eine sehr angespannte Atmosphäre und man muss ständig sehr vorsichtig sein.</em></p>
<p>Manchmal beschleichen Leyla Zweifel, ob sie mit ihrer Rückkehr die richtige Wahl getroffen hat.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 05</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Weil es wirklich frustrierend ist. Der Verkehr,  die Moral-Polizei. Die haben eine Art, einem wirklich Schuldgefühle zu verursachen, wenn die Kleidung nicht vorschriftsgemäss ist oder Haare hervorgucken. </em></p>
<p>Ein Jahr lang will Leyla Teheran eine Chance geben. Dann will sie entscheiden, ob sie wirklich den Rest ihres Leben in dieser Stadt verbringen will.</p>
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Iran - Inflation</title>
		<link>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/10/23/iran-inflation/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 12:07:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mebb</dc:creator>
		
	<category>Iran</category>
		<guid isPermaLink="false">http://mebb.de/Hoerfunk/2008/10/20/iran-inflation/</guid>
		<description><![CDATA[Gesprächsthema der letzten Monaten im Iran ist weniger der Streit um das Atomprogramm oder die empörenden Äusserungen von Präsident Ahmadinejad zu Israel und zum Holocaust, sondern der tägliche Einkauf. Seit fast zwei Jahren scheinen die Preise für Obst, Gemüse und Fleisch im Minutentakt zu steigen. Im September betrug die Inflationsrate für Lebensmittel 50 Prozent. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</p>
<p>Glaubt man Ali Razeni, dann sind seine Kunden selber Schuld.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 01</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Einige der Kunden fragen nicht einmal nach dem Preis. Viele von ihnen rufen einfach an und bestellen etwas ohne zu fragen, wie teuer es ist. Und sie vergleichen nicht. Hier in dem Laden nebenan kosten die Pfirsiche beispielsweise 300 Toman mehr pro Kilo.</em></p>
<p>Aber dann kratzt sich Razeni am Kopf, denkt einen Moment nach und gesteht dann ein:</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong><span lang="EN-US">O-TON 02</span></strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Nun ja, die Kunden haben ja keine andere Wahl. Beispielsweise bin ich heute zum Zentralmarkt gefahren. Erst gab es keine Bananen und die Lieferung, die dann kam, war teuerer als die Bananen zuvor. Was blieb mir übrig? Ich habe  sie trotzdem gekauft und meine Kunden müssen natürlich höhere Preise zahlen.</em></p>
<p>Razeni, Besitzer eines kleinen Nachbarschaftsladen, in dem man das Gemüse und das Obst der Saison kaufen kann, ist leicht gereizt, wenn es um seine Preise geht. Zu oft muss er sich Klagen anhören und nicht selten, wird ihm die Schuld dafür gegeben, dass alles teurer wird.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong><span lang="EN-US">O-TON 03</span></strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Wer soll das noch bezahlen? – </em>klagt diese Hausfrau.<em> Jedes Mal, wenn ich einkaufen gehe, ist irgendetwas schon wieder teuerer geworden. Ich kaufe schon die teuren Dinge nicht mehr, aber ich kann ja auch nicht hungern.</em></p>
<p>Nach amtlichen Angaben beträgt die Inflationsrate im Iran derzeit 27,6 Prozent. Allein die Lebensmittelpreise sind im September im Vergleich zum selben Monat im Vorjahr um 50 Prozent gestiegen.</p>
<p>Das trifft vor allem Bezieher von festen Einkommen, Beamte, Lehrer, Rentner, aber auch die Einzelhändler spüren es in der Kasse. Reza Nouripour verkauft in seinem kleinen Laden auf der selben Strasse wie Gemüsehändler Razeni Getränke und Wurstwaren.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong><span lang="EN-US">O-TON 04</span></strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em><span lang="EN-US">Der Umsatz ist nur noch sehr gering. </span>Normalerweise verkaufe ich während Ramadan an einem Tag für 70 oder 80.000 Toman. Dieses Jahr waren es im Durchschnitt nur 10 bis 15.000 Toman am Tag. Davon kann ich nicht einmal die Miete bezahlen.</em></p>
<p>Und es sind nicht allein die Lebensmittel.</p>
<p>Ali Boroujerdi besitzt ein Immobiliengeschäft.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong><span lang="EN-US">O-TON 05</span></strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em><span lang="EN-US">Schauen Sie selbst. </span>Das Büro steht leer. Niemand hat mehr Geld. Ich muss aber meine Miete und meine Versicherung zahlen. Wenn das so weiter geht, muss ich zumachen.</em></p>
<p>Die Mieten sowie der Quadratmeterpreis für Neubauten haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt.</p>
<p>Wer hat also Schuld?</p>
<p>Immobilienhändler Boroujerdi:</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 06</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Es gibt auf dem Basar Leute, die sehr viel Geld verdienen, und Immobilien sind in unserem Land die beste Möglichkeit, sein Geld zu investieren. Das treibt die Preise in die Höhe.</em></p>
<p>Wursthändler Nouripour sieht die Schuld eher bei der Regierung.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong><span lang="EN-US">O-TON 07</span></strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Nach meiner Meinung schießen die Preise in die Höhe, weil in diesem Land nichts richtig funktioniert. Die falschen Leute sitzen in der Regierung. Sie haben keine Kontrolle über die Dinge. </em></p>
<p>Ein Kunde, der vorbei gekommen ist, um ein wenig Aufschnitt zu kaufen, sieht es so ähnlich:</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 08</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Im Wahlkampf hat uns der Präsident versprochen, er wolle dafür sorgen, dass wir auch vom Ölreichtum des Landes profitieren. Der Iran wird zwar eine Atommacht, aber wir können uns fast das tägliche Essen nicht mehr leisten.</em></p>
<p>Ökonomen geben ebenfalls Präsident Ahmadinejad ein gehöriges Maß an Mitschuld an der Preisentwicklung. Zu großzügig und ohne jeden Verstand habe er sich aus den Öleinnahmen bedient, um sich damit die Gunst seiner Wähler zu erkaufen, statt das Geld in langfristige Entwicklungsprojekte zu investieren. Dadurch sei zu viel Geld im Umlauf.</p>
<p>Ahmadinedschad hat lange bestritten, dass überhaupt die Preise steigen. Dann hat er dem Ausland die Schuld gegeben. Schließlich hat er den Chef der Zentralbank gefeuert. Die Preise steigen weiter.</p>
<p>Ramin Ganji, eine kleine Plastiktüte mit Gurken und Tomaten an der Hand, hat bei den Wahlen für Ahmadinedschad gestimmt. Ein Fehler, sagt er heute.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 09</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Der Mann versteht nicht das Geringste von Wirtschaft. Er spuckt große Töne, legt sich ständig mit dem Ausland an, aber im Inneren ruiniert er das Land. Bei den kommenden Wahlen werde ich es ihm heimzahlen.</em></p>
<p>Ganji steht mit dieser Meinung sicher nicht allein.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Hinrichtungen von jugendlichen Straftätern</title>
		<link>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/10/20/hinrichtungen-von-jugendlichen-straftatern/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Oct 2008 06:39:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mebb</dc:creator>
		
	<category>Iran</category>
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		<description><![CDATA[In der letzten Woche hat der stellvertretende Generalstaatsanwalt des Irans angekündigt, es sei eine Verordnung erlassen worden, nach der minderjährige Straftäter in Zukunft nicht mehr hingerichtet würden.
Praktiker wie die Anwältin Nasrin Sotoudeh, die Jugendliche vertritt, die zum Tode verurteilt wurden, sind nicht überzeugt.
Der letzte Fall bislang war Behnam Zare. Er wurde am 26. August 2008 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</p>
<p>Der letzte Fall bislang war Behnam Zare. Er wurde am 26. August 2008 in der Stadt im Süden des Irans hingerichtet. Im Alter von 15 Jahren war er mit seinem Freund Mehrdad über eine Taube in einen Streit geraten, an dessen Ende Mehrdad tot war. Behnam beteuerte, er habe seinen Freund nicht umbringen wollen. Dennoch verurteilte das Gericht den 15jährigen zu Tode.</p>
<p>Mehr als 130 Verurteilte, die zum Zeitpunkt der Tat noch minderjährig waren, sitzen im Iran derzeit in einer Todeszelle. Acht dieser Urteile wurden in diesem Jahr vollstreckt. All dies obwohl der Iran die UN Konvention zum Schutze des Kindes unterzeichnet hat, die die Todesstrafe für Minderjährige ausdrücklich verbietet.</p>
<p>Die Regierung in Teheran hat nun angekündigt, der Praxis solle nun ein Ende gesetzt werden. Der stellvertretende Generalstaatsanwalt Hossein Zebhi gab bekannt, es sei eine Weisung an die Richter des Landes ergangen, alle Todesurteile beiMinderjährigen in lebenslange Freiheitsstrafe umzuwandeln. Unter bestimmten Bedingungen soll auch eine Begnadigung nach 15 Jahren möglich sein.</p>
<p>Amnesty International und andere internationale Menschenrechtsorganisationen begrüßten die Entscheidung als einen ersten Schritt in die richtige Richtung.</p>
<p>Aktivisten innerhalb des Irans, die seit Jahren die Hinrichtungen von minderjährigen Straftätern zu stoppen versuchen, sind aber skeptisch. Nasrin Solouteh ist Rechtsanwältin. Sie vertritt derzeit vier Mandanten, die wegen Straftaten als Minderjährige zum Tode verurteilt wurden.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 1</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Wir haben in den letzten Jahren immer wieder erlebt, dass der Chef der Justiz solch eine Anordnung erteilt hat, aber dennoch wurden die Hinrichtungen durchgeführt. Das ist ein Wiederspruch zwischen dem, was die Justiz sagt und was sie wirklich tut.</em></p>
<p>Nach iranischem Recht müssen Hinrichtungen in der letzten Instanz von der Justiz bewilligt werden. Wie die sechs Fälle allein in diesem Jahr belegen, hat die Justiz aber die Vollstreckung der Todesurteile nicht gestoppt.</p>
<p>Nasrin Sotoudeh sieht noch einen zweiten Grund, an der Ernsthaftigkeit der Justiz zu zweifeln.</p>
<p>In diesem Jahr wurde eine Neufassung des iranischen Strafgesetzbuches im Parlament beraten. Wenn die Justiz den Schutz minderjähriger Straftäter tatsächlich ernst meine, dann sei dies die Gelegenheit gewesen, dies auch wahr zu machen.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 2</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Die Justiz hätte die Strafmündigkeit, die bei Mädchen derzeit 9 und bei Jungen 15 Jahre ist, auf 18 Jahre anheben können. Das ist aber nicht geschehen und das Gesetz nähert sich seiner Verabschiedung.</em></p>
<p>Sie habe in ihrer eigenen Praxis erlebt, wie doppelbödig die Justiz in solchen Fällen handele.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 03</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Ich habe Sina Paymard und Soghra Najafpor vertreten, die beide hingerichtet werden sollten. In beiden Fällen hat der Chef der Justiz es abgelehnt, mit mir zusammen zu arbeiten und etwas gegen die Todesurteile zu unternehmen. Begründet wurde das damit, die Urteile ständen im Einklang mit den existierenden Gesetzen.</em></p>
<p>Zudem habe eine solche Anordnung wenig Wert, weil ein Richter,der sich darüber hinweg setze, deswegen nicht zur Verantwortung gezogen werde.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 04</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Was wird passieren? Wird ein Richter verhaftet und vor Gericht gestellt? Mit Sicherheit nicht!</em></p>
<p>Allein – so Sotoudeh – eine Gesetzesänderung könne wirklich garantieren, dass jugendliche Straftäter in Zukunft nicht mehr hingerichtet würden.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Streik der Basaris</title>
		<link>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/10/16/streik-der-basaris/</link>
		<comments>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/10/16/streik-der-basaris/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 16 Oct 2008 06:31:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mebb</dc:creator>
		
	<category>Iran</category>
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		<description><![CDATA[Es begann in Esfahan. Über mehrere Tage ließen die Händler des Basars ihre Geschäfte geschlossen, um gegen die Einführung einer neuen Mehrwertsteuer zu protestieren. Der Streik griff auf Shiraz und schließlich auch auf Teheran über.
Unmut mit dem herrschenden (wirtschaftspolitischen) Kurs ist im Iran weit verbreitet, aber die Basaris gelten traditionell als Stützen des Regimes. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>ATMO</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing">[Basar]</p>
<p>Der große Bazar im Herzen Teherans hat wieder geöffnet. Es herrscht nicht viel Betrieb. Die Kunden kaufen nicht, klagen die Verkäufer; alles sei so teuer geworden, klagen die Kunden.</p>
<p>Am vergangenen Montag war der größte Teil des Basars geschlossen. Die Händler folgten den Protesten, die in Esfahan und Schiraz begonnen hatten.</p>
<p>Es geht um eine Mehrwertsteuer von 3 Prozent, die das Parlament bereits im Januar beschlossen hatte und nun erstmals eingeführt werden sollte.</p>
<p>Die Händler sind alles andere als glücklich darüber.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong><span lang="EN-US">O-TON 01</span></strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Die Kunden müssten noch mehr bezahlen – </em>empört sich dieser Haushaltswarenhändler<em>. Wir haben 3 Prozent Zoll, 3 Prozent für den Zwischenhändler, drei Prozent Steuern und so weiter zu bezahlen. Am Ende sind wir bei 30 Prozent.</em></p>
<p>Die Inflation, die seit Amtsbeginn von Präsident Ahmadinejad auf 30 Prozent geklettert ist, macht auch dem Einzelhandel zu schaffen, weil dieKunden ausbleiben. Unmut über den allgemeinen Kurs der Regierung kommt hinzu.</p>
<p>Sina besitzt ein Juweliergeschäft im Bazar.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 02</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Einige Leute haben die Gelegenheit genutzt, um ihre Unzufriedenheit mit all den Problemen zu zeigen. Ständig wird man gemassregelt, junge Mädchen werden auf derStrasse wegen ihrer Kleidung verhaftet, dann führen sie auch noch neue Steuern ein. Einge haben sogar angefangen, Dinge zu zerstören. Die Polizei hat nicht mal versucht, ihnen Einhalt zu bieten.</em></p>
<p>Wenn es im Bazar rumort, schreckt die Regierung auf. Die Händler besitzen politisch großen Einfluss und es wird ihnen nachgesagt, ohne ihre Unterstützung hätte die Revolution gegen den Schah vor 29 Jahren keine Chance gehabt.</p>
<p>Sie gelten als politisch konservativ und zählen eigentlich zum Establishment der Islamischen Republik. Aber beim Geld hören die politischen Freundschaften auf.</p>
<p>Erschrocken gab der Finanzminister bekannt, die Einführung der Mehrwertsteuer erst einmal für 2 Monate auszusetzen, um in der Zischenzeit alles friedlich zu regeln.</p>
<p>Es geht aber auch um etwas Grundsätzliches. Khashayar ist ein Jeans-Großhändler:</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 03</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Vielleicht sollte ich das nicht sagen, aber wenn ich eine zusätzliche Steuer bezahle, dann sollte ich dafür auch eine zusätzliche Leistung erhalten. Die Regierung tut aber nichts für mich. Warum soll ich dann mehr Steuern bezahlen?</em></p>
<p>Wer Steuern bezahlt, kann auch eine Gegenleistung. Dies ist imIran alles andere als selbstverständlich.</p>
<p>Bislang haben die reichhaltigen Einnahmen aus dem Erdöl den größten Teil der Staatshaushaltes gedeckt. Die Regierung war auf steuerzahlende Bürger nicht angewiesen. Das ändert sich jetzt, weil sich die Staatsausgaben ins Gigantische aufgebläht haben. Viel Geld wurde verschwendet. Eine Neuordnung der Finanzen wird dringlich.</p>
<p>Mit der Aussetzung der neuen Steuer hat die Ahmadinejad-Regierung die Situation erst einmal entspannt. Sina, der Juwelier, glaubt, die Regierung werde halt einen anderen Weg finden, die Händler zu schröpfen.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 4</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Selbst wenn sie den Plan mit den 3 Prozent fallen lassen, wird die Regierung das Geld irgendwie von uns bekommen.</em></p>
<p>Der Konflikt scheint vom Tisch, aber der Unmut ist geblieben.</p>
<p>Im Juni wird Ahmadinejad sich wieder einer Wahl stellen müssen. Es steht nicht gut für ihn.</p>
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Großstadt Teheran</title>
		<link>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/10/06/grosstadt-teheran/</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Oct 2008 08:12:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mebb</dc:creator>
		
	<category>Iran</category>
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		<description><![CDATA[Wer in der Erwartung nach Teheran, fährt, den Orient kennen lernen zu können, wird enttäuscht werden. Die Hauptstadt des Irans ist ein lauter Moloch, stinkender Moloch, von dem nicht einmal die Einheimischen sagen, dass er einen Anflug von Charme besitzt. Durch die Zuwanderung vom Land in die Stadt ist die Bevölkerungszahl in wenigen Jahrzehnten explodiert. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</p>
<p><strong><span lang="EN-US">ATMO 01</span></strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em><span lang="EN-US">[Teheran Verkehr]</span></em></p>
<p>In einem populären Reiseführer heißt es über Irans Hauptstadt Teheran: “Traurigerweise existiert nicht der geringste Hauch des Orients mehr. Am besten man versucht, die Stadt so schnell wieder zu verlassen, wie man gekommen ist.“</p>
<p>Kaum ein Einheimischer würde diesem harschen Urteil wiedersprechen. Maryam Javadi wurde vor 61 Jahren in der Stadt geboren und hat nie woanders gelebt.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 01</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Wenn ich mir das heutige Teheran anschaue, werde ich ganz traurig. Die Stadt ist ein überfüllter, lärmender Moloch geworden. Ich habe nicht nur Mitleid mit den Bäumen, die alle wegen der Luftverschmutzung eingehen, sondern auch mit den Menschen. Niedergedrückt und müde schleppen sie sich lustlos durch die Strassen. </em></p>
<p>Schuld, sagt die Bibliothekarin, sei die Bevölkerungsexplosion. Im Jahr 1930 zählte Teheran 300.000 Einwohner, 1960 waren es 2 Millionen, heute sind es je nach Zählweise zwischen acht und 13 Millionen. Die Armut auf dem Land hat viele Menschen in die Stadt getrieben.</p>
<p>Wer heute beispielsweise auf dem <em>Medun-e Enghelob</em>, dem grauen und gesichtslosen Platz der Revolution im Zentrum steht, muss gleich doppelt um sein Leben fürchten. Zum einen droht ihm Gefahr von den Autos und den vielen kleinen Motorrädern, die sich verbissen und gegen alle Verkehrsregeln Millimeter um Millimeter voranzukämpfen versuchen. Glücklich ist, wer als Fußgänger die Straßenseite nicht zu wechseln braucht.</p>
<p>Zum zweiten droht der Tod durch Luftverschmutzung. Nach Angaben des städtischen Beauftragten für den Kampf gegen die Luftverschmutzung raffen die Abgase jedes Jahr 9.900 Menschen hin – die 4.600, die jährlich aufgrund all des Drecks einen tödlichen Herzinfarkt erleiden, nicht mitgezählt.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 02</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Es gibt Tage, da kann ich nicht atmen und ich kann meine Kinder nicht aus dem Haus lassen – </em>klagt diese Hausfrau.<em> Für alte Leute ist es völlig unerträglich.</em></p>
<p>Neben die eintönige, wild wuchernde Architektur gesellt sich zudem ein ebenso tristes öffentliches Leben. Es existieren zwar ein Theater, ein Konzertsaal sowie mehrere Kulturhäuser und Kinos, aber kaum jemand hat wirklich Lust, abends auszugehen. Freunde trifft man ungestört von den islamischen Anstandsregeln lieber zu Hause. Die abendlichen Strassen sind verödet und ein Nachtleben sucht man vergeblich.</p>
<p>Vor allem für junge Leute wie Tara hat Teheran wenig zu bieten.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 03</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Wir haben so viel Energie für Singen und Tanzen und andere Dinge, aber es gibt keinen Ort, wo wir hingehen können. Nur Reiche haben ein Auto und können es sich leisten, jeden Abend zu irgendeinem Restaurant zu fahren.</em></p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>ATMO</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>[Berge]</em></p>
<p>Wer die Möglichkeit hat versucht wenigstens zum Wochenende der Stadt zu entkommen. Tausende fahren Donnerstags und Freitags in die Berge, die im Norden Teherans steil empor steigen. Um einmal richtig durchzuatmen nehmen sie abermals Verkehrsstaus in Kauf und treffen statt auf ein ruhiges Stück Natur auf den selben Trubel, dem sie zu entfliehen versuchten.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 04</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>An den Wochenenden sind hier mehr Menschen als im Zentrum von Teheran – </em>klagt dieser Student.<em> Schauen sie sich den Müll an, der überall herum liegt. Wenn man wirklich ein wenig Ruhe haben will, muss man schon die vier Stunden bis ganz oben in die Berge hinauf klettern. Da fragt man sich schon, warum man überhaupt hierher gekommen ist.</em></p>
<p>Die Stadtverwaltung bemüht sich, den Moloch Teheran zu bändigen. Immerhin wird noch täglich der Müll abgeholt, an einer Ausweitung des U-Bahnnetzes wird gearbeitet, mit neuen Regeln soll der Verkehr gebändigt und die Abgase verringert werden. Und nachts um vier, wenn die Stadt ein wenig zur Ruhe gekommen ist, kann man den Straßenfeger hören, der bei funzeliger Beleuchtung seiner Arbeit nachgeht.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>ATMO</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>[Strassenkehrer]</em></p>
<p>Aber die Dinge sollen besser werden.</p>
<p>Während Präsident Ahmadinejad in seiner Amtszeit als Bürgermeister der Stadt nicht viel mehr als ein paar Wendepunkte auf den Stadtautobahnen hinterlassen hat, ist von seinem Nachfolger Mohammad-Baqer Qalibaf, der ebenfalls Ambitionen auf das Präsidentenamt hat, zumindest zu spüren, dass die Stadtverwaltung sich um eine Veränderung bemüht. Erstmals wurde ein Bebauungsplan erstellt. Öffentliche Bauvorhaben werden halbwegs termingerecht fertiggestellt und die neuen U-Bahn-Linien sollen tatsächlich Mitte nächsten Jahres in Betrieb genommen werden. Die Parks sind gepflegt, neue Bushaltestellen wurden in der gesamten Stadt aufgestellt und städtische Sammeltaxis sollen das Verkehrsaufkommen reduzieren.</p>
<p>Massoumeh Ebtekar ist eine der wenigen Reformer im 15köpfigen Stadtrat. Berühmt wurde sie als Sprecherin der Besetzer der amerikanischen Botschaft 1980, wo sie in perfektem Englisch der internationalen Presse Interviews gab. Im Kabinett von Reformpräsident Khatami war sie die erste Vize-Präsidentin des Landes und für den Umweltschutz zuständig. Nun arbeitet sie daran, aus Teheran eine Stadt zu machen, in der es sich leben lässt.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 05</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Das größte Problem, das wir in Teheran haben, ist das Fehlen jeglicher städtischen Planung in der Vergangenheit. Teheran ist ohne einen entsprechenden Plan und ohne jegliches Management gewachsen. Das hat zu einem Ungleichgewicht zwischen den Anforderungen und dem, was an Ressourcen zur verfügt steht geführt. Nehmen sie als Beispiel nur das Wasser. Teheran verfügt gemessen an der Bevölkerungszahl nur über sehr wenig Wasser. Deshalb erleben wir ständig Wasserknappheit. Ein anderes Beispiel ist die Luftverschmutzung. Wir haben aber jetzt den ersten umfassenden Entwicklungsplan für die Stadt verabschiedet und wir werden in wenigen Monaten damit beginnen, ihn umzusetzen. </em></p>
<p>Vielleicht liegt es an ihrem politischen Amt, dass Ebtekar eine der wenigen Teherani ist, die die Stadt tatsächlich auch für schön halten.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 06</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Ich denke, Teheran ist eine der schönsten Städte der Welt. Die majestätischen Alborz Berge im Hintergrund – im Winter die Spitzen mit Schnee bedeckt und im Sommer das Leuchten des Grüns. Dies ist auf jeden Fall eine wunderschöne Stadt.</em></p>
<p>Sie wäre natürlich noch ein wenig schöner, wenn man bei all dem Smog die Berge vom Stadtzentrum auch tatsächlich sehen könnte.<span lang="EN-US" /></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Ahmadinejad erstickt den iranischen Film</title>
		<link>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/08/22/ahmadinejad-erstickt-den-iranischen-film/</link>
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		<pubDate>Fri, 22 Aug 2008 14:08:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mebb</dc:creator>
		
	<category>Iran</category>
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		<description><![CDATA[
Bislang galt der iranische Film als Stolz des Landes. Auch wenn viele der Produktionen in den einheimischen Kinos nicht gezeigt wurden, wurden doch stolz die Preise auf internationalen Festivals gemeldet. Das hat sich mit der Amtszeit von Präsident Ahmadinejad geändert. Bekannte Regisseure wie Jafar Panahi erhalten keine Drehgenehmigung mehr.
Jafar Panahi war schon immer erfindungsreich, wenn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[</p>
<p>Jafar Panahi war schon immer erfindungsreich, wenn es darum ging, die iranische Zensur zu unterlaufen.</p>
<p>Bei seinem letzten Film <em>Offside</em> hatte er einfach das Drehbuch unter dem Namen eines Freundes eingereicht, um eine Genehmigung zu erhalten. Das Thema des neuen Filmes, den er in diesem Jahr drehen wollte, war so gewählt, dass die Zensoren eigentlich keinen Anstoß nehmen konnten.</p>
<p class="MsoNoSpacing" ><strong>O-TON 1</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing" ><em>Vor anderthalb Jahren las ich ein Buch mit Kurzgeschichten über den Krieg zwischen dem Iran und dem Irak. Eine davon hatte es mir angetan. Sie erzählte vom letzten Tag des Krieges. Die Soldaten wollen von der Front nach Hause zurück, aber der Zug will sie nicht mitnehmen, weil er bereits überfüllt ist. Sie legen sich zum Schlafen auf die Schienen, weshalb der nächste Zug dann anhalten muss. Ich dachte, dies ist ein guter Stoff, den man erweitern könnte. Wir haben dann ein Drehbruch geschrieben, in dem die Fahrt in diesem Zug etwas über den Krieg erzählt. </em><span /></p>
<p>Der vom Irak aufgezwungene Krieg in den Jahren von 1980 bis 1988 ist bis heute für die offizielle Propaganda ein wichtiges Thema. Es wird dazu benutzt, an die Freiwilligen zu erinnern, die für die Verteidigung des Irans und die islamische Revolution ihr Leben gegeben haben, an die Opferbereitschaft zu appellieren und den Nationalstolz zu fördern.</p>
<p>Panahi reichte das Drehbuch bei den einschlägigen Behörden ein, erhielt aber keine Antwort. Die Zeit drängte aber.</p>
<p class="MsoNoSpacing" ><strong>O-TON 2</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing" ><em>Der Krieg war im Sommer zu End und deshalb mussten wir auch im Sommer drehen. Wir brauchten mindestens zwei bis drei Monate um uns vorzubereiten, und als ich merkte, dass es zu spät wurde, habe ich einen offenen Brief geschrieben, in dem es hieß: „Diejenigen, die vom Krieg Besitz ergriffen, aber manchmal nie selbst am Krieg teilgenommen haben, haben den Film verhindert.“</em><span /></p>
<p>Der Protest half natürlich nichts. Das Projekt ist gestorben.</p>
<p>Panahi ist aus der Sicht des Regimes schlicht der falsche Mann für diesen Film.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 3</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><em>Sie wissen, was für Filme ich mache. Ich mache soziale Filme und keine Propaganda, wie sie es wollen.</em></p>
<p>Bevor Ahmadinejad Präsident wurde, hatten die Filmemacher im Iran es bereits nicht einfach, aber immerhin konnten sie mit einigen Schwierigkeiten noch ihre Filme drehen, die dann im Ausland Preise gewannen, aber in den iranischen Kinos nicht zu sehen waren.</p>
<p class="MsoNoSpacing" ><strong>O-TON 4</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing" ><em>Es dauerte neun Monate, bis ich die Drehgenehmigung für den „Kreis“ bekam. </em><em><span lang="EN-US">Das war zu Anfang der Amtszeit von Reformpräsident Khatami. Damals wurde öffentlich in den Zeitungen gefragt, warum man mir keine Genehmigung geben wolle, und die Regierung gab schließlich nach. Der Film wurde aber nie im Kino gezeigt. Für „Crimson Gold“ hatte ich auch eine Genehmigung, für „Offside“ nicht, konnte ihn aber dennoch drehen. </span></em><em>Beide Filme sind im Iran nicht in die Kinos gekommen.</em></p>
<p>Mit Ahmadinejad haben sich die Bedingungen radikal verschärft. Das Kulturministerium verlangt schon den ersten Entwurf eines Drehbuches vorgelegt zu bekommen, und offensichtlich gibt es Regisseure, die prinzipiell keine Genehmigung mehr erhalten.</p>
<p class="MsoNoSpacing" ><strong>O-TON 5</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing" ><em>Das Wichtigste ist, wer den Film drehen will. Ich weiß, dass ich bei dieser Regierung, die alles einschränkt und dies auch öffentlich sagt, Schwierigkeiten bekommen werde, wenn ich nur einen Film über dieses Glas Saft auf dem Tisch drehen will.</em></p>
<p>Es trifft nicht nur Jafar Panahi, sondern auch Regisseure wie Abbas Kirostami, Amir Naderi, Mohsen Makhmalbaf oder Bahman Ghobadi – alles Namen, die den internationalen Rang des iranischen Films verkörpern.</p>
<p>Die goldenen Zeiten des iranischen Films drohen von der Zensur der Regierung Ahmadinejad erstickt zu werden.</p>
<p class="MsoNoSpacing" ><strong>O-TON 6</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing" ><em>Überall auf der Welt folgen einer golden Periode auch flaue Zeiten. Das hängt von der Situation des Landes ab. Man muss aber optimistisch bleiben. Ich sehe immer noch ein großes Potential unter all den Filmleuten, die hier im Iran arbeiten. Sie lieben das Kino und das ist die Form, in der sie sich ausdrücken. Deshalb glaube ich, dass es noch Hoffnung gibt, dass neue Wege gefunden werden.</em></p>
<p>Auf keinen Fall will Panahi das Land verlassen, wie es ihm die Staatssicherheit schon einmal nahegelegt hatte.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 7</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing" ><em>Es ist besser für das Regime, wenn wir nicht mehr hier sind. Als ich vor ein paar Jahren zur Staatssicherheit gebracht haben, haben sie zu mir gesagt, verlass das Land. Bleib nicht hier! </em></p>
<p>Panahi denkt über neue Wege und Möglichkeiten nach.</p>
<p>Sein Sohn Pana Panahi hat in diesen Tagen seinen ersten eigenen Film fertiggestellt. Er handelt von einer Polizeiaktion gegen die im Iran verbotenen Satellitenschüsseln. Alle Aufnahmen für diesen Film sind ganz ohne Genehmigung in der eigenen Wohnung gedreht worden.</p>
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Frieden und Menschenrechte</title>
		<link>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/07/04/frieden-und-menschenrechte/</link>
		<comments>http://mebb.de/Hoerfunk/2008/07/04/frieden-und-menschenrechte/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 04 Jul 2008 16:16:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mebb</dc:creator>
		
	<category>Iran</category>
		<guid isPermaLink="false">http://mebb.de/Hoerfunk/2008/07/04/frieden-und-menschenrechte/</guid>
		<description><![CDATA[Die Spekulationen über einen möglichen Krieg gegen den Iran wegen seines Nuklearprogramms werden wieder lauter. Die Regierung in Teheran zeigt bislang keine Anzeichen, sich auf die zentrale Forderung des UN Sicherheitsrates - Aussetzung der Urananreicherung - einzulassen.
In dieser Situation meldet sich eine Gruppe von iranischen Prominenten, Menschenrechts- und Frauenaktivisten zu Wort und gründen eine Friedensinitiative.
[ATMO [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>[ATMO Versammlungsraum]</p>
<p>Mehrere Jahrzehnte Gefängnis sind in diesem Raum im Zentrum von Teheran zusammen gekommen. Abbas Amir Entezam hat 17 Jahre hinter Gittern verbracht, weil er 1980 als stellvertretender Außenminister Kontakt zur US Regierung gehabt haben soll.  Hashem Arajari wurde erst zum Tode verurteilt, dann nach drei Jahren freigelassen, weil er den Klerus im Iran kritisiert hatte. Parvin Ardalan wird immer wieder festgenommen, weil sie sich für gleiche Rechte für die Frauen im Iran einsetzt.</p>
<p>Gemeinsam will diese Gruppe von iranischen Menschenrechtsaktivisten, Bürger- und Frauenrechtlerinnen einen „Nationalen Rat für Frieden“ ins Leben rufen. Aufgerufen dazu hatte Shirin Ebadi.</p>
<p>[ATMO Ebadi]</p>
<p>Frieden sei mehr als die Abwesenheit von Krieg, so die iranische Friedensnobelpreisträgerin. Es sei ein Zustand, in dem Menschen frei leben und an der Verbesserung ihrer Gesellschaft arbeiten können. Dazu gehöre vor allem die Achtung der Menschenrechte, der Rechte der Frauen sowie die Rechte von Minderheiten wie der Kurden oder der Belutschen im Süden des Landes.</p>
<p>In den letzten Wochen sind die öffentlichen Spekulationen, ein amerikanischer oder auch ein israelischer Angriff gegen den Iran rücke näher, wieder lauter geworden. Die Europäische Union, Russland, China und die USA haben Teheran ein neues Verhandlungsangebot unterbreitet. Diese Situation verleiht dem Anliegen der neuen Friedensinitiative eine zusätzliche Dringlichkeit.</p>
<p>Sie richtet sich sowohl an die amerikanische wie die iranische Regierung mit dem Appell, den Frieden zu wahren, aber Shirin Ebadi scheut auch nicht davor zurück, Forderungen an die eigene Regierung zu stellen.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong> <span lang="EN-US">O-TON 1</span></strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><span lang="EN-US">[Shirin Ebadi - Interview]</span></p>
<p><em>Ich denke, der Iran sollte seine Urananreicherung so lange aussetzen, bis die international Gemeinschaft den friedvollen Aktivitäten des Irans vertraut. Wir können um den Iran keine Mauer bauen und sagen, der Rest der Welt geht uns nichts an. Wenn der UN Sicherheitsrat Resolutionen verabschiedet, dann müssen wir sie akzeptieren.</em></p>
<p>Solche Positionen sind im Iran unerhört. Es wird in diesen Tagen zwar viel darüber diskutiert, wie man mit dem Westen wieder uns Gespräch kommen kann, aber eine Aussetzung der Urananreicherung gilt als Tabu. Wer sich dafür ausspricht, muss damit rechnen abgestraft zu werden.</p>
<p>72 Personen haben bislang einen gemeinsamen Aufruf unterschrieben .Weitere Unterschriften sollen gesammelt und die Zusammenarbeit mit Friedensgruppen im Ausland gesucht werden.</p>
<p>Der Initiative angeschlossen haben sich Vertreter der unabhängigen Gewerkschaften sowie bekannte Persönlichkeiten wie die populäre Schauspielerin Fatemeh Motamed Ariya und der Regisseur Jafar Panahi, dessen Film <em>Offside</em> beim Filmfestival in Berlin mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde.</p>
<p class="MsoNoSpacing"><strong>O-TON 2</strong></p>
<p class="MsoNoSpacing"><span lang="EN-US">[Panahi – Interview]</span></p>
<p><em>Schon seit langem haben wir das Gefühl, dass etwas getan werden muss. Im Iran denkt die Regierung nicht an Frieden, sondern nutzt Krieg als eine Ausrede dafür, von der Menschenrechtssituation und den Problem innerhalb des Landes abzulenken. Jeder hat bislang versucht, auf seinem eigenen Gebiet etwas zu unternehmen. Ich beispielsweise habe anderthalb Jahre an den Vorbereitungen für einen Film über den Krieg gegen den Irak gearbeitet, aber man hat ihn mir nicht genehmigt. Wenn wir uns zusammenschließen, können wir vielleicht gemeinsam etwas bewegen.</em></p>
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